Uraltverbot kippt Kunden dürfen bei Versicherungen feilschen

Die Finanzaufsicht hat im Streit um das Provisionsabgabeverbot eine Kehrtwende vollzogen. 250.000 Vermittler können nun Verkaufsprovisionen ganz oder teilweise an Kunden weitergeben, ohne Strafen fürchten zu müssen.
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Lebte gut von Provisionen: Der Ex-Chef des Strukturvertriebs MEG, Mehmet Göker, ist die Hauptfigur in dem Dokumentarfilm "Versicherungsvertreter", der seit März bundesweit in den Kinos lief und bei Sternfilm als DVD erhältlich ist.

Lebte gut von Provisionen: Der Ex-Chef des Strukturvertriebs MEG, Mehmet Göker, ist die Hauptfigur in dem Dokumentarfilm "Versicherungsvertreter", der seit März bundesweit in den Kinos lief und bei Sternfilm als DVD erhältlich ist.

FrankfurtKundenorientierte Vermittler jubeln. Eine Woche vor seinem 78. Geburtstag sei das typisch deutsche Provisionsabgabeverbot "den Weg alles Irdischen gegangen", erklärte Christoph Hübner, Geschäftsführer des Leverkusener Versicherungsvermittlers Tippgeber UG. "Endlich können Verbraucher wie in jeder anderen Branche auch mit dem Anbieter über einen wichtigen Vertragsbestandteil reden: den Preis."

Nötig war dafür eine Kehrtwende der Finanzaufsicht Bafin, die in der Branche schon gar nicht mehr erwartet worden war. Die Aufseher haben die Revision gegen ein aufsehenerregendes Urteil zum Provisionsabgabeverbot zurückgezogen. Das Revisionsverfahren, das vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig anhängig war, wurde damit beendet (AZ8c27.11). Somit ist das ursprüngliche Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt rechtskräftig. Das teilten BVG und Bafin mit.

Damit bekommt nun der Finanzvermittler AVL Recht, der Provisionen von Versicherern weitergeben wollte, dafür aber von der Bafin ein Bußgeld angedroht bekam. Dagegen hatte er geklagt.

Das Provisionsabgabeverbot aus dem Jahr 1934 verbietet Finanzvermittlern, Kunden solche Provisionen zurückzuerstatten. Vor allem für Lebensversicherungen betragen die Provisionen oft Tausende Euro, die Versicherer auf ihre Kunden abwälzen - letztlich bezahlen also die Versicherten mit ihren Prämien für das Einkommen der Vertreter. Das Verwaltungsgericht Frankfurt befand im Oktober das Verbot solcher Sondervergütungen als zu unbestimmt. AVL darf damit ihren Kunden Provisionen weitergeben.

Das Urteil aus erster Instanz (Aktenzeichen 9 K 105/11.F) war nicht rechtskräftig geworden, weil die Bafin innerhalb der Vierwochenfrist in die Sprungrevision beim Bundesverwaltungsgericht gegangen ist. Das sei offenbar voreilig gewesen, erklärt Hübner. "Die Bafin hat erkannt, dass sie das Verbot der Provisionsabgabe mit Blick auf Europarecht und die Erwartungen der Verbraucher an einen gesunden Wettbewerb nicht länger aufrecht erhalten kann." Die Entscheidung sei gut für Verbraucherschutz und Wettbewerb.


Vermittler müssen keine Strafen mehr fürchten
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15 Kommentare zu "Uraltverbot kippt: Kunden dürfen mit Versicherungsvertretern feilschen"

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  • Mit der 5 Jahres Stornohaftung für Krankenversicherungen freut sich auch nur das Versicherungsunternehmen die fleißig die Kohle nach mehr als einem Jahr zurückerhält^^

  • Soll ich nun von meinem Verdienst der Privathaftpflicht anstatt 10€ nur 5€ verdienen? Überall wo es Geld zu verdienen gibt tummeln sich Menschen die mit einem Dollarzeichen im Auge unterwegs sind! Die Politiker vergessen das man die Pro"VISION bzw. Lebenslang für den Vertrag" als Vorschuss erhält und 5 Jahre dafür haftet. Und wenn der Kunde beispielsweise in einer Rentenversicherung 500€ abbekommt kann er mir im Stornofalle (Arbeitslos etc.) die Kohle sicher innerhalb von 24 Stunden Überweisen (Ironie). Wenn ich das mit einem Kunden mache dann mit Ratenzahlungsvereinbarung mit 60 Monaten sonst gar nicht! Da muss der Kunde natürlich auch Eigenverantwortlich alle Serviceleistungen selbst erledigen. Wenn man an einem Kunden 1000€ verdient und dafür zu 3 Kunden muss alles vorbereiten berechnen Termine Zeit usw. und einer machst hat man 333€ verdient oder nicht? Für den Ausfall wird man auch nicht bezahlt.

  • Es geht auch anders und sicherlich besser. Immobilienmakler erhalten nach erfolgreicher Vermittlung eines notariellen Kaufvertrages vom Kunden eine Provision in Höhe von bis zu 7,14 Prozent inklusiver der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Insoweit sollte der Versicherungsvermittler seine Provision mit dem Kunden selber verhandeln können. Der versicherer muss gesetzlich verpflichtet werden, keine Provisionen zu zahlen!Mit Sicherheit wird eine mögliche Rendite der Finanzprodukte danach besser.dann weitaus

  • Die Provisionsabgabe verschlechtert den Verbraucherschutz, weil der Kunde jetzt das Produkt wählt, dass ihm die meiste Provision sichert. Dass er diese SELBST bezahlt, merkt er erst wenn es zu spät wird. Dann kündigt er und HAT NICHTS MEHR!

  • Das „Feilschen“ oder „Aushandeln“ von Vergütungshöhen bewirkt keinerlei Verbesserung der Beratungsqualität.
    Ganz im Gegenteil. Je weniger ein qualifizierter Berater verdient, weil er quasi gezwungen wird die ihm für die Arbeit zustehende Vergütung (= Provision) zu großen Teilen abzugeben, desto weniger Zeit und Qualität kann er in die Beratung investieren. Ein junger Berufsstarter braucht Versicherungsschutz. Eine Familie auch. Warum sollen die Verbraucher für die Beratung bezahlen, wenn dies doch die Banken, Versicherungen und Bausparkassen weiterhin übernehmen können? Natürlich sind Provisions-Obergrenzen einzuziehen und die Qualität der Produkte flächendeckend zu kontrollieren. Wenn das Ziel eine bessere Beratungs- und Produktqualität ist, muss die standardisierte Provision erhalten bleiben, um auch Geringverdienern eine kompetente Beratung zu ermöglichen. Honorare können/wollen nur Besserverdiener zahlen. Der verklagte, türkische Vermittler ist ein reißerisches Beispiel auf BILD-Zeitungsniveau, aber kein typisches Beispiel für Vermittler in Deutschland.

  • Übernimmt der Kunde auch die 5jährige Stornohaftung und versteuert er die Provision?

  • Was wohl allen nicht bekannt ist, ist die Tatsache, dass Vermittler im Bereich LV und PKV eine 5jährige Stornohaftung haben und somit die Provision nur als Darlehen erhalten - das Geld wird pro rata verdient! Also 1/60tel pro Monat! Geht der Vertrag in's Storno, muss der Vermittler die anteilige Provision zurück zahlen! Vermittler, die ohne vertragliche Absicherung gegenüber den Kunden, Provisionen im großen Stil abgeben, werden voll auf die Schnauze fallen! 5 Jahre ist eine lange Zeit!!! Die Storno-Quote ist in diesem Bereich recht hoch!

  • geile sache von avl GLÜCKWUNSCH - endlich hat einer mal das maul aufgemacht und vor der bafin nicht weggeduckt. wurde höchste zeit. wird uns zwar tagtäglich von der politik vorgelebt - die fahne in den wind - oder wie hießen die noch mal im osten - wendehals wars doch oder? hier geht es nicht um kosten, sondern einfach nur um den freien wettbewerb - oder wollt ihr alle die DDR zurück? warum soll einer zahlen, wenn er werder einen provisionsberater noch einen honorarberater in anspruch nehmen möchte? egal welcher von beiden das geschäft dann macht, beide sind doch befangen ... und wer der dumme ist brauch ich glaube nicht zu kommentieren.

  • 8000€ für einen Direktversicherer, wenn die Initiative von MIR ausgeht und ich alleine das Online-Vertragsangebot für eine Versicherungsumme von 100.000€ ausfülle??

    Das ist jetzt nicht ihr Ernst!!?

  • @Anonymer Benutzer: INV -> Die Kosten werden schon seit Jahren ausgewiesen! Einfach mal Ihre Verträge durchschaun.

    Ach ja, bei einer Honorarberatung werden viele Leute plötzlich sich "kostenpflichtig" wegen einer Versicherung beraten müssen. Glaube kaum, dass das im Interesse des Verbrauchers ist.

    Außerdem werden doch im Grunde im jeden Berufszweig Provisionen gezahlt: Beim Autoverkäufer, im MOdegeschäft ist der Verkäufer bei der Beratung auch Provisionsabhängig und auch im Möbelgeschäft, etc. ...

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