Verbraucherministerin Aigner „Zinsen von 17 Prozent sind zu hoch“

Banken fordern hohe Zinsen für die Kontoüberziehung. Über diese Praxis sprach Handelsblatt-Korrespondent Frank M. Drost mit Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).
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Verbraucherministerin Ilse Aigner: "Ein Kontowechsel kann sich lohnen." Quelle: dpa

Verbraucherministerin Ilse Aigner: "Ein Kontowechsel kann sich lohnen."

(Foto: dpa)

Viele Banken langen bei den Dispozinsen kräftig zu, obwohl die Leitzinsen auf ein historisches Tief gesunken sind. Ist das nur ein Ärgernis?

Die Verbraucher werden bei Dispokrediten oft durch zu hohe Zinsen benachteiligt. Zinsen von bis zu 17 Prozent sind aus meiner Sicht nicht begründbar. Die Banken dürfen nicht einerseits die Vorteile der erheblichen Zinssenkungen der Zentralbank einkassieren, andererseits aber die Kunden mit teuren Krediten im Regen stehen lassen. Es kann nicht sein, dass sich Banken auf Kosten der Verbraucher sanieren. Im Gegenteil: Zinssenkungen müssen an die Kunden weitergegeben werden.

Was raten Sie dem Verbraucher?

Kein Kredit ist so teuer wie ein Dispokredit. Verbraucher sollten ihn daher nur im Notfall und möglichst nur für kurze Zeit in Anspruch nehmen. Jeder Kunde sollte die Konditionen der Banken vergleichen und sie sich genau erklären lassen, damit er nicht durch überhöhte Dispozinsen in die Schuldenfalle gerät. Ein Kontowechsel kann sich durchaus lohnen. Bei längerfristigem Geldbedarf sollten sich Verbraucher zudem überlegen, nicht dauerhaft das Girokonto zu überziehen, sondern stattdessen einen Ratenkredit in Anspruch zu nehmen, der deutlich niedrigere Zinsen aufweist.

Kann man niedrigere Zinsen erzwingen?

Aigner: Nach der geltenden Rechtslage sind die Banken verpflichtet, ihre Zinsen nicht nur nach oben, sondern symmetrisch auch nach unten an die Refinanzierungskosten anzupassen. Zinsanpassungsklauseln, die etwas anderes beinhalten, sind unzulässig. Darüber hinaus müssen die Banken seit Juni 2010 die Modalitäten der Anpassung dem Kunden offenlegen.

Welches Gesetz ist dafür die Basis?

Das ergibt sich aus dem Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkreditrichtlinie. Wenn die Bank sich an einem Index oder Referenzzinssatz orientiert, muss sie diesen nennen. Ich erwarte auch von der Finanzaufsicht, dass sie sich um die Beseitigung von Missständen kümmert.

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