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Verbraucherschützer „Die Versicherer haben in der Altersvorsorge versagt“

Der Verbraucherschützer Axel Kleinlein gilt als schärfster Kritiker der Branche. Im Interview verrät er, warum Lebensversicherungen, Riester- und Rürup-Rente nichts taugen und mit welchen Allianz-Vorständen er sich duzt.
27.07.2012 - 12:52 Uhr 43 Kommentare
„Die sehr niedrige und zum Teil sogar sinkende Überschussbeteiligungen sind kein Zeichen für eine Schwäche der Unternehmen, sondern ein Zeichen der Schwäche der Produkte. Die Unternehmen haben die Chance, die Probleme an den Kapitalmärkten durch die Überschussbeteiligung auf die Kunden abzuwälzen.“Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

„Die sehr niedrige und zum Teil sogar sinkende Überschussbeteiligungen sind kein Zeichen für eine Schwäche der Unternehmen, sondern ein Zeichen der Schwäche der Produkte. Die Unternehmen haben die Chance, die Probleme an den Kapitalmärkten durch die Überschussbeteiligung auf die Kunden abzuwälzen.“

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Herr Kleinlein, unter Versicherern gelten Sie als einer der meistgehassten Menschen der Republik. Wie lebt es sich mit diesem Ruf?
Wie meinen Sie das? Ich glaube nicht, dass ich so gehasst werde.

Sie gelten als schärfster Kritiker der Versicherungsbranche, einer der mächtigsten Industrien des Landes…
Einige Vorstände mögen mir nicht immer gut gesonnen sein. Von der Basis der Versicherungsbranche erhalte ich aber viel Zuspruch. Ich besuche etwa häufiger Veranstaltungen für Vermittler. Die sind dankbar, dass ich ihnen die Produkte erkläre. Wer versteht schon einen zweifach gesicherten Dreifach-Hybrid? Die Gesellschaften lassen den Vertrieb ja bewusst in Unwissenheit.

Wieso?
Damit sie diese Produkte ohne Gewissensbisse verkaufen können. Nicht nur der Kunde ist der Gelackmeierte, auch der Vermittler. Vermittler sollten bessere Produkte einfordern.

Sie kritisieren vor allem die Riester-Rente scharf. Was ist eigentlich so schlimm daran, dass der Staat die private Altersvorsorge fördert?
Die Einführung wurde mit Jubel von allen Seiten begleitet. Mit einigem Abstand müssen wir aber feststellen: Die Riester-Rente ist mittlerweile ineffizient. Anleger können heute ihr Geld in vielen Fällen genauso gut in einen Sparstrumpf legen. Das wäre ähnlich ineffizient. Die Branche bietet keine Produkte an, die es wert wären gefördert zu werden. Das ist ein Problem.

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    Warum?
    Jeder Euro, der in die Förderung geht, muss von einem Steuerzahler abgeführt werden. Das Projekt lohnt sich volkswirtschaftlich nicht. Und das Risiko der Altersarmut wächst.

    Was kritisieren sie konkret an der Riester-Rente?
    Vor allem die Sterbetafeln. Die Versicherer kalkulieren damit, dass ein neugeborenes Mädchen 103 Jahre alt wird. Bei fondsgebundenen Lösungen unterstellen einige Versicherer sogar, dass heute geborene Mädchen durchschnittlich 111 Jahre alt würden. Jenseits dessen kalkulierten einige Anbieter sogar mit Lebenserwartungen von mehr als 130 Jahren.

    Werden die Menschen nicht immer älter?
    Analysen des Statistischen Bundesamtes sehen die Lebenserwartung viel niedriger. Erwartungen die so deutlich über hundert Jahre liegen sind doch absurd. Die Allianz hat einmal in einer Aktionärszeitung einen Wissenschaftler zitiert, der erklärte, dass wir alle bald 150 Jahre alt werden. Das war nicht als Satire gedacht. Es zeigt aber die Willkür, mit der hier gerechnet wird.

    „Die Bilanz ist traurig“
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    43 Kommentare zu "Verbraucherschützer: „Die Versicherer haben in der Altersvorsorge versagt“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Mit dem Geld ist es wie mit den Frauen - Wer alle behalten will, muß sich selbst kümmern. Und das ist auch nicht sicher.

      Versicherungen sind grundsätzlich unproduktiv. Wenn der Zins, der das eigentliche Problem unseres Wirtschaftssystems ist, auf dauer niedrig ist bzw. wegfällt, bricht das System in seiner heutigen Form über kurz oder lang zusammen. Nur das ist sicher

    • "Hier kurz meine leidvollen Riestererfahrungen mit Signal-Iduna bzw. Hansainvest: 2002 Abschluss eines auf Fonds basierenden Riestervertrages. Eingezahlt wurde bis 2010 jeweils der Höchstförderbetrag, also insgesamt € 10.808, so dass sich einschließlich Zinsen ein Guthaben von insgesamt € 11.601,22 im Nov. 2011 zur Verrentung ergab. Darin enthalten sind keine staatlichen Prämien. Die hat es auch heute nach 10 Jahren trotz fristgerechter Antragstellung nicht gegeben. Übrigens sind die Prämienanträge für die Jahre 2005 bis 2007 verschwunden. Und die anderen Prämien kümmert sich die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen seit 6 Monaten. Die Bearbeitung des Rentenantrags bei Signal-Iduna dauerte von Sept. 2011 bis zum 14.12.2011. Dann wurde eine Monatsrente von € 43,46 mitgeteilt. Diese wurde dann im Jan. auf € 30,45 vermindert, im Oktober gab es dann nur noch € 15,22 und gestern waren es für Nov. 12 € 19,66!!
      Das einzig Positive war die Auszahlung von 30 % des Guthabens im Dez.2012, aber das war ja schließlich auch nur mein Geld, was ich nur zurückbekam.
      Das alles ohne eine schriftl. oder mündl. Information. Nie mehr Signal-Iduna!!"

    • Viele Kinder kriegen und darauf hoffen, dass diese einem im Alter unterstützen - ist weltweit und zu jeder Zeit das einzige System, das im Durchschnitt funktioniert hat.

    • Herr Schröder hat zwar damals Riester eingeführt, aber mit Maschmeyer Seilschaften hat dies eher nichts zu tun.
      Denn die Versicherungsbranche hat diese Altervorsorgeprodukte als zu teuer und unwirtschaftlich abgelehnt.
      Da aber durch den Wegfall der alten Förderung auch das reguläre Geschäft unattraktiv geworden ist und Riester unbedingt erfolgreich sein musste, hat der Staat bei der Riesterrente eine höhere Vergütung im Nachhinein zugelassen. Weil die hohen staatlichen Auflagen teuer sind, konnte das nur zu Lasten der Rendite gehen.
      Die Folge: Die Versicherer fingen an Riester zu verkaufen, weil sie daran nun verdienen konnten.
      Letztlich ging es der Regierung Schröder schon damals um Enteignung der Sparer, durch Besteuerung der Erträge.
      Verwaltung von Förderanträgen schafft da auch noch neue Bürokratie, und damit neue Seilschaften und Hausmächte für Politiker.

      H.

    • Es gibt sicher Anlass über Rechnungsgrundlagen der Versicherer zu sprechen, aber solcher Art "Heißmache" lenkt nur davon ab, das besonders die Verbände und der Staat die Altersvorsorge kaputt gemacht haben. Und nun werden sie den Versichern vor, das sie immer noch was verdienen wollen.
      Letztlich sind es die Kosten für alle diese wohlmeinenden anwälte in hunderten von Interessenverbänden, die alle aus dem Staatssäckel bezahlt werden, die uns letztlich wirklich teuer kommen.
      wo es zu viele Mitesser gibt, da bleibt eben nicht viel übrig.
      Da ist es müßig darüber zu streiten, wie das letztlich gerechtfertigt wird oder wem der schwarze Peter zugeschoben wird.
      Jede "Verbesserung" bringt uns neue Verwalter und Verbände, die diese überwachen. Und das nicht zum Billiglohn.
      Die Hälfte aller Juristen und BWL'er wird so beschäftigt.

      H.

    • Sehr geehrter Herr Kleinlein,

      was empfehlen Sie als Altersvorsorge für einen Menschen mit einem Durchschnittseinkommen?

      Viele Grüße
      Martin Kasten

      Finanzplaner (MWS-Braun)
      Fachwirt für Finanzberatung
      Masterconsultant in finance
      Sachverständiger für betriebliche Altersvorsorge

    • Vandale: Die Staatshaushalte Europas werden zulasten der Sparer und der Altersversorgung saniert.
      Die EZB kommt diesem Wunsch, der ihrem Auftrag de Preisstabiität zu wahren entgegensteht, durch eine intensive Geldschöpfung nach.

      Fr. Merkel ist den Deutschen Vertretern im EZB-Gremium in den Rücken gefallen.

      Die Versicherer sind wirklich keine Engel, aber der Vorwurf ist an die sozialistischen Politiker zu richten.

      DocEx: Ist Frau Merkel unbemerkelt unter die Sozialisten gegangen ? Francois Hollande zuliebe, um den Gabriel auszustechen ?

    • Sehr geehrter Gerhard.
      Sie sprechen es wirklich an-meine Frage wer schützt die Verbraucher vor den Verbraucherschützern?
      Es ist wirklich kriminell was in den letzten jahren passiert ist. Derzeit werden die Gesellschaften sogar gezwungen die aktuellen Staatspapiere zu kaufen-es wäre volkswirtschaftlich jedoch viel interessanter die Milliarden der Altersvorsorge-Sparer mehr an der Energiewende zu beteiligen-dann kämen wir sdchon bald auf 7% von früher...

    • Ja es war halt in der guten alten Zeit mit Renditen über 7 % und steuerfreier Auszahlung für alle Seiten ein gutes Geschäft. The SPD killed the german Lebensversicherung in 2004 and Theo waigel 6Co ruinierten langfristig die europäische Finanzwirtschaft-bzw. stellten die Weichen auf Kollisionskurs. Wer muß es ausbaden? richtig der sparende und vorsorgende Bürger

    • Dann sollten Sie sich aber schleunigst informieren, ob die Targobank (Vertrieb erfolgt ausschließlich über die Bank) sie ordentlich aufgeklärt hat. Die Targoversicherung hat nämlich seit Jahren weit überdurchschnittliche Stornoraten. Kein Wunder hat die Bank doch die Praktiken weitgehend von der Citibank übernommen. Deren kriminelle Praktiken dürften bekannt sein.

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