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Vermittler demonstrieren „Wir sind ehrbare Kaufleute“  

Versicherungsvermittler Deutschlands, vereinigt euch! Der Berufsstand hat zur großen Kundgebung in Berlin gerufen. Allein: Das politische Ziel ist längst erreicht. Aus der Gegendemo wird eine Solidaritätsbekundung.
9 Kommentare
Hunderte Vermittler am Potsdamer Platz: Eine Solidaritätsbekundung.

Hunderte Vermittler am Potsdamer Platz: Eine Solidaritätsbekundung.

Berlin 15.20 Uhr, Donnerstagnachmittag, Berlin. Von Michael Heinz keine Spur. Vor 20 Minuten hätte sie losgehen sollen, die offizielle Kundgebung des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Doch warten Hunderte Makler und Versicherungsvermittler mit ihren Bannern und Schildern bislang vergebens auf ihren Präsidenten. Als er endlich die Bühne erklimmt, erfasst just eine leichte Brise den ansonst sommerlich-sonnigen Potsdamer Platz.

Der Verbandsbanner flattert – und Heinz kann es sich nicht verkneifen: „Es sind windige Zeiten“, steigt er ein, „aber hier gibt es etwas tolles, hier gibt es ehrbare Kaufleute!“ Heinz ist stolz, Heinz ist auch berührt. „113 Jahre musste es dauern, um endlich in die Öffentlichkeit zu gehen und ihr zu sagen, was wir für ein toller Berufsstand sind.“ Die Menge unter ihm blickt zufrieden, es wird geklatscht. Von Aufruhr ist heute nichts zu spüren.

Denn der eigentliche Grund für die Demonstration ist seit spätestens Dienstagabend vom Tisch. Da nämlich war nach Tagen der Heimlichtuerei offiziell geworden, dass es die Lobby geschafft hatte: Der strittige Passus im Gesetz zur Reform der Lebensversicherung (LVRG), nachdem Vermittler künftig ihre Abschlussprovisionen offenlegen sollten, wurde in letzter Minute gestrichen.

Der Gesetzesumdruck liegt bereits vor (siehe Download) – über die geänderte Fassung stimmt an diesem Freitag, 4. Juli, der Bundestag und am kommenden Freitag, 11. Juli, der Bundesrat ab. Die Zustimmung der beiden Kammern scheint nur noch Formsache zu sein.

Dennoch haben die Vermittler ihre Kundgebung nicht etwa abgesagt. Natürlich hatte man ursprünglich gegen die Offenlegung der Provisionen – und damit gegen Transparenz – demonstrieren wollen. Im Interview mit Handelsblatt Online hatte BVK-Präsident Heinz noch kürzlich gesagt, er erwarte kein Verständnis der Bevölkerung dafür. Dort werde lieber eine Neiddebatte geführt.

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9 Kommentare zu "Vermittler demonstrieren: „Wir sind ehrbare Kaufleute“  "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "ICH bin ein ehrbarer Kaufmann"
    genau dass gebe ich hier (ohne Pseudonym oder anonym) bekannt. Voller Stolz blicke ich, als 33 jährigen selbstständiger Kaufmann, auf eine langjährige Karriere mit vielen zufriedenen Klienten zurück. (besuchen Sie mich auf www.klostermann.gothaer.de) Fakt ist; die Provisionen die ich verdiene sind -mitunter- relativ hoch! ABER ich hafte für diese Provision durchschn. 5 Jahre! Diese Provisionshaftung wird mglw. sogar auf 10J. angehoben. Auch ich habe Lebenshaltungskosten und bestreite diese mit meine Einkommen, also mit den Provisionen die ich verdiene. IN WELCHER BRANCHE HAFTEN DIE MENSCHEN MIT IHREM EINKOMMEN FÜR DIE ARBEIT DIE SIE GELEISTET HABEN??? Versicherungen sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken und retten durchaus Existenzen. Lebensbedingungen ändern sich, dass ist völlig normal, insbesondere im Laufe mehrerer Jahre. Was ist fair daran, dass ich mein Einkommen (ganz oder teilweise) wieder zurück zahlen darf (und dass obwohl ich es bereits für meine lfd. Kosten ausgegeben habe) NUR weil sich die Lebensbedingungen eines meiner Klienten verändert haben, worauf ich WOHLGEMERKT keinerlei Einfluss habe!?! WO GIBT ES DAS SONST NOCH? Ich möchte SIE sehen, wie SIE sich fühlen, wenn Sie ihr Einkommen, dass Sie für ehrliche und aufrichtige Arbeit (vermeintlich) verdient haben, wofür SIE nach bestem Wissen und Gewissen stundenlang hart gearbeitet haben, urplötzlich (vielleicht nach ein, zwei oder drei Jahren) zurück geben müssen, und dass obwohl SIE bereits Ihren Lebensunterhalt von diesem Geld bestritten haben!!! Dies ist schlichtweg UNFAIR! "Schwarze Schafe" und unsachgemäße Kundenberatung gibt es in JEDER Branche! WARUM also GIBT ES DIESE BEDINGUNGEN AUSSCHLIEßLICH IN UNSERER BRANCHE??? Ich frage Sie also; IST DASS FAIR? Warum haften unsere Politiker, die derartige Entscheidungen treffen, NICHT für Ihre viiiiel zu hohen Gehälter (oder unsere Manager, oder, oder, oder....)!?! Ich stehe gerne für jegliche Reaktion zur Verfügung!

  • Wo hier im § 93 steht, dass "Dort wird klar und deutlich von einem Sachwalter gesprochen. Dieser hat die Aufgabe, die Interessen des Mandanten zu wahren, "
    steht, entzieht sich meiner Kenntnis. es ist lediglich die Definition allgemein als Handelsmakler vorhanden. Bitte nichts hinein interpretieren, was nicht drinsteht.
    Im übrigen ist sogar bei den Immobilienmaklern deutlich, wieviel Provision fällig ist. Auch ich als Handelsmakler bin verpflichtet vor Geschäftsabschluss meine Provision offenzulegen. Wo der Unterschied ist, zu einem Versicherungsmakler erschließt sich mir nicht. Aus dem zitierten HGB geht in § 92 lediglich hervor, dass für die Tätigkeit eine Provision zu zahlen ist, was absolut normal ist. Normal ist hingegen nicht, sich wie eine Jungfrau zu zieren wenn es darum geht zu erzählen, was denn diese Dienstleistung nun erbracht hat.

  • Wenn jemand mir gegenüber eine Leistung erbringt, möchte ich Transparenz und wissen, was mich das kostet.

    Ich sehe nicht ein, dass ausgerechnet im Versicherungswesen hiervon abgewichen werden sollte.

    Beispiel:
    Es hat mich schon sehr erbost, nachträglich zu erfahren, dass von einer Einmalzahlung in eine fondsgebundene Kapital-Lebensversicherung gut 18% an Gebühren abgezwackt wurden, allein auf Versicherungsebene. hinzu kamen dann noch die Gebühren der Fondsverwaltung. Kein Wunder, dass ich da nach 12 Jahren weniger zurück bekam, als ich eingezahlt hatte.

    So etwas ist nicht gerade vertrauensfördernd.

  • Den sogenannten "ehrbaren Kaufmann" werden wir wohl kaum mehr finden, weder unter Vermittlern noch in anderen Branchen. Was die Offenlegung von Provisionen angeht, bin ich strikt dagegen, so dies nicht pauschal für alle anderen Branchen ebenfalls gilt. Soll heißen, dass jeder Betrieb in Deutschland dann seine Erlöse offen zu legen hat. Also jeder Schreiner, jeder Autohändler usw. Eine vernünftige Lösung für die Versicherungsbranche ist die Umstellung von Abschluss auf Bestandsprovisionen. Damit kann zumindest sichergestellt werden, dass nicht wegen der Abschlussprovision vermittelt wird. Alternativ kann sich jeder Kunde nach einer Honorarvermittlung erkundigen. Dabei zahlt der Kunde eine vorher vereinbarte Summe bei Abschluss des Vertrages, dieser ist dafür ohne Provisionen kalkuliert.

    Was das ewige "treten" im Bezug auf Versicherungsmakler angeht, sollten Sie sich vorher mal den Wortlaut des §93 im HGB anlesen sowie die BGH-Urteile, wovon mehrere bereits bestätigt wurden durch weitere Urteile. Dort wird klar und deutlich von einem Sachwalter gesprochen. Dieser hat die Aufgabe, die Interessen des Mandanten zu wahren, das tut der größte Teil der Versicherungsmakler. Für Fehlberatung bzw. Fehlentscheidungen haftet der Makler ja im übrigen. Von daher ist es kaum anzunehmen, dass ein ganzer Berufsstand nur für die eigene Tasche entscheidet.

  • Es darf wohl als Zumutung verstanden werden, was die Bundestagsabgeordneten hier abliefern und es muss der Verdacht geäußert werden, dass es doch mehr sein müssen, die dort koksen.

    Anders kann man es wohl nicht mehr sehen oder erklären.

  • Mal unabhängig vom Sinn und Zweck der Demonstration (ich hätte kein Problem mit der Offenlegung der Provisionen) finde ich die Kommentare teilweise erschreckend!
    Wieso ist ein Versicherungskaufmann/-makler per se kein ehrbarer Kaufmann?
    Als Makler bin ich das Sprachrohr meiner Kunden gegenüber den Versicherungsgesellschaften! Durch meine Tätigkeit haben meine Kunden eine Mehrwehrt und einen angemessen Schutz zu einem guten Kurs!
    Was ist daran verkehrt, wenn man als Makler daran verdient?
    Ich habe mal gelernt: "Ein gutes Geschäft ist, wenn beide etwas davon haben!"
    Gilt das nur beim Autokauf? Ich denke nicht!
    Etwas weniger Stammtischpolemik und etwas mehr Objektivität würde der Diskussion gut tun!

  • Dem abgedroschenen Wort "ehrbar" kann ich nichts Positives abgewinnen, im Gegenteil.

  • Kaufleute vielleicht aber ehrbar ? Ganz gewiss nicht !
    Warum hat man solche Angst davor offenzulegen, wohin das Geld der Versicherten wirklich fließt ? Weil dann klar wird, dass viele Beitragserhöhungen simpel nicht notwendig wären, wenn man die gezahlten Beiträgen zweckgebunden verwendet und nicht in Vermittlungshonorare umwandelt.
    Noch deutlicher wird, wie diese Leute drauf sind, wenn ein Versicherungsmakler in meiner Nachbarschaft anderen schwer arbeitenden Leuten erklärt, in zwei Stunden habe ich das Verdient, wozu Du eine Woche brauchst !
    Der Vorsitzende sollte wirklich keine Begriffe in den Mund nehmen von denen er und seine Bande nichts versteht.

  • Ehrbare Kaufleute, da muss man ja herzlich lachen, das trifft in dieser Branche vielleicht auf 1 % zu und der Rest sind Betrüger und Abzocker.

    Nun gut, der Bürger ist selbst schuld wenn er auf die schicken Anzüge reinfällt.