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Versicherungen Diese Policen sind ein Muss für Freizeit-Sportler

Sportunfälle sind schnell passiert und ziehen häufig langwierige Probleme nach sich. Welche Versicherungen für Sportler und Urlauber wichtig sind.
05.01.2020 - 17:00 Uhr Kommentieren
Nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch auf der Piste sind gewisse Regeln einzuhalten. Quelle: dpa
Skifahrer in der Schweiz

Nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch auf der Piste sind gewisse Regeln einzuhalten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Berg ruft: Die Wintersaison ist in vollem Gange. Für Skifans gibt es kaum Schöneres, als im Sonnenschein die schneebedeckten Hänge hinunter zu wedeln und dann in eine urige Berghütte einzukehren. Doch die Statistik zeigt: Neben dem Spaßfaktor ist auch das Verletzungsrisiko hoch.

Jeder fünfte Sportunfall passiert beim Skifahren, wie aus Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht. Laut Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) haben sich in der Saison 2017/18 zwischen 42.000 und 44.000 deutsche Skifahrerinnen und Skifahrer so auf Pisten verletzt, dass sie ärztlich behandelt werden mussten.

Unfälle im Freizeitsportbereich sind schnell passiert, nicht nur beim Skifahren, sondern auch beim Fußball, Tennis oder Reiten. Und die Unfälle ziehen häufig längere Probleme nach sich.

Oft haben die Sportler nicht nur mit eigenen langwierigen Verletzungen zu kämpfen. Wer andere Personen schädigt, muss auch für die Folgekosten aufkommen. Der richtige Versicherungsschutz ist daher wichtig. Neben der Krankenversicherung, die in Deutschland ohnehin Pflicht ist, gibt es für Sportler noch weitere wichtige Policen.

Privathaftpflicht

Die Privathaftpflicht springt bei Schäden ein, die Versicherte einem Dritten zufügen. So weist der Bund der Versicherten (BdV) darauf hin, dass die Kosten, die nach einem Unfall auf die Sportler zukommen, gerade bei Personenschäden so hoch sein können, dass sie für viele Menschen den finanziellen Ruin bedeuten würden. Daher sei eine private Haftpflichtversicherung unverzichtbar. Diese gilt in der Regel weltweit. „Sie schützt vor den Folgen der gesetzlichen Haftpflicht, indem sie im Schadenfall bei berechtigten Ansprüchen zahlt und unberechtigte Ansprüche abwehrt – notfalls sogar vor Gericht“, erläutert BdV-Sprecherin Bianca Boss.

Bei vielen Urteilen zeigt sich jedoch, dass Sportler sich an strikte Regeln halten und für Fehlverhalten haften müssen. So hatte beispielsweise das Landgericht Köln einen Unfall beim Skifahren auf dem Tisch, bei dem ein Skifahrer auf einen vorausfahrenden Skifahrer auffuhr. Die Richter entschieden: „Wer von hinten kommt, ist schuld“ (Az.: 30 O 53/17).

Sie beriefen sich dabei auch auf die sogenannten FIS-Regeln des internationalen Skiverbands. Gemäß Regel Nummer drei dürfen von hinten kommende Skifahrer Vorausfahrende nicht gefährden. Das Gericht sprach dem Verletzten Schmerzensgeld zu.

Auch wenn Sportler in Unfälle mit unbeteiligten Personen verwickelt sind, fällt das Urteil der Gerichte meist eindeutig aus, wie ein Fall aus dem Sommer zeigt: Ein Kite-Surfer, der beim Start einen Spaziergänger umgeworfen hatte, musste diesem Schadensersatz und Schmerzensgeld zahlen. Der Surfer ist in der Regel allein für die Folgen des Unfalls verantwortlich. Das geht ebenfalls aus einem Urteil des Landgerichts Köln hervor (19 O 49/18).

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Wer eine ausgefallene Sportart betreibt, sollte in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen seiner Versicherungsgesellschaft deshalb überprüfen, ob die Privathaftpflicht im Schadensfall auch tatsächlich einspringt. Unfälle beim Skifahren decken die Policen in der Regel ab. Das Gleiche gilt für Radfahrer, selbst wenn sie mit einem Pedelec mit Anfahrhilfe bis 25 Stundenkilometer unterwegs sind.

Beim Surfen kommt es auf den Tarif an. Bei der Allianz sind beispielsweise Schäden an Dritten, die durch die Nutzung von eigenen oder fremden Surfbrettern sowie Kite-Geräten bis 30 Metern Seillänge entstehen, selbst im Basis-Tarif mitversichert. Bei der Axa müssen Surfer dagegen die Leistungspakete M oder L wählen, im Leistungspaket S besteht kein Versicherungsschutz. Wer sicher gehen will, was sein Tarif im Detail abdeckt, sollte bei seiner Versicherung nachfragen.

Ohnehin reicht nicht in jedem Fall die private Haftpflichtversicherung aus. Eigentümer von Booten mit großer Segelfläche und starker Motorleistung benötigen beispielsweise eine separate Bootshaftpflicht-Versicherung. In einigen Ländern ist der Nachweis einer solchen Versicherung sogar verpflichtend, etwa in Spanien, Griechenland oder Kroatien.

Aufpassen müssen Sportler zudem, wenn ihnen ein Vorsatz nachgewiesen wird. Dann zahlt die Privathaftpflicht, wie auch alle anderen Versicherungen, nicht. Das hatte auch das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem Fall aus dem Bereich Fußball bestätigt (Az. 9 U 162/11).

Bei einem Landesligaspiel hatte ein Amateurfußballer seinen Gegenspieler schwer am Bein verletzt; dieser erlitt einen Wadenbeinbruch, ein ausgekugeltes Sprunggelenk und mehrere Bänderrisse. Zuvor hatte er schon gedroht, ihm bei der nächsten Aktion die Beine zu brechen. Daraus ließe sich ein Vorsatz schließen, so die Richter. Daher musste der Versicherer die Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche des Gegenspielers nicht übernehmen.

Unfallversicherung

Wer Sport treibt, setzt sich immer einem Verletzungsrisiko aus. Oft tut er das auf eigene Gefahr – wie auch aus einem Beschluss der Oberlandesgerichts Köln hervorgeht (Az. 1 U 12/19). In dem Fall war ein Mountainbiker auf einem abschüssigen Waldweg zu Fall gekommen und schwer verletzt worden.

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Er forderte Schmerzensgeld vom Eigentümer des Waldes, da die quer über den Weg verlaufende Hangsicherung durch Holzstämme wie eine Sprungschanze gewirkt habe, die aus seiner Fahrtrichtung nicht zu erkennen gewesen sei. Doch die Richter verwiesen darauf, dass es sich um eine waldtypische Gefahr handelte, für die der Waldeigentümer nicht haften muss.

Der BdV empfiehlt daher den Abschluss einer privaten Unfallversicherung – vor allem, um gegen die finanziellen Folgen von dauerhaften Schädigungen abgesichert zu sein. Die Versicherung leistet bei einer verbleibenden Invalidität entweder eine vereinbarte Einmalzahlung und beziehungsweise oder eine Rentenzahlung.

Bei Abschluss der Unfallversicherung sollten Verbraucher klären, ob ihre Sportart auch tatsächlich versichert ist. Skifahren, Surfen oder Tauchen ist meist kein Problem. Drachenfliegen ist aber häufig ausgeschlossen. Passiert der Unfall indes beim Schul- oder Betriebssport, ist die gesetzliche Unfallversicherung zuständig. Auch Berufssportler, Piloten und Teilnehmer von Motorsportrennen brauchen eine spezielle Versicherung.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Unabhängig davon, ob jemand viel Sport treibt oder nicht, rät der BdV zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Gerade auch nach Sportunfällen zahlt die Versicherung die vereinbarte Rente, wenn die verunglückte Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Zwar übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für Behandlung und Reha. Auch gibt es über sie eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Wer aber längerfristig bei der Arbeit ausfällt, dem hilft nur die BU.

Auslandsreisekrankenversicherung

Wer Sport im Ausland treibt, sollte zudem eine Auslandsreisekrankenversicherung abschließen. Sie übernimmt Kosten für eine Heilbehandlung im Ausland, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht gedeckt sind.

Besonders wichtig ist dem BdV zufolge die Mitversicherung des Krankenrücktransports. „Die Kosten für diesen Rücktransport übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich nicht. Hierfür können sehr schnell einige Tausend Euro anfallen“, sagt Verbraucherschützerin Boss. Für Privatversicherte sei die Auslandsreisekrankenversicherung meist ebenfalls sinnvoll.

Oft gibt es für Sportler auch komplette Versicherungspakete. Der Verband Deutscher Wassersportschulen (VDWS) bietet beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Versicherungskonzern Axa Wassersportversicherungen an, die eine Haftpflicht-, Kasko- und Unfallversicherung kombinieren.

Ähnlich verhält es sich bei den Skiversicherungen des Deutschen Skiverbands (DSV), bei denen der Versicherer Arag als Partner agiert. Ein solches Komplettpaket lohnt sich aber nur, wenn die einzelnen Bausteine nicht schon über andere Versicherungen abgedeckt sind. Ein Beispiel: Wird die Sportausrüstung aus dem Hotelzimmer gestohlen, übernimmt das in der Regel die Hausratversicherung.

Eine Besonderheit besteht zudem bei Mitgliedern von Sportvereinen: In der Regel sind diese automatisch über die Sportversicherung ihres Vereins abgesichert. Eine solche Gruppenversicherung schließt der jeweilige Landessportbund für alle Mitgliedsvereine ab. Diese umfasst in der Regel eine Unfall- und Haftpflichtversicherungspolice und manchmal auch eine Rechtsschutzversicherung.

Ein zusätzlicher privater Versicherungsschutz ist für Sportler meist trotzdem sinnvoll, da sie in der Regel auch außerhalb des Vereins und der Trainingszeiten Sport treiben.

Mehr: Worauf Verbraucher bei der Haftpflichtversicherung achten müssen.

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