Versicherungen Kleinkrieg unter Verbraucherschützern

Beim Bund der Versicherten eskaliert ein Streit unter den Führungskräften. Der Ex-Vorstandschef Axel Kleinlein erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Verein. Kleinlein gilt als härtester Branchenkritiker.
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Axel Kleinlein, Ex-Vorstandschef des Bundes der Versicherten. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Axel Kleinlein, Ex-Vorstandschef des Bundes der Versicherten.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

DüsseldorfDie Nachricht schlug bei Verbraucherschützern und Versicherern wie eine Bombe ein. Am vergangenen Freitag teilte der Aufsichtsrat beim Bund der Versicherten in einigen dürren Sätzen mit, dass sein Vorstandsvorsitzender Axel Kleinlein „mit sofortiger Wirkung“ wegen „unterschiedlichen Auffassungen über die inhaltliche und personelle Ausrichtung“ aus dem Vorstand ausscheide.

Nach dem obligatorischen Dank für „die in den letzten Jahren geleistete Arbeit“ präsentierte das Gremium den – weitgehend unbekannten – Nachfolger Tobias Weissflog, der vorher als Abteilungsleiter beim BDV aktiv war.

Die Nachricht war deshalb so brisant, weil Kleinlein als der vielleicht schärfste Kritiker der Versicherer gilt. Kleinlein, Kolumnist bei Handelsblatt Online, erklärte noch im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem Handelsblatt, die Versicherer hätten „in der Altersvorsorge versagt“.

Kleinlein ist ausgebildeter Versicherungsmathematiker, besitzt ausreichend Fachwissen und Schlagfertigkeit, um der Branche in zahlreichen Diskussionsrunden in Presse und Fernsehen regelmäßig die Leviten zu lesen. Sprecher der Versicherer und deren Verbände wehrten sich mit allen Mitteln gegen die Kritik. Der Bund der Versicherten entwickelte sich unter seiner Ägide von einem eher verschlafenen Verein zum Wortführer in den Medien und einer modernen Verbrauchervertretung.

Der plötzliche Abgang wird jetzt zur Zerreißprobe für den Verein. Kleinlein erklärt in einer Mitteilung an die Presse, dass die Darstellung seines alten Arbeitgebers nicht stimme. „Über die inhaltliche Ausrichtung zum offensiven Verbraucherschutz bestand stets Konsens“, schreibt Kleinlein. Und: „Über die personelle Ausrichtung gab es jedoch tatsächlich Dissens, da der Aufsichtsrat wiederholt versuchte bestimmte personelle Entscheidungen zu erzwingen“. Das stelle laut Kleinlein einen „satzungswidrigen Eingriff in die Geschäftsführung“ dar.

Brisante Schilderungen
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12 Kommentare zu "Versicherungen: Kleinkrieg unter Verbraucherschützern"

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  • Das www.tagesbriefing.de hat über die Causa Kleinlein berichtet http://www.tagesbriefing.de/2013/03/25/bund-der-versicherten-nach-der-entlassung-des-vorstands/ und über die Recherchen zu Tobias E. Weissflog "Tobias wer?" http://www.tagesbriefing.de/2013/04/07/bund-der-versicherten-wer-ist-tobias-e-weissflog/

  • Liebe BDV-Mitglieder, jetzt seit Ihr gefragt !

    Nahezu alle BDV-Mitarbeiter stehen hinter Hr. Kleinlein, aber ohne die Stimmen von uns Mitgliedern sind den Mitarbeitern leider die Hände gebunden - es liegt jetzt an uns Mitgliedern!

    Gebt euch einen Ruck und fordert in einem Zweizeiler eine
    außerordentliche Mitgliederversammlung zur Wiedereinsetzung von Hr. Kleinlein als Vorstandsvorsitzenden des BDV:

    Betriebsrat des
    Bund der Versicherten e. V.
    Tiedenkamp 2
    24558 Henstedt-Ulzburg

    Verschiebt es nicht, schreibt den Brief JETZT.
    Es darf nicht sein, dass der BDV für die nächsten Jahre auf Kuschelkurs zur Versicherungswirtschaft geht !



  • BdV-Mitglied-seit-1996 übersieht, dass die Zahlung und ihre Bewertung nur ein Aspekt der Probleme beim Bund der Versicherten ist, möglicherweise sogar nur ein nebensächlicher. Andererseits verlieren Menschen ihre Arbeit für Bagatelldelikte, und eine Veruntreuung bei einem gemeinnützigen Verein in Höhe von jährlich 12.000 Euro ist sicher mehr als eine Bagatelle. Sinn der außerordentlichen Mitgliederversammlung ist aber nicht in erster Linie hierüber zu befinden. Aufklärung ist vom Aufsichtsrat, der selbst beschuldigt ist, nicht zu erwarten. Die Mitglieder sollten aber abstimmen über die überraschende Absetzung des Vorstandsvorsitzenden Kleinlein, der sehr erfolgreich war, so dass es einer sehr guten Begründung des Aufsichtsrates bedarf. Da nichts dafür spricht, dass der Aufsichtsrat sich hierzu befriedigend erklären kann, ist eine schnelle - außerordentliche - Mitgliederversammlung notwendig, damit Kleinlein zurück geholt werden kann.

  • Einfacher Dreisatz.

    Ich habe mir gestern mal den Aufruf unter der Website von Herrn Thielemann & Herrn Bluhm aka "Mitglied-seit-1984" mal angeschaut.(Infos die sich aus der Website http://verunsicherte.de ableiten)

    Da sollen allenernstes 52.000 Einladungen gedruckt, verschickt und bearbeitet werden, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, die dann bei Einhaltung aller satzungsgemäßen Fristen ca. 6 Wochen vor der eigentlichen stattfinden würde, nur um den Frust von Bluhm, Thielemann, Kleinlein & Co. zu Kompensieren?

    Nehmen wir mal an so eine Einladung kostet all incl. mit Porto und Bearbeitung und Organisation 1,-€ dann sind das um die 52.000,-€, um ein Problem zu lösen, das - wenn die Medien Recht hätten - vielleicht 24.000,-€ groß ist.
    Da werfen wir doch schlechtem Geld gutes hinterher.

    Ich kann Herrn Kleinlein & Co nur wünschen, dass Sie sich wieder auf den Verbraucherschutz besinnen.

    Hoffentlich gibt es eine saubere Aufarbeitung des Themas durch den neuen Vorstand und seinen Sprecher, der, wenn er wirklich Sanierer ist, zumindest das Aufräumen beherrschen sollte.

    Aufklärung zum Beispiel der Art und Weise, wie die Satzungsänderung auf der letzten MV zwischen Kleinlein, Wrocklage und Bluhm in deren Interesse ausgekungelt wurde.
    Erst wurden alle Anwesenden stundenlang mit endlosen Wortmeldungen mürbe gemacht und dann wurden wie auf dem Kamelmarkt die Formulierungen zwischen den Herren ausgekungelt. Ich sehe das als "Initiativantrag" und der kann Satzungsgemäß nicht die Satzung selber betreffen.

    Ich wünsche mir jedenfalls eine Fortsetzung des inhaltlich kritischen Kurses beim BdV in einer Art, wie es sich für Erwachsene gehört.

    Bitte keine außerordentliche Mitgliederversammlung.
    Bitte Aufklärung im September bei der ordentlichen!

  • Ich bin seit 1984 BdV-Mitglied und war froh, dass mit Herrn Kleinlein die Zeit des weichgespülten BdV, die mit dem Rücktritt des BdV-Gründers Herrn Meyer begann, endlich vorbei zu sein schien.
    Ich hoffe für den BdV, dass Herr Kleinlein noch in sein Amt zurückgeholt werden kann, und unterstütze deshalb die Forderung nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung:
    http://verunsicherte.de/Blog/message060.html

  • Es faszinierd immer wieder ,das auf der Spitze einer ausgelobten Tätigkeit derjeinige dann abprupt zu Fall kommt . Warum und weshalb wird nur in der Führungsebene zu klären sein..

    Oft wurde in letzter Zeit auch die meist überzogende Kritik eines Herrn Kleinlein ,meist vor laufender Kamera ,mit wenig bis gar keinen "Gegnern" , als zu einseitig und polemisch betrachtet..

    Überraschend ist eigenlich eher der Grund der Absetzung und der nun öffentlich ausgetragende Grabenkaft zwischen Vorstand und Kleinlein ..ob hier die Schlagfertigkeit ausreicht Imageschaden vom BdV fern zu halten ?

    Wer weiss..

  • Weissflog ist ein Externer, der sich bisher beruflich keine Erfahrung mit Versicherungen oder Verbraucherschutz hatte. Die Belegschaft steht hinter Kleinlein und seine Öffentlichkeitsarbeit ist erfolgreich. Riester, Kapitallebensversichungs-Bewertungsreserven sind Schwerpunktthemen, die Kleinlein allein als Versichertungsmathematiker besetzt hat. Der Austausch mit GDV und PKV-Verband finden statt. Das alles war vor Kleinlein nicht so. Kleinlein ist als Person immens wichtig für den Bund der Versicherten. Der Aufsichtsrat interessiert sich nicht für die Ziele des Vereins.

    Mitglieder sollten schriftlich die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beantragen, dort soll der Aufsichtsrat sich erklären.

  • Schade, dass wir wieder in die Personalquerelen von vor einigen Jahren abdriften. Mir scheint das ein bißchen als Versuch von Herrn Kleinlein schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit zu waschen.
    Sonst kann ich mir nicht erklären, wieso all die "Brisanten-Details" von jemanden erst dann an die Öffentlichkeit getragen werden, wenn er als Vorstand abberufen wurde, der sonst "Klartext" von sich behauptet.
    Es sei an der Stelle nur an seine Pflichten während seiner Amtszeit erinnert - da war jedenfalls auf der letzten ordentlichen Mitgliederversammlung kein Wort von all den Dingen zu hören.
    Ich wünsche mir als einfaches BdV-Mitglied, dass Herr Kleinlein weiterhin die Sache des Vereins und damit den Verbrauchern mit seinem Fachwissen und seiner Schlagfertigkeit dient auch wenn er nicht mehr Vorstand sein darf.
    Auch finde ich es schade, dass er so tut, als hänge das Wohl des BdV und der Versicherten allein von Ihm ab. Damit tut er den Mitarbeitern des BdV Weh und straft ihre Gute Arbeit ab.
    Der BdV ist nicht Herr Kleinlein, nicht der Aufsichtsrat, sondern die Mitglieder & Versicherten.
    Bei allem Verständnis für seine Wut, sehe ich das so wie in jeder Beziehungskrise.
    Da ist auch jeder ein Stück weit Schuld, wenn's kracht.

    Mein Apell: Herr Kleinlein zeigen Sie Größe und dienen Sie der Sache des Verbraucherschutzes.
    Der heutige Artikel ist mir zusehr ein Rückfall in alte Zeiten wo mit Kritik achtlos umgegangen wurde und über Mitgliederversammlungen versucht wurde Klientelpolitik für Einflußgruppen zu machen.
    Ich kann Herrn Kleinlein verstehen, dass er wieder zurück will auf seinen Chefsessel. Aber doch bitte nicht so...

  • Vlt. hatte der AR auch nur sein polemisches, extrem einseitiges, destruktives und wenig zielführendes gelaber satt.

  • Zu den Interna eines Vereins kann man als Aussenstehender sicher wenig sagen.
    Wie dem auch sei hoffe ich, daß Herr Kleinleins Kolumnen erhalten bleiben. Ich lese sie immer mit großem Interesse und muß häufig auch schmunzeln, wenngleich das Thema (das Geschäft mit der Angst), durchaus ein ernstes ist.

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