Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Versicherungen Start-ups Emil und Friday bieten Kfz-Tarife für Wenigfahrer an

Zwei Start-ups bieten Kfz-Policen an, die mit jedem nicht gefahrenen Kilometer günstiger werden. Dass beide jetzt an den Markt gehen, ist kein Zufall.
Kommentieren
Fahrer, die ihr Auto nur gelegentlich nutzen, werden zur Zielgruppe einiger Kfz-Versicherer. Quelle: Imago
Cabrio-Fahrer auf Tour

Fahrer, die ihr Auto nur gelegentlich nutzen, werden zur Zielgruppe einiger Kfz-Versicherer.

(Foto: Imago)

München Die Zahlen wirken auf den ersten Blick kurios: Seit Jahren steigt die Zahl der zugelassenen Autos in Deutschland. Rund 46,5 Millionen waren es zuletzt. Das hat das Kraftfahrt-Bundesamt errechnet. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Kilometer, die sie jedes Jahr bewegt werden. Laut einer Forsa-Umfrage sind es bei 49 Prozent aller Fahrzeughalter weniger als 10.000 Kilometer.

Zwei Neulinge im Versicherungsgeschäft wollen von diesem Trend profitieren und bieten Kfz-Policen an, die mit jedem Kilometer, der nicht gefahren wird, günstiger werden. Bis zu 450 Euro Ersparnis könnten das für Wenigfahrer sein, wirbt das Berliner Start-up „Emil“. Es wurde im vergangenen Jahr gegründet und geht nun mit einem solchen Angebot an den Markt. Gezahlt wird nur für die Nutzung, die Branche spricht von „pay as you drive“.

Monatlich soll so schon ein Versicherungsschutz ab fünf Euro an Grundgebühr möglich sein. Dazu kommt dann die Fahrleistung ab einem Cent pro gefahrenem Kilometer, abgerechnet wird monatlich.

Damit wendet man sich an die wachsende Zahl der Halter, die mit ihrem Auto im Schnitt maximal 200 Kilometer pro Woche oder 10.000 Kilometer im Jahr zurücklegen. „Im traditionellen Versicherungsmodell subventionieren die vielen Wenigfahrer das erhöhte Risiko der wenigen Vielfahrer“, zieht Bastian Knutzen, der Gründer und Geschäftsführer von Emil, den Vergleich.

In die gleiche Richtung geht der ebenfalls im vergangenen Jahr gegründete Berliner Digitalversicherer Friday seit einiger Zeit. Die Abrechnung erfolgt auch da pro Kilometer. Wer weniger fährt, zahlt weniger.

Grafik

Neuerdings gibt es eine Eco-Variante, bei der der Umweltgedanke hinzukommt. In Zusammenarbeit mit der Klimaschutzorganisation Myclimate wird ein sogenannter Eco-Beitrag pro Kilometer errechnet, der dann in ausgewählte Klimaschutzprojekte investiert wird. So werde Kompensation künftig auch mit dem eigenen Auto möglich, betont Vorstandschef Christoph Samwer.

Versicherer sparen bis zu 21 Prozent

Dass beide Anbieter jetzt an den Markt gehen, liegt am Stichtag 30. November. Bis dahin können Autofahrer ihre Kfz-Versicherung kündigen und zu einem Wettbewerber wechseln. Das Werbeaufkommen in der Branche ist in dieser Zeit stets groß, in keiner anderen Sachversicherung sind die Umsätze so hoch wie im Kfz-Bereich. Weil aber die Margen gering sind, ist der Konkurrenzkampf hart.

Das hat in der Branche vor drei Jahren zu einem Umdenkprozess geführt. Weg von den Einheitstarifen sollte es gehen, hin zu individuellen Bezahlmodellen, bei denen es der Kunde durch sein persönliches Fahrverhalten in der Hand beziehungsweise im Gasfuß hat, wie viel er am Ende bezahlt.

Der Erfolg seither lässt sich wohl am ehesten mit dem Begriff „überschaubar“ bezeichnen. Weniger als ein Prozent aller Autofahrer in Deutschland nutzt inzwischen einen Tarif, der Geschwindigkeit und Bremsverhalten, Beschleunigung und Kurvenmanöver misst. Oder ob das Mobiltelefon während der Fahrt bedient wird.

All das hat Auswirkungen auf den „Score“, also das Ergebnis, mit dem sich der Fahrer dem maximal möglichen Sparpotenzial annähert. Nach Berechnungen des Versicherers VHV spart ein Autofahrer im Schnitt 21 Prozent.

Dass sich die Kunden trotzdem nicht um die Angebote rissen, liegt an der hochkomplexen Herangehensweise der Versicherer, die viele Kunden überfordert hat. Etliche fürchteten zudem eine Überwachung durch ihren Versicherer. Gemessen wurde nämlich so gut wie alles, auch Zeitpunkt und Dauer der Fahrt oder ob besonders viele unfallträchtige Gefahrenpunkte befahren wurden. Statt „pay as you drive“ hieß es hier in der Branche „pay how you drive“.

Die Einzelergebnisse bewerteten die Versicherer in ihren Tarifen wiederum unterschiedlich. Viele Assekuranzen boten diese Angebote zudem nur für Fahrer bis zu einem Alter von maximal 30 Jahren an. Alles war somit maximal komplex.

Die Ernüchterung in der Branche ist seither groß. Boten vor einem Jahr noch 14 Versicherer Telematik-Tarife an, bei denen in großem Stil gemessen wurde, so ist die Zahl inzwischen auf neun geschrumpft.

Bei Bavaria Direkt, dem Direktversicherer der Versicherungskammer, zieht man nach einem einjährigen Test der App „drive +“ ebenfalls ein kritisches Fazit. „Insgesamt sehen wir den Markt noch nicht reif genug für wirklich überzeugende Telematik-Lösungen“, resümiert Barbara Schick, Vorstand bei der Versicherungskammer.

Branche blickt gespannt auf die neuen Wettbewerber

Mit Spannung beobachtet die Branche nun, ob es zwei Start-ups mit radikal einfachen Lösungen besser machen. Weil sie mit der simplen Messung der gefahrenen Kilometern womöglich eher den Geschmack der Kunden treffen als mit der massenhaften Erhebung von Daten.

„Bei einer Fahrleistung bis 200 Kilometer pro Woche oder 10.000 Kilometer im Jahr ist Emil attraktiv, darüber ist ein traditionelles Modell günstiger“, gibt Christopher Lohmann eine simple Entscheidungshilfe. Der Vorstandschef der Gothaer Allgemeinen Versicherung ist mit seinem Unternehmen der Partner hinter Emil. Zur Zielgruppe gehören für ihn auch Saisonfahrzeuge wie Cabriolets oder Wohnmobile.

Relativ simpel wollen die beiden Start-ups auch das Verfahren für die Kilometerabrechnung halten. Gemessen wird bei Emil per Kopierschutzstecker – einem sogenannten Dongle –, den der Versicherer dem Kunden zuschickt und den dieser unterhalb des Lenkrads an einer Schnittstelle anbringen muss.

Noch einfacher geht es beim Wettbewerber Friday zu, der seit seinem Start im vergangenen Jahr mittlerweile 15.000 Kunden hat. Hier schätzt der Kunde anfangs seine jährliche Kilometerzahl. Am Ende des Jahres schickt er dann ein Handyfoto von seinem tatsächlichen Tachostand. Dann folgt eine Nachzahlung oder Rückerstattung. Ähnlich wie beim Wasser-, Gas- oder Stromanbieter.

Startseite

Mehr zu: Versicherungen - Start-ups Emil und Friday bieten Kfz-Tarife für Wenigfahrer an

0 Kommentare zu "Versicherungen: Start-ups Emil und Friday bieten Kfz-Tarife für Wenigfahrer an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote