Versicherungen Wie Kinder am besten geschützt sind

Unfall, Ausbildung, die Fensterscheiben des Nachbarn – manchmal brauchen Kinder eine eigene Police. Doch wann ist welche sinnvoll?
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Mehr als jedes dritte Kind hat eine Unfallversicherung. Quelle: dpa
Schulweg

Mehr als jedes dritte Kind hat eine Unfallversicherung.

(Foto: dpa)

FrankfurtLandauf, landab gehen in diesen Tagen die Sommerferien zu Ende, für über acht Millionen Kinder fängt ein neues Schuljahr an. Gut 700.000 Mädchen und Jungen von ihnen werden eingeschult. Und während die Sprösslinge mit ihren Schultüten im Arm Freude und Stolz versprühen, schwingt bei so manchen Eltern die Sorge mit: der Schulweg! So gefährlich. Natürlich bringen wir die Kinder mit dem Auto.

In den 1970er-Jahren gingen noch 90 Prozent der Grundschüler zu Fuß zur Schule, inzwischen ist es nur noch jeder dritte, zeigte eine Forsa-Umfrage 2016. Das Sicherheitsbedürfnis der Eltern wächst stetig. Sie schließen auch Versicherungen ab, die teuer oder unzureichend sind. Das Handelsblatt zeigt auf, was nötig ist.

Bevor Eltern irgendeine Police fürs Kind abschließen, sollten sie zuerst ihren eigenen Versicherungsbedarf decken. „Zur Todesfallabsicherung zum Beispiel eine Risikolebensversicherung, zur Absicherung der Arbeitskraft eine Berufsunfähigkeitsversicherung“, rät Andreas Gernt, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Und es gibt weitere wichtige Policen.

Privathaftpflicht

Minderjährige, die im Haushalt der Eltern leben, sind kostenlos mitversichert. Unter sieben Jahren gelten Kinder als deliktunfähig. Hier zahlt die Versicherung nur, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Gerade wenn es ein Verwandter oder der Nachbar ist, fühlen sich Eltern dann genötigt, die Kosten selbst zu erstatten. Doch man kann deliktunfähige Kinder explizit mitversichern. „Das kostet nur wenige Euro mehr“, weiß Gernt.

Krankheit

In der gesetzlichen Krankenversicherung der Eltern sind Kinder ebenfalls kostenlos mitversichert. Die medizinische Versorgung ist dort sehr gut. „Einige Eltern wählen dennoch eine private Krankenzusatzversicherung im stationären Bereich mit Ein-Bett-Zimmer und freier Krankenhauswahl, aber das muss jeder selbst entscheiden“, berichtet Versicherungsberater Alexander Hubert aus Tuntenhausen.

Viele Kinder müssen nicht nur zum Zahnarzt, sondern auch zum Kieferorthopäden. Die Regelleistungen seien auch hier sehr gut, meint Hubert. Dennoch ist ein gewichtiger Teil der Kosten für eine Zahnspange meist nicht oder nur teuer versicherbar. Zudem „empfiehlt es sich, kurz vor der Volljährigkeit eine Zahnersatzpolice abzuschließen“. Die sei ab drei bis fünf Euro im Monat zu haben.

Für alle, die außerhalb Deutschlands verreisen, ist außerdem eine Auslandsreisekrankenversicherung zu empfehlen. Gute Familienverträge gibt es schon ab 20 Euro.

Unfall

Mehr als jedes dritte Kind hat eine Unfallversicherung, zeigen Daten von Statista. Dabei kommen sie eigentlich höchstens infrage, wenn das Kind eine Risikosportart betreibt wie Reiten oder Klettern. „Besser ist eine Kinderinvaliditätsversicherung, die sowohl das Risiko von Unfall als auch Krankheit abdeckt“, meint Verbraucherschützer Gernt.

Invalidität

Viele Eltern fürchten, dass ihr Kind durch einen Unfall zeitlebens auf Hilfe angewiesen ist und nicht für seinen eigenen Lebensunterhalt aufkommen kann. Doch die Statistik zeigt, Krankheiten führen viel häufiger zu einer Schwerbehinderung als Unfälle. Eine Kinderinvaliditätsversicherung (KIV) zahlt eine lebenslange Rente und teilweise eine Einmalleistung. Sie kann ab sechs Wochen nach der Geburt abgeschlossen werden und endet in der Regel mit der Volljährigkeit.

Zwar ist ein Unfallschutz für Kinder deutlich günstiger. Aber man muss eine Invaliditätspolice eher mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung vergleichen. „Für eine Rente von 1 000 Euro im Monat kostet der Kinderinvaliditätsschutz rund 350 Euro im Jahr, die Berufsunfähigkeitspolice eher mehr“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Berufsunfähigkeit

Auch wenn es etwas seltsam erscheint, können Eltern schon für ihr Kind eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließen. Einige Versicherer haben das Eintrittsalter mittlerweile auf sieben Jahre gesenkt. Verbraucherschützer Grieble rät, bei Abschluss der BU die Leistung der KIV entsprechend zu reduzieren, sodass etwa beide 500 Euro Rente auszahlen würden.

Der Vorteil: „Wenn die KIV ausläuft, kann der BU-Schutz hochgefahren werden ohne weitere Gesundheitsprüfung oder Risikozuschläge aufgrund eines konkreteren Berufsbildes“, weiß Grieble.

Das ist jedoch nicht automatisch bei jedem Vertrag so, warnt Versicherungsberater Hubert. Eltern sollten die Vertragsbedingungen hier vor dem Abschluss unbedingt prüfen. Hilfe gibt es bei Versicherungsberatern, Maklern oder Verbraucherzentralen.
Wenn die BU schon in der Kindheit abgeschlossen wird, ist sie deutlich günstiger.

Das liegt zum einen am Gesundheitszustand, der sich im Laufe des Lebens verschlechtert, aber auch daran, dass die Versicherer für Kinder nur grobe Berufsgruppen annehmen. Wer einmal mit einer Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Mechatroniker begonnen hat, für den ist eine BU teuer. Dachdecker bekommen meist gar keine mehr.

Ausbildung

Die meisten Eltern möchten fürs Studium oder die Ausbildung der Kinder vorsorgen. Dafür gibt es kapitalbildende Policen. Doch genau wie Lebensversicherungen werfen sie kaum noch Zinsen ab und sind dabei unflexibel. Verbraucherexperten raten daher davon dringend ab.

„Wer genügend Geld übrig hat, sollte eine Anlage mit einer breiten Risikostreuung wählen, die nicht bindend ist“, rät Hubert. „Viele Eltern werden am Ende aber nicht umhinkommen, die Studienkosten ihrer Kinder aus dem laufenden Einkommen zu zahlen“, meint der Berater.

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