Versicherungsmathematiker Garantiezins für Lebensversicherung soll vorerst stabil bleiben

Die langfristige Zinszusage gilt als Verkaufsargument für klassische Lebensversicherungen. Erst zum Jahreswechsel wurde der Garantiezins erneut gesenkt. Wie geht es 2018 weiter? Experten geben erste Empfehlungen.
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Modellfiguren stehen am vor einem Display mit der Aufschrift Lebensversicherung. Der Garantiezins soll unverändert bleiben, empfehlen die Versicherungsmathematiker. Quelle: dpa
Lebensversicherung

Modellfiguren stehen am vor einem Display mit der Aufschrift Lebensversicherung. Der Garantiezins soll unverändert bleiben, empfehlen die Versicherungsmathematiker.

(Foto: dpa)

Köln/FrankfurtNeukunden klassischer Lebensversicherungen können im kommenden Jahr auf einen unveränderten Garantiezins von 0,9 Prozent hoffen. Die einflussreiche Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) empfahl, den erst zum Jahresanfang gesenkten Zins für Neuverträge des Altersvorsorge-Klassikers 2018 nicht weiter zu verringern, wie die Vertretung der Versicherungsmathematiker am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mitteilte. Die endgültige Entscheidung trifft das Bundesfinanzministerium auf Grundlage der DAV-Berechnungen und Empfehlungen der Finanzaufsicht Bafin.

Das Ministerium hatte den Zins, mit dem Kunden klassischer Lebensversicherungen nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten sicher rechnen können, zum 1. Januar 2017 auf 0,9 Prozent festgelegt. Einst lag der Wert - auch Höchstrechnungszins genannt - bei 4 Prozent, er sinkt angesichts der Zinsflaute am Kapitalmarkt seit geraumer Zeit. Die Anpassungen gelten jeweils nur für Neuverträge.

Angesichts der im Vergleich zum vergangenen Jahr nahezu unveränderten Kapitalmarktsituation sähen die Versicherungsmathematiker aktuell keine Notwendigkeit, den Zins weiter zu senken, erklärte DAV-Vorstandschef Roland Weber.

Hier nehmen Versicherungen die höchsten Prämien ein
Platz 15: Brasilien
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In dem südamerikanischen Staat, in dem zuletzt die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele stattfanden, können Versicherungskonzerne gutes Geld verdienen. 47 Milliarden Euro an Prämien wurden demnach 2016 in Brasilien eingenommen – das sind 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Vergleich zur Rangliste von vor zehn Jahren kann sich Brasilien damit um acht Plätze verbessern und landet auf Platz 15.

Platz 14: Hongkong
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Die Metropole am Südchinesischen Meer war bis 1997 eine britische Kronkolonie und ist seither eine Sonderverwaltungszone innerhalb der Volksrepublik China. In Hongkong gelten die Gesetze der freien Marktwirtschaft – anders als im restlichen China. Versicherungskonzerne konnten hier 2016 ebenfalls 47 Millionen Euro an Prämien einnehmen, das macht etwa 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also der Summe aller Wirtschaftsleistungen in Hongkong, aus. Die Stadt kann sich damit leicht um vier Plätze verbessern.

Platz 13: Spanien
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Spanien glänzt nicht nur durch seine Traumstrände am Mittelmeer, sondern auch durch eine Vielfalt von kulturell und architektonisch bedeutsamen Gebäuden, wie hier dem Königlichen Palast in Madrid. Auch Versicherungskonzerne wissen Spanien zu schätzen – 2016 konnten sie hier 56 Milliarden Euro an Prämien einnehmen – immerhin fünf Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts. Allerdings rutscht das südeuropäische Königreich damit im Ranking der Allianz ab – 2006 lag Spanien noch auf Platz 10.

Platz 12: Indien
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Indien mauserte sich in der Vergangenheit erfolgreich vom Entwicklungs- zum Schwellenland und verfügt heute über eine beachtliche Wirtschaftsleistung. Bereits über eine Milliarde Menschen leben in der ostasiatischen Bundesrepublik – sehr viele potentielle Versicherungskunden. Die Allianz errechnete für das vergangene Jahr Bruttoprämieneinnahmen in Höhe von 59 Milliarden Euro – 2,9 Prozent des indischen Bruttoinlandsprodukts. 2006 lag Indien noch auf Platz 20 der Rangliste.

Platz 11: Australien
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Australien konnte sich in der Rangliste ebenfalls leicht verbessern und erreicht mit Bruttoprämieneinnahmen in Höhe von 60 Milliarden Euro den elften Platz. Diese Prämien machen 5,3 Prozent des australischen Bruttoinlandsprodukts aus.

Platz 10: Kanada
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Ein weiteres beliebtes Auswandererziel ist Kanada. Genau wie in Australien regiert hier Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt. Und nicht nur die Queen will ihre Untertanen gut versichert wissen – auch die Versicherungskonzerne freuen sich über ihre zahlreichen Kunden. In Kanada nahmen sie im Jahr 2016 rund 80 Milliarden Euro ein – das sind 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allerdings schwächelt der Markt in Kanada ein wenig, denn im Jahr 2006 reichte es nur noch für den neunten Platz des Rankings.

Platz 9: Taiwan
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Der von der Volksrepublik China beanspruchte Inselstaat im Pazifischen Ozean besitzt eine florierende Wirtschaft. Davon zeugt neben der regen Bautätigkeit in der Hauptstadt Taipeh auch die Summe der Bruttoprämieneinnahmen der Versicherer in 2016: 84 Milliarden Euro konnten die Konzerne einnehmen, das sind stolze 17,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2006 landete Taiwan noch auf Platz 11.

Die Experten stützen sich bei ihren Berechnungen auf den Durchschnittswert der Renditen von europäischen Staatsanleihen mit höchster Kreditwürdigkeit. Die Renditen der Papiere sind wegen der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) im Keller.

Versicherer dürfen ihren Kunden zwar eine geringere, aber keine höhere Verzinsung fest zusagen. So soll sichergestellt werden, dass sich Unternehmen nicht übernehmen und ihre Versprechen auch in Zukunft erfüllen können. Die laufende Verzinsung setzt sich aus Garantiezins und Überschussbeteiligung der Versicherer zusammen. Auch diese ist im Sinkflug.

Ursprünglich wollte die Bundesregierung den Garantiezins nicht mehr festlegen, nahm von den Plänen aber wieder Abstand. Ob beziehungsweise in welcher Form ein „Höchstrechnungszins“ als Aufsichtsinstrument erforderlich sei, soll im kommenden Jahr geprüft werden.

Die Versicherungsmathematiker sprachen sich für einen verbindlichen Höchstrechnungszins aus, empfahlen aber ein zweistufiges Vorgehen. In den ersten 15 Jahren sollte sich der Zins an den Möglichkeiten des Kapitalmarktes orientieren. Danach sollte ein vorsichtigerer Wert festgelegt werden.

Angesichts der Zinsflaute fällt es den Versicherern zunehmend schwer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Viele Unternehmen bieten mittlerweile Produkte ohne klassischen Garantiezins an. Nach Angaben des Branchenverbandes GDV unterzeichneten 46 Prozent der Neukunden im vergangenen Jahr Verträge mit abgespeckten Garantien oder fondsgebundenen Produkten - nach 37 Prozent im Vorjahr.

  • dpa
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