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Versicherungsombudsmann Beschwerden über Versicherungsansprüche gehen erstmals seit mehreren Jahren zurück

Wenn zum Beispiel bei einem Schaden am Haus Versicherungsansprüche bestehen, kommt es oft zu Streit. Dann kann der Versicherungsombudsmann weiterhelfen.
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Die außergerichtliche Streitbeilegung hat der Institution der Versicherungsombudsleute großes Ansehen eingebracht. Quelle: Tetra images/Getty Images
Beschwerden

Die außergerichtliche Streitbeilegung hat der Institution der Versicherungsombudsleute großes Ansehen eingebracht.

(Foto: Tetra images/Getty Images)

BerlinEiner von mehr als 14.000 Fällen pro Jahr: Der Gebäudeversicherer weigert sich, einen Schaden am Haus zu bezahlen. Er verweist darauf, dass der Kunde seine Prämien für die Versicherung nicht rechtzeitig bezahlt habe und ihm daher gekündigt worden sei. Allerdings konnte das Kündigungsschreiben nicht zugestellt werden, da der Versicherungsnehmer umgezogen ist. Seine neue Adresse habe der Kunde seinem Versicherer nicht mitgeteilt.

In solchen Fällen kann der Versicherungsombudsmann Günter Hirsch, oberster Streitschlichter der Branche, oftmals weiterhelfen. Verbraucher wenden sich an ihn, wenn sie sich von ihrem Versicherer ungerecht behandelt fühlen. Der Ombudsmann arbeitet für den Verbraucher kostenlos und unbürokratisch. Die Versicherungsgesellschaften erkennen seine Entscheidungen bis zu einer gewissen Höhe an.

Im beschriebenen Schadensfall machte Hirsch etwa den Gebäudeversicherer darauf aufmerksam, dass die Kündigung nicht rechtswirksam erfolgt sei, da sie nur auf dem normalen Postweg ausgesprochen worden war. Eine Zusendung per Einschreiben wäre erforderlich gewesen. Der Versicherer hatte ein Einsehen. Der Schaden wurde reguliert, der Versicherte blieb Kunde der Gesellschaft.

Weniger Beschwerden

2018 ist die Zahl der Beschwerden der Versicherungskunden erstmals seit mehreren Jahren zurückgegangen, wie der Ombudsmann in einem Bericht am Mittwoch darlegte. Die Zahl zulässiger Beschwerden sank um knapp fünf Prozent auf rund 14.150.

Dabei fiel insbesondere der Rückgang von Fällen bei Lebensversicherungen ins Gewicht, hier sank die Zahl der Beschwerden um knapp 20 Prozent. Ähnlich ist die Entwicklung in der Rechtsschutzversicherung, allerdings führt dieses Segment nach wie vor die Beschwerdestatistik an.

Auch bei Unfallversicherungen ist der Rat des Versicherungsombudsmanns oftmals gefragt. So staunte ein Senior nicht schlecht, als sich der Tarif seiner Unfallversicherung mit dem 75. Geburtstag von 11,50 Euro auf mehr als 27 Euro monatlich erhöhte. Seiner Bitte um Aufhebung der Versicherung kam der Versicherer nicht nach.

Die Beitragsanpassung sei Bestandteil des Vertrags, die Erhöhung weder überraschend noch unvorhersehbar gewesen, so die Argumentation des Versicherers. Vertraglich gab es daran nichts auszusetzen. Allerdings empfiehlt der Versicherungsverband GDV seinen Mitgliedsunternehmen in solchen Fällen, den Versicherten ein Sonderkündigungsrecht einzuräumen. Auf die entsprechende Anregung des Versicherungsombudsmanns ging der Versicherer ein.

Hohes Ansehen

Die außergerichtliche Streitbeilegung hat der Institution des Versicherungsombudsmanns großes Ansehen eingebracht. „Die Arbeit des Versicherungsombudsmanns ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden“, erkennt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, an. Für Mitglieder des Versicherungsombudsmann e. V. sind Entscheidungen des Schlichters bis zu 10.000 Euro verbindlich.

Der Ombudsmann ist nicht nur für Versicherungsunternehmen zuständig, sondern seit 2018 auch für die Vermittler von Versicherungen. Kritisch merkt Verbraucherschützer Müller an, dass im Gegensatz zu den Versicherern nur ein Teil der Vermittler die Entscheidungen des Versicherungsombudsmanns anerkenne – aufgrund unterschiedlicher Regelungsgrundlagen. Andererseits werden mit der Einbeziehung der Vermittler beim Schlichterverfahren die Rechte der Verbraucher gestärkt.

Prinzipiell kann der Ombudsmann jedoch nur ein vereinfachtes schriftliches Verfahren durchführen. Beweise erheben, Gutachten erstellen oder Zeugen vernehmen kann er nicht. Hirsch, ehemaliger Präsident des Bundesgerichtshofs, hatte das Amt des Versicherungsombudsmanns elf Jahre lang inne.

Eine Zeit, in der er die Institution maßgeblich geprägt habe, heißt es. Auf ihn folgte im April Wilhelm Schluckebier, ein ehemaliger Richter des Bundesverfassungsgerichts. Wie Hirsch gilt Schluckebier als exzellenter Kenner des Versicherungswesens.

Mehr: Ombudsmann wehrt staatliche Aufsicht ab – Unabhängigkeit ist für den Streitschlichter im Versicherungsgeschäft ein hohes Gut. Die hat er jetzt gegen eine Bundesbehörde verteidigt.

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