Versicherungsvertreter Mehmet Göker wird zum Auslaufmodell

Die privaten Krankenversicherer machen Ernst im Kampf gegen gierige Verkäufer. Vermittler wie Mehmet Göker, die nur auf schnelles Geschäft aus sind, werden geächtet. Geldschneiderei und Lockvogeltarife sind out.
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Mehmet Göker hat private Krankenversicherungen verkauft. Sein Unternehmen MEG wurde insolvent. Der Filmemacher Klaus Stern drehte einen Film über ihn: „Versicherungsvertreter“. Bildquelle: Turbine Medien.

Mehmet Göker hat private Krankenversicherungen verkauft. Sein Unternehmen MEG wurde insolvent. Der Filmemacher Klaus Stern drehte einen Film über ihn: „Versicherungsvertreter“.

Bildquelle: Turbine Medien.

DüsseldorfWas macht eigentlich Mehmet Göker? Der Mann, der als Versicherungsvertreter aus Kassel hierzulande zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte, steigt aus der Privaten Krankenversicherung (PKV) aus. „Nie wieder PKV“, verkündet er seinen zahlreichen Fans und Bewunderern auf seiner Facebookseite.

Zwar sind Gökers Ankündigungen mit gewisser Vorsicht zu betrachten, dennoch sind diese sinnvoll. In Kassel wird ein Prozess gegen ihn vorbereitet – unter anderem wegen seines Verhaltens als Vermittler im Geschäft mit privaten Krankenversicherungen. Außerdem kann sich kein Manager der Branche mehr mit ihm sehen lassen. Göker ist schlicht verbrannt in der PKV.

Das weiß er, und vielleicht schlägt er deshalb so zurück. Wer dieses Produkt verkaufe, „der betreibt finanziellen Selbstmord“, sagt Göker. Kein Vertrieb werde es in den nächsten drei Jahren schaffen zu überleben. Der Grund seien die neuen Branchenregeln, die bereits eingeführt wurden: der Deckel bei den Provisionen für Vermittler und die Verlängerung der Haftungszeit von einem auf fünf Jahre.

Das ist aber längst nicht der einzige Grund für seinen Rückzug. Göker lebt gar nicht mehr in Deutschland, sondern in der Türkei. Und wie es aussieht, wird er dort auch bleiben, um nicht hierzulande hinter Gittern zu landen. Sein Lebensmittelpunkt erschwert es jedoch enorm, einen schlagkräftigen Vertrieb in der PKV profitabel zu führen.

Die Branche selbst hat zudem ihre Hausaufgaben gemacht. Mit der Einführung von Unisex, also gleichen Regeln für Mann und Frau, wurde das Tarifwerk grundlegend verbessert, wie Experten feststellen. Billigtarife mit Leistungen unter dem Niveau der Krankenkassen bietet seit 2013 so gut wie kein privater Krankenversicherer mehr an.

Auch der politische Druck aus Berlin und durch Verbraucherschützer wirkt offenbar wesentlich besser, als dies Pessimisten erwartet haben. So drohte die Politik unverhohlen mit neuen Gesetzen gegen die PKV, etwa im Bereich der Billigtarife. In die Riege der Kritiker reihte sich neben SPD, Grünen und Linken auch die CDU ein. Doch neue Gesetze dürften nun wohl nicht mehr nötig sein.

Neue Haftungsregeln wirken
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33 Kommentare zu "Versicherungsvertreter: Mehmet Göker wird zum Auslaufmodell"

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  • @Andreas,

    damit können Sie das Problem nicht beheben in einer Marktwirtschaft. Das Problem besteht darin, dass man mit unseriöser Beratung einen Wettbewerbsvorteil hat. Und das nicht nur im Versicherungsgewerbe.
    Das dieser Wettbewerbsvorteil für diese Leute besteht, hat viel mit Ertragsdruck zu tun und der geht auf eine menge ordnungspoltischer Fehleintscheidungen zurück. den größten Posten an dieser Fehlsteuerung tragen Verbraucherschützer und die Regierung Schröder, die bei allem vielleicht ehrlichen Engagement für ihre jeweilige Klientel schlicht vergaßen, was in einem Markt passiert, der reformiert wird, aber damit gleichzeitig falsche anreize setzt.
    Dafür sind diese ex post (Im nachhinein) Kritiker der Verbraucherschützer auch nie zuständig.
    Der Regierung Schröder war es eh egal, die wollte nur möglichst viel Kohle abzocken.

    H.

  • @Steuerzahler,

    das ist gar kein reales Geld, das ist Spielgeld und solange es weiterhin so bleibt wie es ist, dass es aus der Realwirtschaft raus gehalten und wieder vernichtet wird, müssen wir uns keine allzu großen Sorgen machen.
    Problematisch wird es erst, wenn dieses Geld wirklich erhalten wird, wie das die AfD z.B. will. Denn dann wird es über kurz oder lang in die Realwirtschaft fließen, mit entsprechend katastrophalen Folgen.
    Im Grunde genommen vernichten wir doch nur die von uns ungedeckt vergebenen Kredite.

    H.

  • In dem Artikel heißt es Krankenhaustagegeld. Es ist wohl Krankentagegeld gemeint.

  • Die HMI hat nie PKVs verkauft. Die HMI geht jetzt an der Niedrigzinsphase zugrunde.

  • Sind Einfirmenverteter immer besser als Mehrfachvermittler? Ich bin jedenfalls froh über meine Maklerberatung vor bald zwei Jahrzehnten. Bin sehr glücklich mit meiner PKV.

  • Eine Cosmos bietet keine PKV an. Warum sollten die Direktvertriebler-Tochtergesellschaften von Großkonzernen wohl gleichzeitig im Geschäft der anderen Konzerntöchter wildern? Eine Ausnahme ist da wohl die HUK ...

  • Die PKV ist der gleiche legale Betrug wie die GKV, nur mit anderen Mitteln. In der GKV wird auch mit der Kohle rumgemissen. Wissen sie was so ein Leiter eines GKV-Büros verdient. Das System ist einfach zu teuer.

  • Hauptberuflich Selbständige kommen auch ohne positives Einkommen in die PKV. Und nur weil ich bei einen IG Metall oder IG Chemie dominierten Betrieb arbeite, heißt noch nicht, daß mein Bildungsniveau mitgewachsen ist.

  • @anonymus_007,

    es tut mir Leid, das sie auf eine Versicherung reingefallen sind, die solche Praktiken befördert hat.

    Sie dürfen sich aber nichts vormachen, ihre Versicherung war schon damals keine Gute. Solche Versicherer lebten schon immer davon Einstiegstarife für junge Versicherte niedrig zu halten und mit den vielen jungen Versicherten die Tarife der Älteren zu subventionieren. Solange immer neue junge Leute neu abschlossen war das kein Problem. Aber durch die Demographie wurde es immer schwieriger und deshalb der Anreize für den Vertrieb immer höher. So ist daraus ein Schneeballsystem geworden, weil es ein Ungleichgewicht zwischen potentiellen Neueinsteigern und Bestandsversicherten gibt, das demographisch bedingt immer größer wird. Deshalb stand schon beim Einstieg in diese Versicherung fest, dass das Modell platzen muss.

    Das hat nur weder die Versicherungsaufsicht, noch die Verbraucherschützer noch die Vorstände interessiert.
    Denn über 40 Jahre wurde das grundsätzlich bekannte Problem Demographie ignoriert. Es wäre viel zu unbequem gewesen.
    Andere Versicherer, besonders der Marktführer Debeka haben nie eine solche Politik betrieben und sind nach wie vor relativ günstig, über die Laufzeit gesehen sogar einer der günstigsten Versicherer überhaupt.

    H.

  • Ach herrje, wie immer wird das "Gemeinwohl" hervorgerufen, wenn etwas nicht so funktioniert, wie die Roten und Grünen es wollen. Ist eigentlich nicht mehr auszuhalten.

    Wieviel Mitleid haben Sie eigentlich mit den Steuerzahlern, welche die Fehler der Politiker ausbügeln sollen?

    Hier mal die Zahlen aus Michael Grandts neuem Buch:

    Target-Verbindlichkeiten 644 Mrd Euro(zZ glaube ich, etwas unter 600 Mrd)
    Bürgschaften im Rettungsfond EFSF 253 Mrd
    Rettungsschirm ESM 190 Mrd
    EZB-Staatsanleihenkäufe 57 Mrd (EU 212 Mrd)
    geplanter europ. Einlagensicherungsfonds 55 Mrd €
    erstes Rettungspaket für Griechenland 17 Mrd €
    IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen 15 Mrd €
    Bürgschaften im Rettungsfonds EFSM 12 Mrd €
    geplanter Beistandspakt für Nicht-Euro Länder 10 Mrd €
    Einlage in die EZB 6 Mrd €

    deutsches Geld zur Bezahlung der Leistungs-
    bilanzdefizite anderer EU-Länder 1000 Mrd €

    Dafür haften wir bereits oder sollen in Zukunft haften. Das sind nochmal
    zu unserer offiziellen Staatsverschuldung rund 2,2 Bio Euro zusätzlich.

    Wer immer noch der Meinung ist, dass Deutschland vom Euro profitiert,
    der hat wohl wirklich kein Hirn.
    Den Euro gibt es als Bargeld gerade mal 11 Jahre. Und seit 6 Jahren wird die Krise immer größer und diese komische Zwangswährung muss am laufenden Meter gerettet werden. Das ist doch keine Währung, das ist
    eine Krankheit!

    Wir brauchen viel mehr Selbstverantwortung. Das scheint aber in unserem mittlerweile sehr sozialistischem Land nicht mehr gewünscht zu sein.
    Der Mittelstand blutet bereits aus.

    Präsident Abraham Lincoln sagte schon vor über 140 Jahren:

    "Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt. Ihr werdet denen, die ihren Lebensunterhalt verdienen nicht helfen, indem ihr die ruiniert, die sie bezahlen."

    Man könnte denken, Lincoln lebte heute und spräche über die EU und auch unsere Parteien.

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