Vertreter-Check So testen Privatpatienten ihre PKV-Berater

Die neuen Unisex-Tarife machen es möglich: Die private Krankenversicherung wird übersichtlicher und besser, allerdings nicht einfacher. Worauf es bei Privattarifen ankommt und 24 Fragen, um den Vermittler zu checken.
14 Kommentare
So machen Versicherungen ihre Vertreter heiß
Unisex MLP2
1 von 16

Vorher: "Kein Unterschied mehr?"

Der Finanzvertrieb MLP ist beim Thema Unisex auf allen Kanälen präsent. Wer lieber etwas in der Hand hält, bekommt die Kundenzeitschrift "Forum MLP". Wer dagegen lieber im Internet surft, kann dem Titel-Modell am Computer sogar live mit der Maus die Augen öffnen... (siehe letztes Bild)

Bildquelle: Internetausgabe der Kundenzeitschrift "Forum MLP"

Unisex16 Gothaer
2 von 16

Warum werden Unisex-Tarife Ende 2012 überhaupt eingeführt?
Grundlage ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 01.03.2011, das geschlechtsabhängige Tarife als Verstoß gegen das Gleichbehandlungsprinzip ansieht, erklärt der Versicherer Gothaer.

Bildquelle: FAQ Unisex in der Krankenversicherung der Gothaer.

Sicherheit für Berater
„Wird die Versicherung mit Unisex teurer für mich? Soll ich noch schnell eine Versicherung abschließen? Soll ich meinen dringend benötigten Versicherungsschutz noch bis nächstes Jahr hinausschieben?“ Das seien die Fragen, die sich der Verbraucher angesichts der Einführung der Unisex-Tarife aktuell stelle, stellt die Gothaer in einer Pressemitteilung fest. Nichts überstürzen, sondern ganz genau prüfen, welche Policen für wen günstiger werden und welche teurer werden, warne der Verbraucherschutz. Doch wie soll der Berater dies für seine Kunden prüfen, wenn ihm eine konkrete Vergleichbarkeit von Angeboten nicht ermöglicht wird? Die Gothaer Leben biete daher den konkreten und individuellen Angebotsvergleich. Die Sicherheit, den richtigen Tarif empfohlen zu haben, erhalte der Berater nur, wenn er die Angebote angemessen prüfen und vergleichen kann. Deshalb biete die Gothaer Lebensversicherung ihren Maklern und Vermittlern schon heute die Möglichkeit, die neuen Unisex-Tarife mit den jetzigen Bisex-Tarifen zu vergleichen.

Unisex12 Vertriebshilfe Fondsfinanz
3 von 16

Musterschreiben für Vermittler

Der Maklerservice Fondsfinanz hilft vielen der mehr als 200.000 Versicherungsvermittlern bei der Vorbereitung auf den Jahresschlussverkauf rund um Unisex. Um Kunden gezielt anzusprechen, müssen Vermittler vor allem wissen, in welchen Versicherungsbereichen sich durch die neuen Unisex-Regeln etwas für Mann oder Frau verändert. Als Hintergrundinformation nimmt der Maklerservice dabei auch gerne die Berechnungen der Stiftung Warentest. Fondsfinanz stellt Vermittlern zudem Musteranschreiben zur Verfügung:. "Wir haben eine Version für Frauen und eine für Männer erarbeitet, die Sie sofort an Ihre Kunden verschicken können. Laden Sie die gewünschte Datei herunter – Sie müssen nur noch Ihren Briefkopf einfügen und können die Anschreiben sofort versenden."

Bildquelle: Vertriebshilfen des Service-Anbieters Fondsfinanz

Unisex6 Stuttgarter
4 von 16

Helden gesucht

Die Stuttgarter Lebensversicherung konzentriert sich in ihrer Werbung auf Männer. Die "Helden" sollen sich am besten sofort noch die Beitragsvorteile sichern, die sie in der neuen Unisex-Welt bei Rentenversicherungen verlieren. Verbraucherschützer warnen allerdings, nicht nur auf vermeintliche Ersparnisse zu schauen, sondern auch darauf, ob man eine bestimmte Versicherung tatsächlich braucht.

Bildquelle: Flyer der Stuttgarter

Unisex2 Neue BBBV
5 von 16

"Männer, wollt ihr wirklich die Gleichberechtigung?

... so fragt der Versicherer BBV in einem Flyer, den Vermittler mit dem eigenen Stempel verteilen können. Die Idee: die Urinstinkte der Männer wecken und durch Witzigkeit auffallen.

Bildquelle: Flyer der BBV

Unisex13 Allianz
6 von 16

Die alte Kollektion

Der Branchenführer Allianz stellt die Beitragsvorteile zwischen alter und neuer Versicherungswelt heraus. So lohnt sich etwa für Frauen, noch eine Risiko-Lebensversicherung abzuschließen - wenn sie noch keine haben. Das ist ein Produkt, das auch Verbraucherschützer als sinnvoll empfehlen. Der Grund: Der Beitragsvorteil für die "aktuelle Kollektion" könne bis zum 20. Dezember zwischen 30 und 55 Prozent liegen.

Unisex8 Stuttgarter
7 von 16

Gewinnerin

Frauen könnten gar nicht früh genug mit der Vorsorge anfangen, wirbt die Stuttgarter in einem Flyer, der sich an das weibliche Geschlecht richtet. Zum Thema Unisex beschränkt sich der Versicherer allerdings auf den Hinweis, dass Frauen von den neuen Unisex-Tarifen profitieren. Vielleicht kommt die Werbe-Botschaft des Versicherers bei diesem Bild auch bei so manchem Mann an.

Bildquelle: Flyer der Stuttgarter

DüsseldorfDas öffentliche Bild der privaten Krankenversicherung (PKV) ist angeschlagen. Debatten um eine einheitliche Krankenversicherung, die Bürgerversicherung, und ein magerer Kundenzuwachs im vergangenen Jahr zerren an den Nerven. Dabei steht die Branche insgesamt viel besser da, als viele denken – dank der Umstellung auf die neuen Unisex-Tarife.

Unisex heißt: Seit dem 21. Dezember 2012 gibt es gleiche Tarife und Preise für Männer und Frauen. Das hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes erzwungen. Zunächst schien es so, als ob dies den Versicherern vor allem Ärger und Arbeit bescheren würde. Doch die knapp 50 Anbieter in der PKV entdeckten darin auch ihre Chance. Was sie jahrelang versäumt hatten, holten sie nun in einem Aufwasch nach. „Viele Unternehmen haben die Umstellung genutzt, um neuen Kunden noch mehr Leistung und Sicherheit als bisher schon zu garantieren“, stellt der PKV-Verband fest.

Das ist keine geschönte Werbeaussage. Denn unabhängige Branchenexperten bestätigen die Behauptung des Verbandes. Das Ergebnis lasse sich wirklich sehen, stellt etwa der Freiburger Marktbeobachter Gerd Güssler von der KVpro.de GmbH fest: „Mit Unisex wurde die PKV praktisch neu erfunden.“ Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch das Analysehaus Franke und Bornberg aus Hannover: „Nahezu alle am Markt vertretenen Gesellschaften haben ihre Tarifwerke überarbeitet oder sogar ganz neue Tariflinien konzipiert. Die Folge: es wird teurer, aber nicht allein durch Unisex.“

Allerdings: Einfacher wird es nicht. Wer in einen anderen PKV-Tarif oder gar erstmals in die PKV wechseln möchte, wird auch künftig ohne Hilfe von Beratern kaum durch den PKV-Dschungel finden. Zwar hat sich die Zahl der Tarifkombinationen grob gerechnet halbiert. Doch – je nach Betrachter – bleiben immer noch viele hundert Varianten übrig.

So hat PKV-Experte Güssler in der alten Bisex-Welt knapp 2300 Tarifangebote gezählt. In der neuen Unisex-Welt kommt er nun auf knapp 800 – und das auch nur, wenn der Interessent grundsätzlich das höhere PKV-Niveau kaufen möchte, also keinen Schmalspurtarif, den einige Private auch noch anbieten.

Solche Zahlen zeigen jedoch gleich auch das Problem: Worauf soll der Wechselinteressent achten? Was soll er den Berater fragen? Die Freiburger Experten von KVpro.de GmbH haben für Handelsblatt Online die 24 wichtigsten Fragen herausgefiltert und kommentiert. Und sie geben Hinweise, worauf man besonders achten sollte.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Tarife vergleichen
Seite 123456Alles auf einer Seite anzeigen

14 Kommentare zu "Vertreter-Check: So testen Privatpatienten ihre PKV-Berater"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was viele nicht wissen, das duale deutsche Gesundheitssystem hat eine vergleichsweise lange Geschichte.Zwei der ältesten heute noch bestehenden PKV-Unternehmen wurden bereits im 18.Jahrhundert gegründet. Seit Einführung der gesetzlichen Sozialversicherung durch Bismarck existiert in Deutschland ein Nebeneinabder von GKV und PKV.

    In Ländern wo die Absicherung des Krankehitsrisikos mehr über Steuern finanziert wird, stehen die Gesundheitsausgaben in direkter Konkurrenz zu anderen Staatsausgaben. In den letzten Jahren haben sich die Wartezeiten und Versorgung in Ländern wie Spanien,Portugal,Großbritanien und Italien zum Teil deutlich verschlechtert. Deutschland weist im Vergleich deutlich geringere Wartezeiten auf. In England gibt es eine richtige Zwei-Klassen Medizin.

    Der Anteil der Deutschen, welche sich im Ausland behandeln lassen würden ist äußerst gering. Im Gegensatz dazu ist die Beritschaft in anderen EU-Ländern deutlich höher für eine Behandlung ins Ausland zu gehen.

    Insgesamt schneidet das duale System mit GKV und PKV im internationalen Vergleich sehr gut ab.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @Leser,
    ja was machen wir denn da. Auf der einen Seite bauen Ärzte auf die hohen Einnahmen durch die PKV Beiträge. Auf der anderen Seite können einige PKV Versicherte die Beiträge nicht mehr leisten.
    Jetzt braucht man einen Mittelweg, und den kann die PKV nicht lösen. Als jahrelanger PKV Versicherter kann ich nur sagen, ich höre von der PKV nur etwas, wenn die mehr Geld brauchen. Das kommt dann immer in Form einer Beitragssteigerung. Keine einzigen Informationen, wie sich die PKV die Zukunft vorstellt.
    Kein einziges Wort zu Altersrückstellungen etc., kein Vorschlag zur Tarifoptimierung. Mal ganz ehrlich PKV ist ein geschlossener Verein, der sich nicht in die Karten schauen lässt, und keine KOnkurenzsituation will. Deshalb wäre es nicht schade, wenn es die nicht mehr gibt.

  • Das die Einheitsversicherung jemals Realität wir glaube ich nicht. Denn das Ergebnis wäre schlechter für alle. Vor allem droht eine schlechtere medizinische Versorgung für alle. Jeder sechste Arzt rechnet damit, in einer Bürgerversicherung die Praxis schließen zu müssen, da kann man sich leicht ausmalen wie das die medizinische Versorgung schwächen und Wartezeiten verlängern würde.

    In den Niederlanden hat die Bürgerversicherung keine Kostensenkung und Effizienzsteigerung gebracht. Im Gegenteil, die Gesundheitsausgaben stiegen weiter an.Der administrative Aufwand wurde höher bei wenig Wechselinteresse aufgrund des fehlenden Wettbewerbs.

    Preiswettbewerb wird erschwert da es zu wenig Anbieter gibt. Alles in allem kein gutes Zeugnis und man sehnt sich wieder zurück, zur den Zeiten "vor" der Bürgerversicherung. Man sollte aus den Fehlern anderer lernen.

  • roesi, das ist Blödsinn, was sie erzählen. In der Regel zahlt der PKV-Patient das 2,3-fache. Mit welcher Berechtigung? Wenn die Ärzte auf die GKV-Einnahmen angewiesen wären, würden sie ihnen das Herz mit einer zusammengerollten Zeitung abhören müssen. Mit der PKV können sie sich aber das gewohnte HigtTech-Equipment leisten, das auch den GKV-Patienten zugute kommt

  • Steigende Beiträge und ein problematischer Wechsel in günstige Tarife schrecken viele ab: Nur rund zehn Prozent der Bundesbürger sind privat krankenversichert. Das will Uwe Laue, Verbandschef der Privaten Krankenversicherungen, ändern. Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" verlangt er, Wechselwilligen den Einstieg in eine private Krankenversicherung (PKV) zu erleichtern. Laue plädiert dafür, nur "Schutzbedürftige" in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu lassen.

    Ich plädiere dafür, die immer mehr Schutzbedürftigen PKV Versicherten in die GKV zu lassen. Dann wäre die PKV Legende.

    Glaubt denn wirklich jemand, dass die 10% PKV Versicherten den Laden Gesundheitssystem alleine aufrecht erhalten.

    Warum gibt es solch ein System von GKV/PKV nur in Deutschland.
    In Deutschland ist wieder alles super, und in anderen Ländern gibt es keine gute Gesundheitsversorgung.
    Wer PKV unbedingt will, kann drin bleiben, aber als verpflichtende Krankenkasse muss sie abgeschafft werden.
    Da sollte man doch die GKV stärken.


  • Natürlich verteidigt jeder seine Pfründe, aber einmal "quer" gedacht: EINE ! gesetzliche Kasse, das würde zunächst einmal erhebliche Einsparungen bringen und trotzdem bessere Leistungen ermöglichen. Wer dann noch will und kann, sattelt private Zusatztarife auf. Warum eigentlich nicht ? Mit Geburt wird eine kostenpflichtige Anwartschaft erworben, die später dann aktiviert werden kann. So könnte es auch gehen, oder? Es bleibt spannend. Liebe Grüße, Nils Fischer ( Warum äußern hier so viele ihre Meinung eigentlich "anonym" ??

  • Ohne die PKV KEIN Medizinischer Fortschritt!!

    Die wichtigste Herausforderung im Gesundheitswesen ist die Erforschung und Bekämpfung schwerer Krankheiten. Das ist bislang mit der Existenz der PKV bestens gelungen,denn daraus wurden überwiegend die Mittel für Wissenschaft, Forschung und speziellen Fachmedizinern zur verfügung gestellt. Genau das rechtfertigt auch ihr Dasein!

    Nicht auszudenken, welche Zustände wir hätten, wenn es nur eine GKV und keine PKV gäbe. Die Solidargemeinschaft wird es nicht richten, das Niveau der medizinischen Infrastruktur und des Standards in Deutschland aufrecht zu erhalten oder sogar weiter zu verbessern.

    Die Herausforderung weiterhin am medizinischen Fortschritt teilhaben zu können, ist nur mit der PKV zu meistern. Und das ist die Grundvoraussetzung bevor man über alles andere nachdenkt.

    PKV nur als ZUSATZVERSICHERUNG wird NICHT funktionieren, da KEIN privater Versicherer nur die Personen mit Begehrlichkeiten aus dem Abschluss (meist Kranke), versichern kann. Die Prämien würden explodieren und wären nicht mehr bezahlbar. Gesunde schließen erst ab wenn sie krank werden. So kann kein Versicherer kalkulieren. Das ist kein Umlagesystem wie in der GKV.

    Eine Zusatz-Pflichtversicherung macht auch keinen Sinn, weil wer bestimmt wieviel er absichern will und muss? Die Versicherer haben an solchen Defizitgeschäften kein Interesse und ziehen sich vom Markt zurück.

    Der medizinische Fortschritt kann von der PKV nicht über Zusatzversicherungen finanziert werden. Wer soll das bezahlen? Das geht nur über die Private Krankenvollversicherung, wo sich ein GEMISCHTER KUNDENBESTAND aus Gesunden und Kranken Personen befindet.

    Das Thema ist komplexer als viele hier denken...

  • das Wichtigste bei der Privaten Krankenversicherung sind nicht die Tarife sondern die Versicherer selbst. Finger weg von unseriösen und unfähigen Versicherern wie der Bayerischen Beamtenkrankenkasse. Nach 20 Jahren Erfahrung mit diesem Versicherer kann ich nur jedem raten, einen möglichst großen Bogen um diesen Laden zu machen. Da wird man als Versicherter garantiert die Hecke lang gezogen, egal ob es sich um Abrechnungen, Tarifwechsel oder was auch immer handelt.

  • Die PKV muss schnellstens weg. Undurchschaubar.
    Ja ein Arzt soll für Mehrleistung mehr Geld bekommen.
    Dafür braucht es aber keine PKV, die einen 3,5 fachen Gebührensatz zahlt, für einen Händedruck vom Arzt, oder analogen Leistungen wie GKV. Wer zahlt die Zeche, der PKV Versicherte und der Steuerzahler, für Zuschüsse der Beamten.
    Ein System für alle ohne die ganzen versteckten Zuwendungen für Hinz und Kunz. Klarer Leistungskatalog damit jeder weiß was es kostet, und gleiche Behandlung für jeden ohne Trennung von privat und gesetzlich. Als PKV Versicherter hat man den Eindruck es wird einem alles angedreht, nur das die Kassen klingeln.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote