Großbritannien Zwei Tote bei Angriff mit Messer auf der London Bridge – Attentäter war verurteilter Terrorist

Ein Mann attackiert Passanten auf der London Bridge: Zwei Menschen sterben, drei werden verletzt. Die Polizei schließt weitere Täter mittlerweile aus.
29.11.2019 Update: 30.11.2019 - 10:15 Uhr Kommentieren

Polizei erschießt Mann auf London Bridge

London London ist erneut Schauplatz einer Terrorattacke geworden. Zwei Menschen wurden nach Angaben der Polizei getötet und drei weitere verletzt, als ein Angreifer am frühen Freitagnachmittag nahe der Brücke im Herzen der britischen Hauptstadt mit einem Messer auf Passanten losging.

Die Verletzen seien in Krankenhäuser untergebracht und würden behandelt. Die Polizei rief Zeugen dazu auf, Hinweise und Videos vom Tathergang einzureichen. Die Ereignisse wurden als „terroristischer Vorfall“ eingestuft.

Der Angreifer wurde nach einer Rangelei mit Passanten von der Polizei erschossen. Er habe eine Bombenattrappe am Körper getragen, sagte der Chef der britischen Anti-Terror-Polizei, Neil Basu, bei einer Pressekonferenz am Abend. Die Messerattacke habe etwa fünf Minuten gedauert.

Am frühen Samstagmorgen teilte Basu dann mit, dass es sich bei dem Mann um einen verurteilten 28-jährigen Terroristen handelt, der vor einem Jahr vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, wie die britische Presseagentur PA berichtet. Usman K. sei im Jahr 2012 wegen Terror-Straftaten verurteilt und im Dezember 2018 vorzeitig zur Bewährung entlassen worden.

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    PA zufolge hatte er Verbindungen zu islamistischen Terrorgruppen. Laut „Times“ war der Attentäter aus der Haft entlassen worden, nachdem er zugestimmt hatte, eine elektronische Fußfessel zu seiner Überwachung zu tragen. Inzwischen gehen die Behörden von einem Einzeltäter aus. Sicherheitsminister Brandon Lewis sagte am Samstag dem TV-Sender Sky News, die Polizei fahnde nicht nach weiteren Verdächtigen.

    Basu sagte, ein weiterer Täter werde nach dem Angriff derzeit nicht gesucht. Dennoch arbeite man schnell, um sicherzustellen, dass keine weiteren Menschen in den Angriff verwickelt gewesen seien und keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit bestehe. Usman K. habe in der Gegend von Staffordshire gelebt.

    Dass nach keinem weiteren Verdächtigen gefahndet wird, sagte auch der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan kurz nach der Attacke. „Was bemerkenswert ist an den Bildern, die wir gesehen haben, ist die atemberaubende Heldenhaftigkeit von Passanten, die buchstäblich der Gefahr entgegengerannt sind“, sagte er zu Journalisten. „Sie liefen wortwörtlich der Gefahr entgegen, ohne zu wissen, was sie erwartet.“

    Menschen fliehen von der Brücke

    Mittags ist viel los auf den breiten Bürgersteigen der London Bridge. Die Brücke verbindet das Finanzviertel mit dem beliebten Restaurantviertel Borough Market. Der Tatort liegt mitten im Finanzzentrum, wo vor gut zwei Jahren bei einem Terrorangriff acht Menschen getötet und mindestens 48 weitere verletzt worden waren.

    Die London Bridge verbindet das Finanzviertel mit dem beliebten Restaurantviertel. Quelle: dpa
    Menschen fliehen in Angst vom Borough Market

    Die London Bridge verbindet das Finanzviertel mit dem beliebten Restaurantviertel.

    (Foto: dpa)

    Laut Polizei wurden die ersten Beamten um 13.58 Uhr Ortszeit (14.58 Uhr MEZ) wegen Berichten über einen Angriff mit einer Stichwaffe in die Umgebung geschickt. Zu dem Zeitpunkt habe der Angreifer vor der Fishmongers' Hall – einem bekannten Gebäude in der britischen Hauptstadt – auf Passanten eingestochen.

    Kurz darauf trafen Verstärkungen, bewaffnet mit Maschinenpistolen, ein und leiteten Passanten von der Brücke weg. Die Menschen in den Bürogebäuden ringsum wurden angewiesen, drinnen zu bleiben.

    Als die schwer bewaffneten Beamten die Gegend zu evakuieren beginnen, breitete sich Panik aus: Die Menschen rannten von der Brücke und suchten Deckung in den Restaurants. Aus den umliegenden Gebäuden filmten Beobachter mit ihren Smartphones das Geschehen.

    Die Polizei rief Zeugen dazu auf, Hinweise und Videos vom Tathergang einzureichen. Quelle: AFP
    Beschäftigte an ihren Bürofenstern nahe der London Bridge

    Die Polizei rief Zeugen dazu auf, Hinweise und Videos vom Tathergang einzureichen.

    (Foto: AFP)

    Laut Augenzeugenvideos, die in sozialen Medien kursieren, erschossen herbeieilende Polizisten den auf dem Boden liegenden Mann. Zu sehen ist beispielsweise, wie Menschen auf der Brücke miteinander ringen. Ein Mann, der dem Angreifer offenbar ein Messer entwenden konnte, bringt es außer Reichweite. Ein drastisches Video zeigt, wie Polizisten auf einen Mann schießen, nachdem sie einen anderen in Sicherheit gebracht haben. Einem BBC-Reporter zufolge, der am Tatort war, hatten mehrere Menschen versucht, einen Mann zu Boden zu drücken. Dann seien Schüsse gefallen.

    Premier Johnson unterbricht Wahlkampf

    Die Polizei sperrte den Tatort weiträumig ab und durchsuchte jeden Raum in der Gegend auf mögliche Bomben. Umliegende Gebäude wurden gesperrt, die Menschen drinnen mussten teilweise mehr als eine Stunde ausharren, bevor sie wieder gehen konnten.

    Premierminister Boris Johnson brach seinen Wahlkampf im Wahlkreis Uxbridge ab und ließ sich in die Downing Street fahren, wo die Polizei ihm einen Lagebericht gab. Das Büro von Boris Johnson teilte mit, der Premierminister werde fortlaufend über die Ereignisse unterrichtet.

    Der Premier dankte der Polizei und den Rettungskräften auf Twitter für ihren „immensen Mut“. Auch lobte er die „außerordentliche Tapferkeit“ der Passanten. Großbritannien werde sich niemals von solchen Angriffen spalten oder einschüchtern lassen. Seine Gedanken seien bei den Betroffenen, ließ Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei per Twitter wissen.

    Die Verkehrspolizei teilte mit, der wichtige Pendlerbahnhof London Bridge sei geschlossen worden, Züge würden dort vorerst nicht halten. Die London Bridge ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt mit einem betriebsamen Bahnhof, sie verbindet den Finanzdistrikt City of London mit dem Bezirk Southwark südlich der Themse.

    Die Bevölkerung wurde aufgerufen, das Gebiet zu meiden. Die Gegend wird auf absehbare Zeit gesperrt bleiben, inklusive des Bahnhofs an der London Bridge.

    • cvo
    • ap
    • dpa
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