Deutschland in KartenVolle Städte, leeres Land

Die Teilung Deutschlands ist längst nicht überwunden, sie verschärft sich sogar noch. Die Menschen ziehen weg aus dem Osten, weg vom Land, hinein in die Metropolen. Das hat gravierende Folgen.

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1. Bevölkerungsentwicklung

Die Karte zur Bevölkerungsentwicklung zwischen 2005 und 2010 zeigt deutlich die Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands: Die Menschen ziehen in die großen Städte.

Am meisten Zulauf erhielt die Stadt München, deren Bevölkerung in dem Zeitraum um mehr als sieben Prozent gewachsen ist. Auch in den angrenzenden Landkreisen legte die Einwohnerzahl um jeweils zwei bis vier Prozent zu.

In weiten Teilen der Republik herrschte dagegen Landflucht, vor allem im Osten. Dort wuchsen nur einzelne Städte, während fast alle Landkreise verloren. Der Kreis Demmin in Mecklenburg Vorpommern verlor beispielsweise mehr als acht Prozent seiner Einwohner. Auch in den Gegenden in Westdeutschland, die früher als „Zonenrandgebiet“ bekannt waren, schrumpfte die Bevölkerung stark.

2. Prognose der Einwohnerzahl

Der Trend – weg vom Land, hin zu den Städten – wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Nach einer Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird der Großraum Berlin bis 2030 besonders stark wachsen. Während die Einwohnerzahl im eigentlichen Stadtgebiet kaum noch steigen dürfte, könnten Potsdam, Barnim und Oberhavel um mehr als acht Prozent wachsen.

Auch im Fall von München und Hamburg das Umland am meisten wachsen. Das Einzugsgebiet der Metropolen wird immer größer.

Im Osten dürfte die Einwohnerzahl bis 2030 in vielen Landkreisen um 20 bis 30 Prozent fallen. Nicht ganz so stark, aber immer noch deutlich dürfte der Schwund in Regionen wie Ruhrgebiet, Pfalz, Saarland sowie Franken und Bayerischer Wald ausfallen.

3. Einwohnerdichte

Die Menschen drängen ausgerechnet in die Städte, die bereits dicht besiedelt sind. In München leben jetzt schon rund 4400 Menschen je Quadratkilometer, Berlin kommt auf knapp 4000, Hamburg als zweitgrößte deutsche Stadt, auf rund 2400 Einwohner je Quadratkilometer.

Zum Vergleich: Im Landkreis Uckermarck in Brandenburg leben gerade einmal 40 Einwohner je Quadratkilometer.

4. Einwohner über 65 Jahre

Aufschlussreich ist ein Blick auf die Bevölkerungsverteilung nach Alter. Dort, wo die Bevölkerung schrumpft, ist der Anteil der Menschen über 65 Jahre besonders hoch. Der Grund liegt auf der Hand: Die jungen Menschen ziehen weg, die Alten bleiben.

In vielen Landkreisen im Osten sind ein Viertel der Einwohner mehr als 65 Jahre alt. Am geringsten ist der Anteil der Alten in süddeutschen Universitätsstädten wie Tübingen, Freiburg und Heidelberg (rund 16 Prozent). Auch in München ist die Bevölkerung vergleichsweise jung, der Anteil der Einwohner über 65 Jahre liegt in der bayerischen Landeshauptstadt bei knapp 18 Prozent.

5. Arbeitslosenquote

Einer der wichtigsten Gründe für Bevölkerungswanderung: Wo es keine Arbeit gibt, ziehen die Menschen weg. Die Regionen mit großem Bevölkerungsschwund weisen oftmals eine hohe Arbeitslosenquote auf.

In Mansfeld-Südharz, dem Landkreis Stendal oder der Uckermarck liegt die Arbeitslosenquote bei mehr als 15 Prozent. Das gibt es im Westen nur in Bremerhaven, Gelsenkirchen und Dortmund.

6. Haushaltseinkommen

Die Gutverdiener siedeln sich gerne im Umland von München, Hamburg und Frankfurt an. Im Landkreis Starnberg verfügt jeder Einwohner im Schnitt über ein monatliches Einkommen von fast 2500 Euro. Der Hochtaunuskreis nahe der Bankenstadt Frankfurt liegt nur knapp dahinter.

Berlin ist mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von etwas mehr als 1300 Euro weit abgeschlagen. Dahinter liegen noch die ländlichen Gegenden in Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern.

7. Fertiggestellte Wohnungen

Die meisten Neubauwohnungen entstehen in den Regionen, in denen die Nachfrage besonders hoch ist. Doch das reicht nicht aus. Die Nachfrage steigt schneller als das Angebot. Die Folge: Steigende Mieten und höhere Preise.

8. Wohnfläche

Die Bewohner der Großstädte müssen sich mit weniger Platz begnügen. In Metropolen wie München, Hamburg, Köln oder Frankfurt verfügt jeder Einwohner im Schnitt über 36 bis 38 Quadratmeter.

Dagegen stehen Menschen in der Eifel, der Pfalz, Ostfriesland, im Harz oder in Teilen Bayerns mehr als 50 Quadratmeter zur Verfügung.

9. Haushaltsgröße

Wie viele Menschen leben in einem Haushalt? Auch hier zeigt sich ein klares Gefälle zwischen Stadt und Land, genauso wie zwischen Ost und West.

In den ländlichen Regionen im Westen leben im Schmitt meist mehr als zwei Menschen in einem Haushalt, in den Städten sind es durchschnittlich weniger als zwei, etwa in Köln, Frankfurt, Hamburg und München (je 1,8) oder in Stuttgart (1,9). Das liegt daran, dass es in den Großstädten besonders viele Single-Haushalte gibt.

Im Osten Deutschlands fällt die Zahl der Personen je Haushalt insgesamt niedrig aus. Hier liegt dies jedoch weniger an den jungen Singles, sondern eher an alleinlebenden Senioren.

10. Städtebauförderung

Das meiste Geld für Städtebauförderung fließt in den Osten. In Brandenburg an der Havel kostete die Förderung im Zeitraum 2005 bis 2010 mehr als 280 Euro je Einwohner.

11. Allgemeinärzte

Die Versorgung mit Ärzten ist in der Stadt nicht unbedingt besser als auf dem Land, zumindest wenn man die Zahl der Allgemeinärzte je Einwohner zugrunde legt. Hier verlaufen die Unterschiede eher entlang der Ländergrenzen: während die Ärztequote in Nordrhein-Westfalen landesweit niedrig liegt, scheint Bayern fast schon überversorgt zu sein.

12. Autos

Auf dem Land ist die Pkw-Dichte, also die Zahl der Autos je Einwohner, deutlich höher als in der Stadt. Das ist wenig verwunderlich, schließlich sind die Strecken in der Stadt kürzer, der öffentliche Nahverkehr ist besser ausgebaut und Parkplätze sind rar. In Köln kommen etwa 420 Autos auf 1000 Einwohner, in der Vulkaneifel sind es 580.

Fazit

Deutschland verändert sich. In mehreren Metropolen herrscht jetzt schon Wohnungsnot. Diese könnte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, wenn die Politik nicht gegensteuert.

Mindestens genauso schwierig wird der Umgang mit dem Bevölkerungsschwund in weiten Teilen des Landes sein. Je mehr Menschen aus einer Region wegziehen, desto schwieriger wird es für die Verbliebenen, das Gemeinwesen am Laufen zu halten. Die Kosten für Wasser, Müllabfuhr oder Strom verteilen sich auf weniger Einwohner, die entsprechend mehr zahlen müssen.

mehr Info: Raumbeobachtung

Mit freundlicher Genehmigung des BBSR Bonn, 2013

9 Kommentare zu "Deutschland in Karten: Volle Städte, leeres Land"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Ende vom Lied wird die Verarmung der deutschen Bevölkerung sein. In der Peripherie wird das was Eltern und Großeltern über Jahrzehnte aufgebaut haben verramscht und in den Ballungszentren sind junge Familien zur massiven Kreditaufnahme gezwungen um vernünftig leben zu können.

  • Da habe ich wohl unbewusst alles richtig gemacht, als ich vor 20 Jahren eine Wohnung in Görlitz gekauft habe und diese nächstes Jahr als Rentner selbst bewohnen werde. Um nichts in der Welt möchte ich in einer "Kultur-Bereicherten" Westdeutschen Großstadt alt werden.

  • In den Städten siechen doch viele Menschen jetzt schon dahin. Siehe HH! Ich wundere mich immer wieder, wie man als junger Mensch in so eine Blasen-Wirtschaftsboomstadt ziehen kann. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis HH wieder an seinen Stand der 1980er Jahre zurückgelangt. Teilweise sieht man ja schon wieder die Fixer und Asis an den Bahnstationen herumlungern. HH ist ein Pulverfass, wehe wenn die Wirtschaft mal abbricht....

  • Und in ihren PreWahl-Populismusattacken wollen unsere Politversager durch Mietsubventionen-und Deckelungen diesen Trend noch vertärken. Wenn schon Subventionierung, dann nachhaltige, nicht nur Mitnahmeeffekte provozierende in strukturschwachen Gebieten

  • Merkel wird von den Medien immer als Realpolitikerin zelebriert und vermarktet.

    Aber wie passt dann die Städtebauförderung (siehe 10. Städtebauförderung) mit dem Bild von Angela Merkel aus den Medien zusammen ?! Offensichtlich pumpt unser Staat unzählige Milliarden in die Vergangenheit - volks- und betriebswirtschaftliche Rendite: Totalverlust. Das kann nur eine ideologisierte Politik vollführen.

    Nun, man könnte es auch als eine idiologisierte Politik bezeichnen:

    idiotisch und ideologisch

    Realpolitik kann ich bei der Innenpolitik Deutschlands nur bei Kinderförderung (Kitas) erkennen - diese Politik wurde allerdings zweifelsohne von Rot/Grün initiiert.

    Das mag an Friedrich liegen, dass bei der Innenpolitik Deutschlands absolut tote Hose herrscht - bis auf viele beschämende Skandale -, allerdings ist Merkel die Bundeskanzlerin.

    Wie der Herr, so's Gscherr!


    Der liebe Gott hat nicht die FDP erschaffen, um die Schwarzen zu prüfen, sondern die AfD!

  • Sehe ich auch so. Mehr Platz für die Wölfe und so nebenbei auch für Menschen, die das städtische Geschiebe nicht wollen, sondern wert auf Ruhe legen! :-D

  • Helmut Kohl hatte doch Recht mit seinen "Blühenden Landschaften" in der Ex-DDR...

    Da von dort die Menschen abwandern, wird sich die Natur dort regenerieren und es werden blühende Landschaften entstehen!

    :o)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Gut gemacht!
    Danke den Autoren.