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HSH Nordbank

MarktgeschehenÖl weekly: Nachfragesorgen und Entspannung auf der Angebotsseite schickten Rohöl auf Talfahrt.

Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent hat seit Monatsbeginn spürbar nachgegeben. Während der Ölpreis im Oktober durchschnittlich bei über 80 US-Dollar/Barrel notierte, fiel dieser bis zum Beginn der Berichtswoche in zwei Stufen auf 73 US-Dollar/Barrel zurück. Hierfür sind unserer Ansicht nach maßgeblich zwei Faktoren verantwortlich: (1) Wachsende Nachfragesorgen, v. a. in den Emerging-Markets und (2) nachlassende Sorgen vor einem totalen Verlust der iranischen Ölexporte in Folge der Gewährung von zeitlich befristeten Ausnahmen von den Sanktionen durch die US-Regierung. Zudem kam es global jüngst vermehrt zu Lageraufbauten (v.a. „Floating Storage“ und Zolllagerbestände in China) und einer Verschiebung am kurzen Ende der Terminkurve von Backwardation in Contango – was auf schwächere Fundamentaldaten hindeutet. Der jüngste Ausverkauf weist eine recht hohe Ähnlichkeit zu dem starken Anstieg der Verkäufe auf, den wir im Juli am Ölmarkt beobachten konnten. Damals wie heute kam es zu einem spürbaren Anstieg der saudischen Ölförderung und einem gleichzeitigen Anstieg der US-Exporte (sowie seinerzeit zusätzlich zu einem Anstieg des libyschen Angebots).

An den globalen Kapitalmärkten kam es in den vergangenen Wochen sichtlich zu einer Neubewertung der Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft für die kommenden 12 bis 18 Monate. So hatte beispielsweise der IWF Anfang Oktober seine Wachstumsprognosen abgesenkt. Entsprechend machten sich auch die Investoren am Ölmarkt Sorgen hinsichtlich der Ölnachfrage mit Blick auf das kommende Jahr. Der Markt befürchtet, dass die Ölnachfrage in den kommenden Quartalen nicht mehr so robust wachsen dürfte, wie bislang angenommen: Als Gründe hierfür lassen sich die derzeit hohen Preise, der relativ starke US-Dollar, der die Ölnotierungen in Nicht-US-Dollar-Ländern noch stärker steigen lässt, und die Abschwächung der weltweiten Wirtschaftsdynamik anführen. Gemäß unserer BIP-Prognose von 3,4 % für die Weltwirtschaft im nächsten Jahr und einem prognostizierten durchschnittlichen Ölpreis von 73 US-Dollar/Barrel in 2019 schätzen wir das Ölnachfragewachstum für denselben Zeitraum auf knapp 1,45 Mio. Barrel/Tag YoY.

Auf der Angebotsseite kam es sichtbar zu einer Erleichterung und die Sorge um Angebotsengpässe ging zurück, nachdem die USA Käufern iranischen Öls Ausnahmeregelungen für einen Zeitraum von sechs Monaten einräumten. Die betroffenen acht Länder sind Indien, mit einem erlaubten Importvolumen von 300 Tsd. Barrel/Tag, China (360 Tsd. Barrel/Tag), Südkorea (200 Tsd. Barrel/Tag; Ausnahme betrifft nur Kondensate), Japan (Raffineriebetreiber Idemitsu kündigte lediglich an, Käufe zu erhöhen) sowie die Türkei, Taiwan, Italien und Griechenland (Hellenic Petroleum kündigte an, keinen Gebrauch von der Ausnahmeregelung zu machen). Die Gewährung der Ausnahmeregelungen impliziert jedoch nicht, dass sich die iranischen Ölexporte vorerst auf einem Niveau von 1,5 Mio. Barrel/Tag stabilisieren dürften. Vielmehr ist mit weiteren Rückgängen zu rechnen, wenn auch nicht mehr so rapide. Nichtsdestotrotz hat die US-Regierung das Vorhaben nicht aufgegeben, die iranischen Exporte mittelfristig auf null zurückzuführen. Daher gelten die Ausnahmeregelungen nur vorübergehend (für 180 Tage), bis der Bezug für die vorgenannten Länder von anderen Bezugsländern sichergestellt ist. Wir rechnen weiterhin mit einem sequentiellen Rückgang der iranischen Exporte auf 1,3 Mio. Barrel/Tag zum Jahresende und auf 1 Mio. Barrel/Tag Mitte/Ende des ersten Quartal 2019.

Aus diesem Grund – kombiniert mit unseren anhaltend hohen Erwartungen bezogen auf das Nachfragewachstum – halten uns die jüngsten Nachrichten nicht davon ab, auch weiterhin einen Ölmarkt im Defizit zu prognostizieren. Wir rechnen mit einem anhaltenden Defizit bis mindestens Mitte 2019 und mit Ölpreisen zum Jahresende 2018 von 80 US-Dollar/Barrel.


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