Bitkom-Umfrage Bürger wollen digitale Lösungen gegen die Pandemie
Düsseldorf Drei Viertel der Menschen in Deutschland wünschen sich einen stärkeren Einsatz digitaler Technologien, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. „Jede neue Phase der Coronapandemie legt neue digitale Defizite in Deutschland frei. Dabei ließe sich das Coronavirus digital so viel einfacher bekämpfen“, bilanziert Bitkom-Präsident Achim Berg.
Grundlage für das Ergebnis ist eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter mehr als 1000 Personen, die im Januar und Februar durchgeführt wurde. Bei der Ende Dezember gestarteten wohl größten Impfaktion der Geschichte wünschen sich viele Bürger digitale Lösungen, insbesondere einen digitalen Impfausweis und eine digitale Terminvereinbarung. 59 Prozent wollen ihren Termin digital buchen, in den jüngeren Kohorten ist dieser Wert noch einmal deutlich höher.
Die Terminbuchung ist Sache der Länder, die dabei vielfach mit den Kassenärztlichen Vereinigungen kooperieren. In vielen Bundesländern war es zum Start zu technischen Schwierigkeiten und überlasteten Telefon-Hotlines gekommen. Bitkom-Präsident Berg hält daher ein bundesweit einheitliches Terminmanagement für nötig.
Die Schwierigkeiten bei der Terminvergabe hingen mitunter mit Fehleinschätzungen darüber zusammen, wie viel Impfstoff vorhanden ist und wie schnell dieser verimpft werden kann. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) will dabei nun Abhilfe schaffen – digital.
Am Mittwoch stellte die Organisation eine Onlineanwendung vor, über die verschiedene Impfszenarien auf Bundes- und Landesebene berechnet werden können. „Die Zi-Impfmodellierung bietet damit ein Zeit- und Mengengerüst für den zukünftigen Verlauf der nationalen Impfkampagne. Wir bieten den politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern damit die Möglichkeit, die Auswirkungen der Entscheidungen zum weiteren Management der Impfkampagne sofort abzulesen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.
Abhängig von der Impfstoffverfügbarkeit kann dynamisch modelliert werden, wie Veränderungen der Impfkapazität oder verschiedene Impfstrategien sich auf den Impffortschritt der Bevölkerung je Bundesland und im Bundesgebiet auswirken.
Bei digitalen Lösungen gegen die Pandemie steht insbesondere die Corona-Warn-App im Fokus der Debatte. Seit Monaten wird darüber gestritten, ob die App durch ein Aufweichen des Datenschutzes wirksamer gestaltet werden könnte.
Die von Bitkom Befragten scheinen diese Ansicht mehrheitlich zu teilen. Zwar werden auch Vorschläge unterstützt, die organisatorischer Natur sind, etwa eine Buchung für einen Testtermin über die App oder Push-Mitteilungen mit Angaben zum eigenen Risiko.
Die größte Gruppe mit fast zwei Dritteln meint aber, sie würden die App nutzen wollen, wenn sie einen Hinweis gebe, dass sich infizierte Menschen in der Nähe aufhalten. Etwa die Hälfte spricht sich dafür aus, zu erfahren, wo und wann es zu einer Risikobegegnung gekommen ist.
Der Chef der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind), die im Auftrag der Bundesregierung herausragende Innovationen fördert, hält das allerdings für einen Irrglauben in der Bevölkerung. „Das Gerede vom schädlichen Datenschutz ist Schwachsinn“, sagte Rafael Laguna de la Vera Handelsblatt Inside. Der Bund hätte einfach viel mehr werben müssen, damit statt 20 mindestens 50 Millionen Menschen mitmachen, meint Laguna.
Die Datenschutzdebatte hat sich in der Pandemie längst über die Corona-Warn-App hinaus ausgedehnt – und polarisiert Experten wie Laien. Das bestätigt auch die Bitkom-Umfrage, mit leichten Vorteilen für das Lager der Datenschutz-Skeptiker.
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