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Fahrbare Schutzkapsel Sphaira-Gründer wollen Patienten in Isolation mobil machen

Die Schutzkapsel des Berliner Start-ups soll Angehörige und Patienten gleichermaßen vor Ansteckung schützen – und Besuche wieder ermöglichen.
13.01.2021 - 15:56 Uhr Kommentieren
Besucherin in der Schutzkapsel Moby, deren Hand ein Handschuh schützt.
Moby-Schutzkapsel

Besucherin in der Schutzkapsel Moby, deren Hand ein Handschuh schützt.

Berlin Die Bilder aus Bergamo zu Beginn der Coronakrise machten Moritz Eichhorn fassungslos. Da sich viele vor ihrem Tod nicht von ihren Angehörigen verabschieden konnten, kam ihm die Idee für Moby: ein Rollstuhl mit einer Glasglocke darüber, die weder Viren herein- noch herauslässt und so Insassen und Außenstehende vor Ansteckung schützt.

„Wir setzen da an, wo heutige persönliche Schutzausrüstung aufhört“, sagt Eichhorn. Besucher sollen im Moby infektiöse Patienten im Vergleich zu einem Schutzanzug leichter sehen, hören und berühren können. Und Patienten mit geschwächtem Immunsystem – etwa nach einer Chemotherapie oder Stammzelltransplantation – können im Moby sicher Besuch empfangen und sind mobiler. „Wir wollen medizinische Isolation, ob stationär oder ambulant, über die Corona-Pandemie hinaus spürbar verbessern“, sagt Eichhorn.

Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Janis Münch gründete der 36-Jährige im Juli das Berliner Start-up Sphaira, um die Idee in die Realität umzusetzen. Als Klinik- und Studienpartner dient die Medical-Park-Gruppe, die bei der Entwicklung unterstützt und mindestens vier Mobys für eine Klinik in Berlin abnehmen möchte.

Eine Patienten auf Spazierfahrt im Moby.
Moby-Schutzkapsel

Eine Patienten auf Spazierfahrt im Moby.

Der Lehrstuhl für Produktionstechnik für Elektromobilitätskomponenten (PEM) an der RWTH Aachen wiederum entwickelt gemeinsam mit dem Start-up den Prototypen. Die Kosten dafür beziffern Münch und Eichhorn auf rund 500.000 Euro. Im zweiten Quartal des Jahres soll dieser fertiggestellt sein, als Medizinprodukt der Klasse 1 zugelassen werden und Ende 2021 an den Markt gehen.

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    Zuvor will das Start-up auf die Suche nach Investoren gehen. Bislang finanzieren die Gründer die Kosten aus eigener Tasche und mithilfe von Angel-Investoren. Am Ende soll das Gerät zwischen 15.000 und 25.000 Euro kosten – etwa das Zehnfache eines Krankenbetts. Als Abnehmer haben die Gründer Krankenhäuser, Altenheime und die häusliche Pflege im Blick.

    Präsentation des Mockups

    Wie weit das Team ist, lässt sich in einer Industriehalle im Berliner Euref-Campus begutachten. Dort steht an einem Januartag ein sogenannter Mockup des Moby, ein fahrbarer Nachbau aus Holz, Metall und einem handelsüblichen Elektrorollstuhl. Mit Gummihandschuh lässt sich aus dem Moby heraus- oder hineinfassen. Es ist das erste Mal, dass Münch und Eichhorn eine erste Version des Moby in Originalgröße sehen. PEM-Ingenieure haben ihn mitgebracht.

    Bei der Präsentation geht es vor allem darum, ein erstes Raumgefühl für die Schutzkapsel zu erhalten. Fühlt man sich beengt? Ist genug Platz für die Beine? Können auch bewegungseingeschränkte Menschen in den Moby einsteigen? Wie fährt sich der Rollstuhl mit dem Aufbau? Kommen auch ältere Leute damit zurecht? Die PEM-Ingenieure notieren jede Anmerkung, die in die Entwicklung des Prototypen einfließt.

    Das Gefährt sei „hochsicher und kinderleicht zu bedienen“, sagt Mitgründer Münch. Er geht davon aus, dass es bald in den meisten Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommt. Ein wichtiger Punkt sei zum Beispiel die Desinfektion. „Einfache und schnelle Desinfektion ist entscheidend“, sagt Mitgründer Münch. Das bedeutet: Viele abgerundete Kanten, keine schwer zugänglichen Ecken.

    Im fertigen Modell sollen außerdem Hepa-Filter die Luft reinigen, zudem kann in der Kapsel Über- und Unterdruck hergestellt werden, um Insassen oder die Umgebung vor Viren zu schützen. Über eine schalldurchlässige Membran soll es außerdem möglich sein, sich mit der Außenwelt zu unterhalten. Der Akku soll den ganzen Tag halten.

    Sphaira-Gründer Münch und Eichhorn (v.l.).
    Das Moby-Team

    Sphaira-Gründer Münch und Eichhorn (v.l.).

    Für Eichhorn und Münch ist es das erste große Medtech-Projekt, das sie zur Marktreife bringen wollen. Eichhorn studierte Politikwissenschaften an der London School of Economics, arbeitete daraufhin als Journalist für verschiedene Medien und zuletzt als Pressesprecher, bevor er Sphaira gründete. Münch wiederum bringt Erfahrung als Unternehmer mit, startete mehrere Firmen als Gründer oder in Konzernrollen und hat sich erst in den vergangenen Jahren auf Medtech und Digital Health spezialisiert.

    Die beiden sind also Quereinsteiger in der ohnehin schwierigen Medtech-Branche. Viele Unternehmen scheiterten daran, erfolgreich neue Produkte in die Klinikwelt einzuführen. Manche unterschätzen etwa die oft lange und teure Entwicklung und Zertifizierung, andere überschätzen das Budget der Krankenhäuser, wieder andere erfinden an deren Bedürfnissen vorbei.

    Solche Fehler will das Team gemeinsam mit dem Klinikpartner Medical Park mit 13 Einrichtungen und zwei ambulanten Therapiezentren in Deutschland vermeiden. „Wir sind der Sparringspartner bei Fragen zum Einsatz im medizinischen Alltag“, sagt Martin Ebinger, ärztlicher Direktor bei Medical Park Humboldtmühle in Berlin. Er hofft, dass sich das Gefährt schnell durchsetzt. Besuchsverbote hält er damit für nicht mehr nötig. „Wir könnten Besucher in den Moby setzen und so verhindern, dass Viren ins Krankenhaus kommen“, sagt er. „Es bricht uns jeden Tag das Herz, wenn wir Angehörige nicht in unsere Klinik hineinlassen können.“

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