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  5. Handelsblatt Inside Digital Health: Mitarbeiterschulung in Kliniken

KlinikenTechnik-Botschafter fördern Digitalisierung

Viele Kliniken müssen bis zum Jahr 2025 digital aufrüsten, sonst drohen saftige Strafen. Helfen kann dabei eine enge Einbindung der Mitarbeiter.Lukas Hoffmann 02.07.2021 - 17:54 Uhr Artikel anhören

Der Kollege erklärt neue Technik oft verständlicher als ein externer Fachmann.

Foto: imago/Westend61

Die Taktung ist eng im Klinikum, für Pflegefachkräfte wie für Ärzte. Wenn das neue Softwareprogramm nicht funktioniert, wird es direkt wieder geschlossen. Dann wird die Digitalisierung ein Mehraufwand für Pflegekräfte. Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), kennt viele schlechte digitale Anwendungen: „Es werden häufig Dinge gekauft, mit dem Hinweis, nun haben wir die optimale Lösung. Das stimmt oft nicht.“

Für das Einkaufen von neuer IT haben Klinikbetreiber nun bald Geld in der Kasse. Im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes stellt der Bund drei Milliarden Euro zur Verfügung. Die Länder sollen weitere 1,3 Milliarden zuschießen. Nutzen Patienten und Klinikmitarbeiter im Jahr 2025 keine digitalen Werkzeuge wie zum Beispiel ein digitales Medikamentenmanagement, drohen Strafzahlungen. Ihre Höhe beläuft sich auf bis zu zwei Prozent des Rechnungsbetrags für jeden voll- und teilstationären Fall. Selbst bei kleinen Kliniken kommen so schnell Millionenbeträge zusammen.

Klinikum Nürtingen ist das digitalste Klinikum Deutschlands

In der baden-württembergischen Medius-Klinik Nürtingen, das einem Verbund mit vier Kliniken angehört, beschäftigt man sich schon lange mit der Frage, wie digitale Anwendungen eingeführt werden können. Mit der Digitalisierungsstufe sechs nach dem Reifegradmessmodel Emram ist die Klinik das digitalste Klinikum Deutschlands. Alle anderen Kliniken in Deutschland, darunter auch renommierte Unikliniken, haben es maximal bis Stufe fünf geschafft.

Dietmar Zelinski leitet die IT bei den Medius-Kliniken und hält die Einbindung der Mitarbeiter für einen entscheidenden Erfolgsfaktor. „Wir haben zunächst die digitalen Prozesse vorgestellt. Interessierte Mitarbeitende mit IT-Affinität, die die Digitalisierung auch in der Klinik voranbringen möchten, wurden als Key-User ausgewählt und teilweise auch vom Tagesgeschäft freigestellt.“ Die Technik-Botschafter wären nicht auf eine Karrierestufe oder Position begrenzt. Oberärzte, Fachärzte, auch Stationsleitungen würden die neue Technik in die Abteilungen tragen. „Heute muss kein Mitarbeiter mehr irgendwas per Hand notieren. Wir können Übertragungsfehler ausschließen“, sagt Zelinski.

Diesen Ansatz verfolgt man auch in der Uniklinik Essen. Digitalkompetente Mitarbeiter wurden geschult, damit sie die Technik den Kollegen nahebringen. Dafür wurde ihnen Zeit eingeräumt, berichtet die Pflegedirektorin Andrea Schmidt-Rumposch: „Sieben Personen aus der Pflege sind freigestellt worden, um die elektronische Patientenakte in 70 Abteilungen einzuführen.“

Sie hält es für essenziell, dass Mitarbeiter von Beginn an in den Entscheidungsprozess einbezogen werden: „Ich kann mir das Tollste vorstellen, wenn Mitarbeiter den Mehrwert nicht sehen, wird es nicht funktionieren.“ Bei interdisziplinären Lenkungsgruppen sitze die Pflege mit am Tisch. Gespräche werden auch geführt, wenn ein digitales Werkzeug bereits genutzt wird. „Die Einführung unserer Krankenhaus-ePA ist in den Allgemeinpflegestationen der Universitätsmedizin Essen abgeschlossen. Jetzt gibt es weiterhin interdisziplinäre Treffen zum Austausch möglicher Weiterentwicklungen.“

Wenn Kliniken digitale Anwendungen erfolgreich einführen wollen, sollten die Mitarbeiter also einbezogen werden. Je früher die Einbindung erfolgt und je später sie endet, desto besser.

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