Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kranus Health App gegen Erektionsstörung: Gründer-Team erhält Millionenfinanzierung

Der Leidensdruck von Betroffenen mit einer erektilen Dysfunktion ist oft groß. Eine digitale Therapie soll nun helfen.
03.02.2021 - 17:59 Uhr Kommentieren
Nikolay Dimolarov, Thilo Kleinschmidt, Kurt Miller, Jens Nörtershäuser (v.l.) Quelle: Unternehmen
Kranus Health

Nikolay Dimolarov, Thilo Kleinschmidt, Kurt Miller, Jens Nörtershäuser (v.l.)

Berlin Jens Nörtershäuser hat sich eine Krankheit vorgenommen, die vielen „peinlich“ ist, wie er sagt. Der 34-Jährige ist Gründer von Kranus Health, einem Münchner Start-up, das Männern mit Erektionsstörungen mit einer App helfen will. „Wer daran leidet, redet oft nicht gerne darüber“, sagt Nörtershäuser. „Betroffenen wollen wir eine einfache Möglichkeit geben, die Grundursachen anstatt nur Symptome zu behandeln.“

Dafür hat Kranus Health nun eine Seed-Finanzierungsrunde über rund eine Million Euro abgeschlossen, wie Handelsblatt Inside erfuhr. Zu den Investoren zählt unter anderem der Hightech-Gründerfonds. Mit dem Kapital wollen Nörtershäuser und sein Team ihre App in die Erstattung der gesetzlichen Krankenversicherung bringen.

Dafür wollen die Gründer im Frühjahr die Zulassung als „App auf Rezept“ beantragen, die noch im Sommer erfolgen soll. Für diesen Zeitraum haben sich die Gründer eine weitere Finanzierungsrunde vorgenommen. Die Finanzspritzen sollen unter anderem in die Studie für den medizinischen Nutzennachweis fließen, die für die Zulassung als digitale Gesundheitsanwendung (DiGa) nötig ist. Außerdem soll das Team von derzeit zehn Leuten erweitert werden. Später wolle man weitere Lösungen für tabuisierte Erkrankungen angehen, etwa vorzeitiger Samenerguss und Inkontinenz, kündigt Nörtershäuser an.

Die Therapie dauert in der Regel zwölf Wochen und basiert auf Einheiten, die einer konventionellen Therapie gegen Erektionsstörungen ähneln. Das Programm umfasst drei Bereiche: Mithilfe von Kardiotrainings wie Joggen, Radfahren oder Nordic Walking sollen Nutzer ihren Kreislauf anregen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zudem gibt es ein Training, das die Beckenmuskulatur stärken soll. Darüber hinaus erhalten Nutzer ein mentales Training, etwa zum Thema Achtsamkeit und Stressabbau. In der App sehen die Nutzer gleichzeitig ihren Therapiefortschritt und können sich telemedizinisch von einem Urologen beraten lassen.

    Expertennetzwerk geplant

    „Im Grunde haben wir die bereits vorhandene Therapie digitalisiert“, sagt der Kranus-Mitgründer und frühere Chefarzt der Urologie der Charité Berlin, Kurt Miller. Eine im Jahr 2004 im British Journal of General Practice veröffentlichte Studie zeige etwa, dass sich die Beschwerden von 75 Prozent der Teilnehmer einer solchen Therapie deutlich reduzieren oder verschwinden. Die Übungen mussten dafür aber im Schnitt nicht drei, sondern sechs Monate durchgeführt werden.

    „Zudem verbessern sich durch die gesteigerte Aktivität die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden“, sagt Miller. Das sei ein wesentlicher Vorteil gegenüber der Behandlung von Erektionsstörungen mit Medikamenten wie der Viagra-Pille, mit der der Hersteller Pfizer im vergangenen Jahr einen Umsatz von fast 500 Millionen US-Dollar machte.

    Norbert Brockmeyer, Leiter des Zentrums für sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum, weist darauf hin, wie komplex die Behandlung einer erektilen Dysfunktion ist. „Die Krankheit umfasst physiologische und psychische Belange, es braucht also Expertenwissen für sehr unterschiedliche medizinische und psychosoziale Fragestellungen“, sagt er.

    Er könne sich deswegen vorstellen, dass eine App ein gutes Basisprogramm bieten und eine zusätzliche Hilfestellung sein kann. Brockmeyer glaubt aber, dass vor allem die psychologische Therapie alleine mit einer App nur schwer darstellbar sei. „Es kommen Betroffene zu uns, die sich in ihrem Mannsein und ihrer sexuellen Identität gebrochen fühlen“, sagt er. „Dies verlangt auch eine enge persönliche Therapie.“

    Kranus Health muss bei Medizinern also noch Überzeugungsarbeit leisten. Auch Miller ist sich dieses Problems bewusst. Das Start-up plant deswegen, eine dreistellige Zahl der rund 2700 niedergelassenen Urologen in Deutschland bis zum Marktstart in ein Expertennetzwerk zu integrieren. „Wir wollen möglichst viele Urologen an das Produkt heranführen“, sagt Miller. Dass man einem Patienten zur Behandlung auch eine App verschreiben kann, müsse sich „erst noch in den Gehirnen einbrennen“.

    Handelsblatt Inside Digital Health

    Ihnen gefällt dieser Beitrag aus unserem exklusiven Fachbriefing?

    Empfehlen Sie Handelsblatt Inside Digital Health weiter!

    Mehr: Motognosis-Gründer wollen Parkinson-Therapie per App erleichtern

    Mehr zu: Kranus Health - App gegen Erektionsstörung: Gründer-Team erhält Millionenfinanzierung
    0 Kommentare zu "Kranus Health: App gegen Erektionsstörung: Gründer-Team erhält Millionenfinanzierung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.