Investmentkonferenz in Riad Kaesers Haltung ist oft riskant – wegen Saudi-Arabien steckt der Siemens-CEO nun in einer Zwickmühle

Im Gegensatz zu anderen Vorstandschefs hält sich Joe Kaeser selten mit politischen Statements zurück. Das setzt den Siemens-Chef nun unter Druck.
Kommentieren
Der Siemens-Chef ist keiner, der sich so einfach öffentlichem Druck beugt. Quelle: Reuters
Joe Kaeser

Der Siemens-Chef ist keiner, der sich so einfach öffentlichem Druck beugt.

(Foto: Reuters)

Siemens-Chef Joe Kaeser stand schon öfter allein auf weiter Flur. Als er sich wegen des wachsenden Rechtspopulismus und des Erstarkens der AfD in Deutschland Sorgen machte, rief er die CEOs mehrerer großer Dax-Konzerne an – ob man nicht gemeinsam eine Aktion starten wolle. Kaeser holte sich eine Abfuhr. Der Siemens-Chef blieb mit seinen klaren Äußerungen („Lieber Kopftuch-Mädel als Bund Deutscher Mädel“) die Ausnahme.

Doch Haltung, betonte der Siemens-Chef immer wieder, sei ihm wichtig. Andere Vorstandschefs halten sich mit politischen Statements zurück. Sie fürchten, dass ihnen diese später vor die Füße fallen können.

Und so ergeht es nun auch Kaeser. Siemens ist einer der Sponsoren der Investmentkonferenz Future Investment Initiative (FII) in der saudischen Hauptstadt Riad. Mehrere hochrangige Teilnehmer haben den Besuch des Forums des saudischen Staatsfonds PIF, dessen Chairman Kronprinz Mohammed bin Salman ist, aus Protest gegen das ungeklärte Verschwinden des oppositionellen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi bereits abgesagt.

Und Kaeser? Der Siemens-Chef steckt in einer Zwickmühle. Wie es denn nun um die Haltung stehe, fragen Diskussionsteilnehmer in den sozialen Netzwerken. Und auch im Umfeld des Konzerns wird eingeräumt, dass die Situation für Kaeser wegen seiner vielen öffentlichen politischen Äußerungen schwieriger geworden ist. „Ich habe mich noch nicht entschieden, aber ich muss es bald tun“, sagte der Siemens-Chef auf einer Konferenz des US-Wirtschaftsmagazins „Fortune“ in Toronto.

„Ein Mensch wird vermisst“, sagte Kaeser. Es gebe massive Sorgen. „Wenn wir aber aufhören, mit Ländern zu reden, in denen Menschen vermisst werden, müsste ich zu Hause bleiben, weil ich mit niemandem mehr reden könnte.“ Wenn man etwas ändern wolle, müsse man mit Menschen sprechen und nicht über Menschen. Noch also hat sich Kaeser nicht entschieden.

Ein Infrastrukturkonzern wie Siemens ist auf staatliche Aufträge angewiesen, und die kommen nicht nur aus Ländern mit einer Demokratie nach westlichem Vorbild. Siemens liefere ja auch keine Waffen, sondern zum Beispiel Energietechnik, die Millionen Menschen in Ländern wie dem ebenfalls autoritär regierten Ägypten mit Strom versorge, sagt ein Branchenkenner. Im Übrigen habe sich „Wandel durch Handel“ schon öfter als gutes Konzept erwiesen.

Khashoggi war am 2. Oktober in Istanbul ins saudische Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seitdem ist er verschwunden. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass der Journalist im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Einige der Männer stammen aus dem direkten Umfeld des Kronprinzen.

Kaeser ist zumindest keiner, der sich so einfach öffentlichem Druck beugt. Als sich die Ukraine-Krise abzeichnete, reiste er zu einem länger vereinbarten Termin nach Moskau. Der Besuch bei Präsident Wladimir Putin verlief eher unglücklich. Vor laufenden Kameras lobte Kaeser die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Auch ein anschließender Auftritt in den „Tagesthemen“ ging eher daneben, als Kaeser von „kurzfristigen Turbulenzen“ sprach. Doch ist Verlässlichkeit in Kundenbeziehungen eben auch ein Wert für sich.

Für Diskussionen sorgte Kaeser genauso, als er US-Präsident Donald Trump vor laufender Kamera für seine Steuerreform lobte und Investitionen in den USA versprach. Kurz darauf kritisierte er allerdings auf Twitter deutlich Trumps Androhung von Strafzöllen. „Nach einer großartigen Steuerreform, um neue Jobs zu schaffen, ein lausiger Ansatz zu fairem Handel. Nicht gut für Kunden, nicht gut für Jobs. Nicht gut für eine freie Welt“, schrieb Kaeser auf dem Kurznachrichtenkanal.

  • mbr
  • ax
Startseite

Mehr zu: Investmentkonferenz in Riad - Kaesers Haltung ist oft riskant – wegen Saudi-Arabien steckt der Siemens-CEO nun in einer Zwickmühle

0 Kommentare zu "Investmentkonferenz in Riad: Kaesers Haltung ist oft riskant – wegen Saudi-Arabien steckt der Siemens-CEO nun in einer Zwickmühle"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%