Islamismus Französische Regierung spricht von Terror

Frankreichs Innenminister stuft die Messerattacke nahe der ehemaligen „Charlie Hebdo"-Redaktion als Terroranschlag ein. Die Verletzten sind nicht in Lebensgefahr.
26.09.2020 Update: 25.09.2020 - 14:24 Uhr Kommentieren
Die Messerattacke auf zwei Journalisten in Paris wurde inzwischen als terroristischer Anschlag eingestuft. Quelle: AFP
Polizeibeamte in Paris

Die Messerattacke auf zwei Journalisten in Paris wurde inzwischen als terroristischer Anschlag eingestuft.

(Foto: AFP)

Paris Der französische Innenminister Gerald Darmanin hat den Messerangriff auf zwei Journalisten in der Nähe der früheren Büros der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris als Terrorakt eingestuft. „Da gibt es nur offensichtlich nur wenige Zweifel, das ist ein neuer blutiger Angriff auf unser Land, gegen Journalisten, gegen diese Gesellschaft“, sagte Darmanin dem Fernsehsender France 2 zu dem Vorfall, bei dem am Freitag zwei Menschen verletzt worden waren.

Ob es eine Verbindung zum islamistischen Anschlag auf „Charlie Hebdo“ von 2015 gab, war zunächst unklar. Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, dass es vier Verletzte gebe. Staatsanwalt Jean-François Ricard sagte dann aber, bei den Verletzten handle es sich nur um einen Mann und eine Frau, die sich gerade eine Zigarettenpause genehmigt hätten. Der Hauptverdächtige habe sie nicht gekannt. Neben ihm sei eine weitere Person festgenommen worden.

Die Polizei teilte mit, dass der Hauptverdächtige nahe dem Place de la Bastille im Osten der Stadt festgenommen worden sei. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft erklärte, sie habe Ermittlungen wegen „versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben“ eine Untersuchung eingeleitet.

Polizisten strömten in das Stadtviertel in der Nähe der U-Bahn-Station Richard Lenoir im Osten der französischen Hauptstadt, wie Reporter der AP vor Ort beobachteten. Polizisten hätten das Gebiet abgesperrt, in dem sich auch die früheren Büros der Zeitschrift befunden hätten, nachdem in der Nähe ein verdächtiges Paket entdeckt worden sei, verlautete aus Polizeikreisen.

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    Premierminister Jean Castex sagte, die Verletzten schwebten nicht in Lebensgefahr. Der Angriff sei an einem symbolischen Ort erfolgt, und das zu einem Zeitpunkt, an dem ein Prozess gegen mutmaßliche Tatbeteiligte am „Charlie Hebdo“-Anschlag von 2015 laufe.

    Darmanin sagte, der Hauptverdächtige sei ein junger Mann, der vor drei Jahren als unbegleiteter Minderjähriger offenbar aus Pakistan nach Frankreich gekommen sei. Vor einem Monat sei er schon einmal festgenommen worden, weil er einen Schraubenzieher bei sich gehabt habe. Die Polizei habe ihn aber nicht als radikalisierten Muslim eingestuft. Seine Identität müsse noch geklärt werden. „Aber offensichtlich ist es ein Akt von islamistischem Terrorismus“, sagte der Minister.

    Die Redaktion von „Charlie Hebdo“ verurteilte die Attacke. „Diese tragische Episode zeigt und einmal mehr, dass Fanatismus, Intoleranz (...) in der französischen Gesellschaft immer noch präsent sind“, twitterte das Magazin.

    Islamische Extremisten hatten die Redaktion des Satiremagazins Anfang 2015 angegriffen und zwölf Menschen umgebracht. Das Motiv des Messerangriffs vom Freitag blieb offen. Die Satirezeitschrift zog nach dem Anschlag von 2015 in andere Büros um.

    Der Terrorismusprozess um den blutigen islamistischen Anschlag auf „Charlie Hebdo“ läuft seit Monatsbeginn in Paris. Angeklagt sind 14 Menschen. Bei der mehrtägigen Anschlagsserie waren im Januar 2015 insgesamt 17 Menschen getötet worden.

    Die Anschläge trafen nicht nur die Redaktion von „Charlie Hebdo“, sondern auch einen koscheren Supermarkt in Paris. Die drei Täter wurden damals von Sicherheitskräften erschossen.

    Den Angeklagten wird vorgeworfen, in unterschiedlicher Weise bei der Vorbereitung der Anschläge geholfen sowie einer terroristischen Vereinigung angehört zu haben. In den meisten Fällen drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren. Beschuldigte sollen beispielsweise Waffen besorgt oder eine Unterkunft zur Verfügung gestellt haben. „Charlie Hebdo“ hatte zuletzt erneut Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und ist daraufhin wieder bedroht worden.

    Vier Verletzte nach Messerattacke in Paris

    Mehr: Frankreich und Islamismus: Kampf gegen den „Hyper-Terrorismus“

    • dpa
    • ap
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