Absteiger des Jahres Karl-Theodor zu Guttenberg - Der Mogelpeter

Karl-Theodor zu Guttenberg sollte und wollte als Politiker alles erreichen. Doch seine Verfehlungen zeigen, es fehlt ihm an Größe. Dieser Mangel macht ihn in der Politik und darüber hinaus zum Absteiger des Jahres.
  • Arnulf Baring
29 Kommentare
Stand 2011 in keinem guten Licht: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Stand 2011 in keinem guten Licht: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Schon lange vor der raschen, steilen Karriere, die ihn zunächst zum Minister für Wirtschaft, dann zum Verteidigungsminister und zugleich zum Liebling von Medien und Öffentlichkeit werden ließ, kannte ich den jungen Karl-Theodor zu Guttenberg. Er machte damals einen hervorragenden Eindruck: bescheidenes Auftreten, gewinnendes Wesen, angenehme Umgangsformen; gebildet, beredt, kenntnisreich.

Besonders positiv fiel auf, dass er sich in aller Stille zum außenpolitischen Experten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion heranbildete. Denn das ist für einen Christdemokraten seit 1969 eine ungewöhnliche, wenig aussichtsreiche Orientierung. Seit jenem Jahr stellt immer der kleinere Koalitionspartner den Bundesminister des Auswärtigen. Seit über 40 Jahren droht also einem außenpolitisch orientierten Christdemokraten, trotz glänzender Expertise, lebenslang das Abseits.

Dieses Schicksal blieb Guttenberg erspart - und noch mehr. Seit er Minister geworden war, erfreute er sich eines unglaublichen öffentlichen Rückenwinds, der ihn in die Höhe trug, ihm aber gleichzeitig zu Kopfe stieg. Kein Wunder: Unsere Massenmedien und dann auch die Bevölkerung wussten sich nicht zu lassen in ihrer grenzenlosen, maßlosen Begeisterung. Obwohl sich die Frage seiner Kanzlerschaft nach menschlichem Ermessen erst viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte später stellen würde, sahen viele Beobachter in KT, diesem Enddreißiger, schon den künftigen Regierungschef, der unser Land aus allen Schwierigkeiten bringen würde.

Laudator Arnulf Baring, Jahrgang 1932, ist Publizist, Politikwissenschaftler, Zeithistoriker und Autor. Baring stammt aus einem Zweig der deutsch-britischen Bankiersfamilie Baring. Zuletzt lehrte er an der FU Berlin Politikwissenschaften. Seit 1998 ist er emeritiert. Quelle: David Ausserhofer

Laudator Arnulf Baring, Jahrgang 1932, ist Publizist, Politikwissenschaftler, Zeithistoriker und Autor. Baring stammt aus einem Zweig der deutsch-britischen Bankiersfamilie Baring. Zuletzt lehrte er an der FU Berlin Politikwissenschaften. Seit 1998 ist er emeritiert.

(Foto: David Ausserhofer)

Wie ist dieser Gefühlsüberschwang zu erklären? Denn wenn man Guttenbergs Wirken nüchtern betrachtete, hatte er weder originelle Konzepte noch gut begründete Entschlüsse vorzuweisen. Was bei anderen als selbstverständliches Verhalten galt, wurde bei ihm hoch gelobt. Er sprach anders als normale Politiker, das ist wahr, und er ließ eine innere Distanz gegenüber dem üblichen Gehabe erkennen. Man schrieb ihm eine innere Unabhängigkeit zu, die man bei anderen Politikern schmerzlich vermisst. Seine demonstrative Unbefangenheit schien sich aus einem beträchtlichen Vermögen, einer jahrhundertealten Familientradition und einer entsprechenden Statussicherheit zu erklären.

Guttenberg wurde als Ausnahme, als Glücksfall begriffen. Er konnte zum erhofften nationalen Erlöser werden, weil die Deutschen ihr Führungspersonal von Jahrzehnt zu Jahrzehnt skeptischer betrachten. Da unsere politischen Eliten in den drei maßgeblichen Parteien der Nachkriegszeit außergewöhnliche Qualitäten besaßen, hat sich bei unseren Parteien mittlerweile die Illusion eingenistet, politische Führung entstehe und wachse gewissermaßen von selbst. Das ist aber offenkundig nicht der Fall. Aus Funktionärsapparaten und Dorfkrughinterzimmern kann man in aller Regel keine Personalangebote erwarten, die das Land begeistern.

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29 Kommentare zu "Absteiger des Jahres: Karl-Theodor zu Guttenberg - Der Mogelpeter"

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  • "blockwartmentalität"

    Lieber soWhat, ich verstehe das eher irgendwo zwischen "Eagle Sam" und "Waldorf und Stadler", je nach Tagesform.

  • Dankeschön für diesen sehr interessanten Artikel. Herr Baring sieht den jungen KT sehr positiv, die letzten Vorkommnisse von KT waren aber so verdreht und unaufrichtig, wie der Herr Baring schreibt. Ich glaube auch der KT ist ein sehr schwieriger Charakter, mit eigenwilliger eigener Wahrnehmung.
    Dieses Fehler begehen und nicht dazu stehen, es auch noch in einen Erfolg für sich selber ummünzen zu wollen, macht glücklicherweise der kritische Bürger nicht mit. Also ich finde dieser Artikel bleibt sachlich, er beschreibt die derzeitige Realität des KT. Also ich finde ihn sehr ausgewogen und stimmig.
    Hat der Baring gut und mutig verfasst.

  • Guttenberg als Mogelpeter zu bezeichnen ist mir etwas zu platt.
    Mit "Baron Guttenberg" haben wir endlich einen standesgemäßen Lügenbaron. Einen standesgemäßen "Lügenbaron der Neuzeit" der nach allen Regeln der Kunst in der Lage ist "Baron Münchhausen" zu beerben.

    Guttenberg hat nicht nur sich entehrt, sondern auch seine ganze Familienlinie. Respekt!

  • Bitte kontrollieren Sie...!
    Bitte eine Zensur...!
    Bitte nicht veröffentlichen, denn es entspricht nicht der Einheitsmeinung...!
    Bitte ein Diktat, wie in den meisten anderen Medien...!
    Bitte nur noch MEINE Meinung, denn ich habe keine eigene Meinung, sondern ich vertete die EINE Meinung...!

    Bitte schaffen Sie doch die Meinungsfreiheit auch hier ab. Ich bin nämlich zu dumm und ungebildet, über Äußerungen hinwegzusehen, die nicht meinem Niveau entsprechen....!!!!!!

    Haben SIE DAS GEMEINT?
    WOLLEN SIE DAS?
    Denn das wäre das Ergebnis Ihrer Forderung, und wie dumm und ungebildet dann die geistigen Ergüsse des Restes der Leserbriefe werden , können Sie sehr anschaulich in der "Welt" lesen!

  • Lach! Smile. Gut gesagt!

  • Fred_Kirchheimer,
    Sie haben in einem Punkt Recht. Es gibt viele Betrüger, dir durch die Medien begünstigt ein Forum finden. Das mindert aber nicht die Tatsache, dass hier ein Krimineller, der weder Werte hat, noch vertritt, noch lebt, vollkommen zu recht angeprangert wird. Er darf aus diesem Grund auch nie wieder ins öffentliche Rampenlicht gezerrt werden. Das hat nichts mit einer narzistischen Persönlichkeitseinstellung, die Sie allen anderen Menschen unterstellen, zu tun.
    Dieser Mann hat nämlich einen Auftrag, für amerikanische Interessen in der deutschen und europäischen Politik tätig zu werden. Darin liegt derzeit die eigetliche Gefahr.

  • Es gibt deswegen nichts anderes zu berichten, weil auf diese Art und Weise ein Betrüger wieder aufgebaut werden soll, der amerikanische Interessen in "unserem" Politsystem vertritt und unsere angassten Politiker, die weder Werte haben, noch vertreten, noch danach leben, solche Typen dringend für die angepassten "Gutmenschen" brauchen, denn diese folgen einer solchen Politik und wählen derartige Parteien auch noch!
    Die so Protegierten tragen sämtlich den sogenannten amerikanischen Stempel der "Unbedenklichheit", wie neulich ein Journalist so treffend sagte.

  • @hardy

    weder mob noch deutsche blockwartmentalität sind erwünscht .

  • Das Mitleid mit dem jetzt frisch erfundenen Brüsseler Baron Theodor von und zu Googleberg auf der Internetkugel hält sich meinerseits sehr in Grenzen. Aber für die Gazetten und Klatschpresse wird er noch lange gut sein, als sogenannter Ideal-Schwiegersohn und ja, da darf man dann auch träumen, was sich doch noch alles ereignen könnte, wäre die Welt nicht so wie sie ist, sondern so wie manche sie noch immer träumen … (°!°)

    „Kaiser (in spe) Karl Theodor vuz Guttenberg greift nach der Krone“
    … natürlich mit Bild, wie es sich für Tratsch gehört!
    http://qpress.de/2011/12/12/kaiser-in-spe-karl-theodor-vuz-guttenberg-greift-nach-der-krone/

  • Nachtrag:
    Sollte ich Sie jetzt falsch verstanden haben und Sie in sich einen Verteidiger des freien Wortes halten - Irrtum: Hier geht es um eine kulturelle Verrohung, der langsam mal ein Ende gesetzt gehört.

    Bitte nicht wie am ZEIT-Forum orientieren, dort regiert die Hysterie.

    Hier allerdings regiert ganz eindeutig der MOB.

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