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Handelsblatt Live Wie sich die Kurzarbeit auf die deutsche Wirtschaft auswirkt

Einer Studie der Beratung BCG zufolge bringt das Kurzarbeitergeld einige Nebenwirkungen mit sich. Doch insgesamt sei die Resonanz positiv.
23.11.2020 - 20:44 Uhr 2 Kommentare
Bei den Autobauern standen zu Beginn der Coronakrise wochenlang die Bänder still.
Porsche-Mitarbeiter

Bei den Autobauern standen zu Beginn der Coronakrise wochenlang die Bänder still.

Düsseldorf Teuer, aber gut investiert – Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wird nicht müde, das Kurzarbeitergeld anzupreisen. 18,4 Milliarden Euro habe die Maßnahme in diesem Jahr bereits gekostet. 3,3 Millionen Menschen befanden sich im Oktober in Kurzarbeit, im Mai gar 7,2 Millionen (zum Vergleich: Während der Finanzkrise lag der Höchststand bei 1,2 Millionen Kurzarbeitern).

Für die Bundesregierung ist das Kurzarbeitergeld eines der wichtigsten Mittel, um Massenentlassungen zu verhindern. Erst vergangene Woche hat der Bundestag zugestimmt, die Maßnahme bis Ende 2021 zu verlängern. Doch ist das Kurzarbeitergeld ein Allheilmittel für die von der Coronakrise gebeutelte Wirtschaft? Darüber haben am Montagabend Experten aus Politik und Wirtschaft mit den Handelsblatt-Redakteurinnen Kirsten Ludowig und Ina Karabasz diskutiert.

Reinhard Messenböck, Senior Partner bei der Boston Consulting Group (BCG), weiß, dass das Kurzarbeitergeld eben nicht nur Balsam für die Unternehmen ist – sondern auch einige Nebenwirkungen mit sich bringt. Das hat eine Studie des Beratungshauses unter Unternehmen ergeben. Die Erkenntnisse:

Erstens: Mehr als 50 Prozent der befragten Unternehmen beklagten demnach, wichtige Transformations- und Innovationsprojekte im Zuge der Kurzarbeit gestoppt zu haben.

Zweitens: Ein Großteil der Unternehmen habe sich schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in einem Strukturwandel befunden, so Messenböck. Doch mit dem geminderten Arbeitspensum hätten viele Betriebe diese Veränderungen verspätet vorgenommen oder gar aufgeschoben.

Drittens: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen habe einen deutlichen Produktivitätsrückgang zu verzeichnen. Immerhin: Das Homeoffice habe sich als Produktivitätstreiber entpuppt, zitiert Messenböck die BCG-Studie.

Viertens: Gerade für Angestellte in Kurzarbeit habe die Situation eine enorme psychische Belastung dargestellt. Dieses Gefühl potenziere sich, wenn es im Unternehmen ein Ungleichgewicht gebe zwischen Mitarbeitern, die noch in Kurzarbeit sind, und solchen, die bereits wieder in Vollzeit beschäftigt sind.

Wie belastend das für die Belegschaft sein kann, bestätigt auch Roman Zitzelsberger. Er ist Bereichsvorstand bei der IG Metall Baden-Württemberg und Aufsichtsratsmitglied bei Daimler und dem Automobilzulieferer ZF. „Kurzarbeit und Mehrarbeit gehen oft Hand in Hand“, sagt er. Doch in Unternehmen mit ganz verschiedenen Bereichen, die an völlig unterschiedlichen Aufgaben arbeiten, sei das nicht zu vermeiden.

„Man kann gegen eine Krise nicht ansparen“

Gunnar Herrmann, Ford-Deutschlandchef, kann nachvollziehen, dass Corona viele Unternehmen in ihrem Transformationsprozess blockiere. Der Autobauer aber habe die Krise gut überstanden – und nicht unter den Folgen der Kurzarbeit gelitten.

Wencke Mull ist nah dran an den Unternehmen. Sie ist Abteilungsdirektorin Special Risk Management beim Kreditversicherer Atradius und bestätigt: Nach dem ersten Lockdown-Schock hätten die Betriebe große Anstrengungen unternommen, um sich den Problemen zu stellen – Kurzarbeit hin oder her.

Trotz aller Nebenwirkungen, die manch ein Unternehmen in Sachen Kurzarbeit beklagt, sei die Resonanz im Großen und Ganzen positiv, meint auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Seiner Ansicht nach hätte eine Verlängerung des Kurzarbeitergelds bis Mitte 2021 vorerst genügt. „Das Instrument ist eine Akuthilfe – und keine Dauerlösung“, so der Liberale. Doch diese Milliardeninvestition sei nun mal das Beste, was der Staat machen könne. „Man kann gegen eine Krise nicht ansparen.“

Von dem offenen Geldhahn profitiert nicht zuletzt Tui. Mit mehreren Milliarden Euro hilft der Staat dem klammen Reisekonzern aus. Und auch vom Kurzarbeitergeld macht das Unternehmen Gebrauch: 73 Prozent der rund 10.000 Mitarbeiter in Deutschland befänden sich aktuell noch in Kurzarbeit, sagt Tui-Personalvorständin Elke Eller. „Mit dem Kurzarbeitergeld haben wir eine hohe Flexibilität. Verbesserungen sind da nicht notwendig“, lobt sie das Modell.

Mehr: Je höher das Einkommen, desto geringer die Corona-Einbußen

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2 Kommentare zu "Handelsblatt Live: Wie sich die Kurzarbeit auf die deutsche Wirtschaft auswirkt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wir sind doch mittlerweile ein Sozialstaat und mehr oder weniger Beamten die soviel Geld kosten, dass die Wirtschaftskraft nicht mehr reicht.

    Wieviel versteckte Staatsschulden hat Deutschland mittlerweile?

    Und dann noch die Transferunion.

    Und das alles ohne eine einzige "eierlegende Wollmichsau" im Zeitalter von 4.0.

    Spätestens in den nächsten 10 bis 15 Jahren wird man bei der Entwicklung der demographischen Entwicklung und der fatalen Migration und Flüchtlingsszuwanderung über die Folgen nachdenken, was da in den letzten Jahrzehnten alles so schiefgelaufen ist.

    Aber das machen dann andere. Ist ja auch deshalb egal.

  • Das war, wie so vieles, in Deutschland mittlerweile sehr wohl und gut durchdacht!

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