Handelsblatt Wirtschaftsclub „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga: „Wir sollten uns auf journalistische Tugenden besinnen“

Caren Miosga diskutiert im Handelsblatt Wirtschaftsclub über seriösen Journalismus in Populismus-Zeiten. Die Moderatorin will an Bewährtem festhalten.
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„Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga will sich auf Twitter zurückhalten, aber online auch Verständnis für ihre Redaktionsarbeit erzeugen. Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
Caren Miosga und Thomas Tuma

„Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga will sich auf Twitter zurückhalten, aber online auch Verständnis für ihre Redaktionsarbeit erzeugen.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

HamburgDie „Tagesthemen“ gelten als durchaus seriöses Nachrichtenmagazin, aber auch als etwas nüchtern. Moderatorin Caren Miosga will an dieser Ausrichtung festhalten – und sieht die ARD-Sendung sogar als Vorreiter.

„Ich habe den Eindruck, dass sich viele Kollegen gerade in Zeiten von emotional aufgeheizten Debatten wieder auf die journalistischen Tugenden wie die der ordentlichen Recherche besinnen“, sagte sie am Montagabend bei einer Veranstaltung des Handelsblatt Wirtschaftsclub in Hamburg.

Wie positioniert sich seriöser Fernsehjournalismus in Zeiten von Populismus und Fake-News-Vorwürfen? Die 49-jährige Moderatorin diskutierte darüber engagiert mit den Clubmitgliedern und dem stellvertretenden Handelsblatt-Chefredakteur Thomas Tuma.

Die „Tagesthemen“ sind seit 40 Jahren auf Sendung und gehören damit zu den ältesten deutschen Nachrichtenformaten. Die Sendung wird beim NDR in Hamburg von ARD Aktuell produziert und im Wechsel von den beiden Hauptmoderatoren Miosga und Ingo Zamperoni präsentiert.

Miosga plädierte im Handelsblatt Wirtschaftsclub klar für journalistische Zurückhaltung. „Ich muss nicht zu allem bei Twitter meinen Senf dazugeben. Für meinen Geschmack überschreiten dort manche Journalisten-Kollegen die Grenzen der professionellen Meinungsäußerung“, sagte sie.

Jedoch wolle sie auch in den sozialen Medien Verständnis dafür erzeugen, wie ihre Redaktion arbeitet. „Ich versuche, möglichst viele ernst gemeinte Fragen aus den sozialen Medien zu beantworten. Dort sind ja auch viele Menschen unterwegs, die ein echtes Interesse haben“, sagte sie. Wer jedoch nur auf Beschimpfung aus sei, werde von der Redaktion blockiert.

Das „Tagesthemen“-Team fand sich zuletzt immer wieder in der Kritik, wenn es um die Berichterstattung über Straftaten ging, die mutmaßlich von Flüchtlingen begangen worden sind. Manchmal hatte die Sendung gar nicht oder später als andere Medien berichtet und wurde auf Twitter und Facebook kritisiert.

Miosga erläuterte, dahinter stehe eine grundsätzliche Überlegung: „Über Kriminalfälle wollen wir in den Tagesthemen erst dann berichten, wenn sie politisch und gesellschaftlich relevant werden. Da müssen wir unseren Prinzipien treu bleiben.“

Die Redaktion diskutiere jedoch auch darüber, ob andere Themen zu ausführlich behandelt würden. „Das Problem einer aktuellen Nachrichtenredaktion ist die begrenzte Zeit. Und so laufen auch wir durchaus Gefahr, den Themen hinterherzurennen, die alle machen“, sagte Miosga.

„Ein Beispiel ist die quälend lange Berichterstattung um endlos lange Personaldebatten in der Politik.“ Das sei aber keine grundsätzliche Frage des Publikumsinteresses. „Ich kann keine Demokratiemüdigkeit in Deutschland erkennen – nur weil einige meinen, dass Angela Merkel schon beim Sprechen müde wirke“, scherzte sie.

Allerdings wollten die „Tagesthemen“ regelmäßig wichtige Politiker interviewen – unabhängig von deren jeweiliger Eloquenz. Dabei sei unvermeidlich, dass einige womöglich die Zuschauer langweilten: „Es gibt sicherlich derzeit auch deshalb den Wunsch nach Erneuerung, weil Teile des Führungspersonals in der Politik schon lange dabei sind.“

Die AfD könne diesen Effekt derzeit für sich ausnutzen: „Die AfD nutzt andere Mechanismen als die übrigen Parteien. Sie setzt auf Emotionalisierung und Angst“, warnte die Journalistin.

Miosga wehrte sich zugleich energisch gegen den Vorwurf, die ARD sei „Staatsfernsehen“ oder gar parteipolitisch beeinflusst. „Den Vorwurf der Parteipolitik in der ARD kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Das ist mit Verlaub Humbug“, sagte sie. „Es ist gerade jetzt sehr spannend und großartig, in meinem Job zu sein.“

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