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Handelsblatt Wirtschaftsclub Wie Anleger mit politischen Börsen umgehen sollten

Handelskonflikt, Brexit und Italienkrise schüren Unsicherheit an den Märkten. Die Experten des Handelsblatt-Musterdepots erklären, was sie empfehlen.
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Die Experten des Handelsblatt-Musterdepots sind sich uneinig über den Einfluss aktueller politischer Prozesse. Quelle: Bert Bostelmann/bildfolio
Handelsblatt-Clubgespräch

Die Experten des Handelsblatt-Musterdepots sind sich uneinig über den Einfluss aktueller politischer Prozesse.

(Foto: Bert Bostelmann/bildfolio)

FrankfurtEs gibt Zahlen, die Optimismus verbreiten – und doch ein mulmiges Gefühl hinterlassen. Mehr als zehn Millionen Bundesbürger halten Aktien, hat das Deutsche Aktieninstitut kürzlich bekanntgegeben. Eine gute Nachricht für ein Land, in dem die Sparer unter niedrigen Zinsen leiden und sich eine Mehrheit dennoch die Erträge am Kapitalmarkt entgehen lässt.

Doch zuletzt war die Zahl der Aktionäre im Jahr 2007 so hoch – kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Steigen die Deutschen also wieder einmal zur falschen Zeit in den Aktienmarkt ein?

Aus Sicht der Aktienexperten Sönke Niefünd, Alexander Kovalenko und Ulf Sommer, die die drei Musterdepots im Handelsblatt betreuen, besteht diese Gefahr zumindest. Sie alle, das wurde beim Handelsblatt-Clubgespräch am Montagabend in Frankfurt deutlich, sind relativ pessimistisch für das Börsenjahr 2019.

Zwar haben die Märkte seit Jahresbeginn deutlich zugelegt: Der Dax notiert mehr als neun Prozent im Plus, der S&P 500 elf Prozent, und das globale Börsenbarometer, der MSCI World, hat zehn Prozent zugelegt. Doch die Risiken an den Märkten seien noch längst nicht ausgeräumt, sagt Niefünd von der Hamburger Privatbank Otto M. Schröder.

„Die EU-Staatsschuldenkrise ist noch längst nicht verdaut.“ Mit Blick auf das Brexit-Chaos und den Handelsstreit zwischen den USA und China sagt er: „Europa und die Welt haben noch viele Hausaufgaben zu erledigen.“ Er hält es für möglich, dass der Dax im Jahresverlauf unter die Marke von 10.000 Punkten rutscht – beim derzeitigen Kurs von 11.400 Punkten entspricht das einem Einbruch von rund 13 Prozent.

Auch Handelsblatt-Redakteur Ulf Sommer sieht derzeit wenig Grund für Optimismus. „Alle wesentlichen Konjunkturindikatoren weisen nach unten.“ Zudem dürfte der Zwist zwischen der EU und Italien wegen der hohen Staatsverschuldung nach der Europawahl im Mai wieder auf die Agenda kommen, erwartet er. „Diese Risiken kommen auf die Börse zu. Ich würde mich unwohl fühlen, jetzt voll investiert zu sein.“

Alexander Kovalenko, Aktienexperte der Bayerischen Vermögen, setzt mit seinem Social-Trading-Depot erfolgreich auf regelbasiertes Investieren. Auch seine Algorithmen signalisierten derzeit, dass das Risiko eines Börsenabschwungs besteht. „Wir sind zu 50 Prozent aus dem Aktienmarkt ausgestiegen“, sagt er. „Niemand weiß, ob der Crash kommt. Aber etwas Liquidität zu halten ist in diesen Zeiten gar nicht so verkehrt.“

Große Unsicherheit besteht auch deshalb, weil manche etablierte Börsenregel in Zeiten von Trump und Brexit neu geschrieben werden muss, wie die Aktienexperten des Handelsblatts auf Nachfrage eines Lesers bestätigen. Der Spruch „Politische Börsen haben kurz Beine“ gelte nicht mehr. „Man hat den Eindruck, dass die Börsen sehr viel stärker von der Politik getrieben werden – nach oben und nach unten“, sagt Sommer.

Zwar lasse die Wirkung der Tweets des US-Präsidenten zum Fortschritt der Handelsgespräche oder gar zu einzelnen Unternehmen nach. Doch nun seien es die Notenbanken, die mit ihrer Geldpolitik das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage an den Märkten aushebeln. Angesichts dieser politischen Börsen müssten sich Anleger mit einer neuen Realität abfinden, sagt auch Niefünd: „Volatilität ist die neue Normalität.“

Gelassenheit zahlt sich aus

Die Frage eines Handelsblatt-Lesers, ob in einem Crash am Aktienmarkt auch die Chance einer Erneuerung liege, beantworteten die Aktienexperten höchst unterschiedlich. Privatbankier Niefünd verweist auf den Schrecken, den selbst Buchverluste bei Privatanlegern auslösten.

„Wenn 50 Prozent meines Vermögens in Aktien stecken und der Markt um 50 Prozent einbricht, ist auf einen Schlag ein Viertel meines Vermögens weg“, so Niefünd. Für viele Anleger wäre das ein Schock. „Dann zu investieren und Aktien nachzukaufen – diesen Mut haben nur wenige.“ Kovalenko appelliert jedoch an Aktienbesitzer, sich von der „Kontoauszugsmentalität zu verabschieden.“

Anleger sollten auch bei Kurseinbrüchen gelassen bleiben. „Weg ist das Vermögen nur, wenn man in Panik verkauft.“ Das Auf und Ab der Märkte vorherzusehen sei dagegen für Profis wie für Laien unmöglich. „Ich glaube nicht an die Prognosefähigkeit der Menschen“, sagt Kovalenko.

Um das Portfolio krisenfest zu machen, helfe nur, das Vermögen möglichst breit über viele Anlageklassen zu streuen, rät Niefünd. „Aktien, Anleihen, Gold und Liquidität“ – so müsse ein Portfolio aufgebaut sein. Gold sei zwar so etwas wie die Hausratsversicherung für das Depot. Doch zu viel sollten Anleger nicht in das Edelmetall stecken. In Krisenzeiten sei selbst Gold nicht vor Preiseinbrüchen sicher.

Besonders wachsam sollten Anleger in den kommenden Wochen sein. Dann stehen wichtige Entscheidungen im Handelskonflikt sowie im Brexit-Poker an. Sie haben das Potenzial, das Börsenjahr 2019 zu prägen, ist Niefünd überzeugt. „Der März wird richtungsweisend.“

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