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Handelsblatt Wirtschaftsclub Wie BMW sich in China für die elektrische Zukunft rüstet

BMW-Finanzchef Nicolas Peter sieht China im Umbruch. Das Land werde zum Trendsetter für E-Mobilität und Digitalisierung. Der Autobauer sieht sich dafür gut gerüstet.
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BMW-Vorstand Peter (M.) mit Buchautor Stephan Scheuer (li.) und Moderator Hans-Jürgen Jakobs.
Gespräch über China

BMW-Vorstand Peter (M.) mit Buchautor Stephan Scheuer (li.) und Moderator Hans-Jürgen Jakobs.

MünchenWenn Nicolas Peter über BMW in China redet, lässt er Zahlen sprechen. „2004 haben wir in China genauso viele Autos verkauft wie in Indien“, sagt der Finanzvorstand des Münchener Autobauers: „Heute verkaufen wir in Indien immer noch jährlich 12.000 Autos, in China jedoch 640.000.“ Der einstige Nischenmarkt in Fernost wurde zum wichtigsten Absatzland und Gewinntreiber.

150 Handelsblatt-Leser lauschten am Dienstagabend den Ausführungen des Managers, der gemeinsam mit dem langjährigen China-Korrespondenten Stephan Scheuer wenige Tage vor der wichtigen Automesse in Schanghai über die Zukunft des Landes diskutierte.

„China ist der Markt, auf dem wir auch in Zukunft am stärksten wachsen werden“, skizziert Peter. „China wird seine Marktmacht nutzen, um weltweit Standards für die Elektromobilität und die Digitalisierung zu setzen“, glaubt Scheuer, der ein Buch („Der Masterplan“) über den „Weg Chinas zur Weltherrschaft“ geschrieben hat.

Als die Regierung merkte, dass sich der Vorsprung der Westkonzerne bei Verbrennungsmotoren nicht einholen lasse, habe sie auf Elektroautos gesetzt, so Scheuer: 100 Produzenten von Batteriezellen traten an, die später rigoros von Behörden aussortiert wurden. „Übrig geblieben sind fünf, sechs große Firmen, darunter CATL.“ In Erfurt baut der Weltmarktführer für BMW eine Fabrik und liefert von 2021 an Batteriezellen für den „iNext“, das nächste große E-Modell des Hauses.

Finanzchef Peter hat viel Lob für Chinas Industriepolitik: „In Deutschland haben wir nur gut 14.000 Ladesäulen für E-Autos, aber allein im Großraum Peking gibt es mittlerweile schon mehr als 41.000.“ Anders als die Bundesrepublik baue China die Infrastruktur für E-Mobilität rasch aus. BMW sieht sich dafür gut gerüstet. 2020 soll der „iX3“ in China entstehen, die Elektroversion des Geländewagens. Und zudem soll dann der Elektro-Mini im Joint Venture mit Great Wall vom Band laufen.

BMW muss wie alle Hersteller in China eine Elektroquote von rund zehn Prozent der verkauften Autos erreichen. Ein großer Vorteil sei, dass BMW in einigen Jahren den Anteil am Joint Venture mit dem Staatskonzern Brilliance von 50 auf 75 Prozent erhöhen darf, sagt Peter. Das sei „ein deutlicher Beleg für die Öffnung des Landes gegenüber Investoren“. BMW sieht sich inzwischen „in China mit Abstand als Nummer eins bei elektrifizierten Autos im Premiumbereich“.

Der Markt ist noch klein, aber chinesische Start-ups drängen auf den Markt, etwa Nio und Byton. „Die Newcomer arbeiten sehr schlank, sowohl in den Prozessen als auch in der Ausgestaltung ihrer Produkte“, so Peter. Seine Antwort: das eigene Modellangebot entschlacken. Es sei „überkomplex“. Künftig soll sich ein BMW mit drei oder vier Klicks im Internet konfigurieren lassen.

Sicher ist: Der chinesische Kunde tickt anders. „Das Design ist in fast allen Ländern der Welt Kaufgrund Nummer eins“, umreißt Peter: „In China ist das anders, da zählt die Marke.“ Noch wichtiger als im Rest der Welt sei digitale Vernetzung.

„Die Kunden wollen unbedingt ihre Apps im Auto haben, das ist in China hochrelevant.“ Die Kehrseite sei, mahnt Scheuer, dass alle Anbieter von Elektro- und Hybridautos permanent Daten an Ämter abliefern müssten. Kritiker glauben, das diene der Überwachung der Bürger. Fürs autonome Fahren sind dabei Alibaba, Tencent und Baidu exklusiv eingeplant.

Von einer „zwiespältigen Situation“ spricht Auto-Mann Peter. Es gehe ja auch darum, den Verkehr besser zu steuern. China werde zum Vorreiter bei Robotaxis, die in Smart Cities den öffentlichen Transport übernehmen. „Vollautomatisierte Fahrzeuge werden nur funktionieren, wenn ein permanenter Datentransfer gewährleistet ist.“

Bei BMW bestehe der Grundsatz, dass alle sicherheitsrelevanten Daten dem Unternehmen gehören, alle anderen Daten jedoch dem Nutzer. So soll es bleiben.

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