In eigener Sache Handelsblatt-Journalist gewinnt Preis für Reportage über Brüsseler Lobbyisten

Für seinen Report über das intransparente Treiben in der EU-Hauptstadt ist Christian Wermke mit dem Ludwig-Erhard-Förderpreis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet worden.
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Der Journalist arbeitet seit Ende 2012 für das Handelsblatt. Seit 2015 ist er Reporter im Agenda-Ressort der Zeitung und schreibt vor allem Porträts und Reportagen. Quelle: Hannibal Hanschke
Preisträger Christian Wermke

Der Journalist arbeitet seit Ende 2012 für das Handelsblatt. Seit 2015 ist er Reporter im Agenda-Ressort der Zeitung und schreibt vor allem Porträts und Reportagen.

(Foto: Hannibal Hanschke)

BerlinDie Ludwig-Erhard-Stiftung hat den Handelsblatt-Reporter Christian Wermke mit einem Förderpreis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet. Der 32-Jährige bekam die Ehrung für seine Reportage „Unter der Glocke“, die am 14. Juli 2017 im Handelsblatt erschien. Viermal reiste Wermke dafür nach Brüssel und begab sich auf die Spurensuche der Interessensvertreter, die noch immer intensiv die europäische Gesetzgebung beeinflussen.

Schätzungsweise 35.000 Lobbyisten soll es in der EU-Hauptstadt geben, einige davon vertrauten sich Wermke an, erzählten von ihren Methoden und wie sich ihr Handwerk in all den Jahren verändert hat. Vorbei sind die Zeiten, in denen überall Schampus floss, heute wird unterschwelliger lobbyiert. Und gern auch im Graubereich, an herrschenden Regeln vorbei.

Wermke schrieb in seinem Artikel über einen Trick, den die Unternehmen mittlerweile anwenden, um das für die EU-Kommission geltende Transparenzregister zu umgehen: sie nehmen die Dienste von Anwälten in Anspruch. Die Kanzleien berufen sich dabei auf ihre Schweigepflicht. Und so tauchen Treffen zwischen von Firmen bezahlen Anwälten und EU-Mitarbeitern nicht mehr im Register auf.

„Wermkes Artikel macht einmal mehr deutlich, wie unverzichtbar kritischer Journalismus ist, um Dinge zu verbessern – auch in der besten aller Welten“, sagte Dorothea Siems, Chefkorrespondentin für Wirtschaftspolitik bei „WeltN24“ und Mitglied der Jury, in ihrer Laudatio am Mittwochabend in Berlin.

Neben Wermke bekamen der BR-Redakteur Patricius Mayer und der freie Journalist Daniel Sprenger, der vor allem für den NDR arbeitet, einen Förderpreis überreicht. „Guter Wirtschaftsjournalismus ist zeitaufwendig“, sagte Siems. In vielen Redaktionen bleibe bei permanenten Kostendruck immer weniger Freiraum zum Recherchieren. Doch Mayer, Sprenger und Wermke zeigten mit ihren eingereichten Beiträgen, dass es „auch hier Grund zum Optimismus gibt und guter Journalismus durchaus eine Zukunft hat“.

Die Hauptpreise des Abends wurden an Zanny Minton Beddoes, Chefredakteurin des britischen „Economist“, und Peter Ràsony, Leiter der Auslandsredaktion der „Neuen Zürcher Zeitung“, vergeben. Alljährlich zeichnet die Ludwig-Erhard-Stiftung Journalisten mit den Preisen für Wirtschaftspublizistik aus. Zum ersten Mal wurde der Preis 1977 vergeben.

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