Journalismus Live University Innovation Challenge

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Optimieren statt Innovieren – so lautet häufig der Vorwurf an die deutsche Wirtschaft. Dabei müssen Innovation und Optimierung gar keine Widersprüche sein. Das zeigen die Finalisten des Start-up-Wettbewerbs der Goethe-Universität Frankfurt und des Handelsblatts. Ausgezeichnet werden Start-ups aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, die entweder aus einem universitärem Hintergrund entstanden sind, oder deren Geschäftsidee derzeit noch an einer Universität erforscht wird.

Aus der Vielzahl der Bewerbungen hat die Jury zehn Start-ups in fünf Kategorien ausgesucht: Future Engineering, Future Living, Future Life Science, Future Finances & Commerce und Future Materials. Die zwei Start-ups pro Kategorie treten bei der Preisverleihung am Montag, den 17. September, in Frankfurt gegeneinander an - über den Gewinner stimmt dann das Publikum ab.

Hier geht es zu den Gewinnern.

Die Finalisten im Überblick:


Kategorie Future Engineering

CORE SENSING TECHNOLOGIES

Den Gründern von Core Sensing Technologies ist eine der größten Herausforderungen der Digitalisierung aufgefallen: Zwar wollen immer mehr Unternehmen Sensoren in ihren Produkten verbauen, sie aber dort auch zu verankern, ohne das Material zu beschädigen oder die Bauart grundlegend zu verändern, ist gar nicht so einfach.
Also hat Core Sensing Technologies ein neues Verfahren entwickelt, mit dem die Sensoren und die dazugehörigen elektronischen Schaltungen im Inneren eines Stahlrohres oder eines wellenförmigen Bauteils sicher verbaut werden. Diese können dann weiter den normalen Fertigungsprozess durchlaufen, also etwa geschweißt oder gebogen werden. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet.

CORE SENSING TECHNOLOGIES

INERATEC

Hinter dem Start-up stecken Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Sie wollen dabei helfen, eines der wesentlichen Probleme der Energiewende zu lösen: Die Energiespeicherung. Dafür haben die Gründer chemische Kompaktanlagen entwickelt, mit denen die Energie in Form von flüssigem oder festen Kohlenwasserstoff gespeichert werden kann.
Die Reaktoren sind dabei so kompakt, dass sie in einen Container passen. Damit können sie dezentral eingesetzt werden. Bisherige Anlagen sind dafür zu groß und zu teuer. Ineratec hat bereits erste Reaktoren in Betrieb genommen und arbeitet unter anderem mit dem Autohersteller Audi an weiteren Projekten

INERATEC

Kategorie Future Living

BREEZE TECHNOLOGIES

Nicht erst seit dem Dieselskandal wird das Thema Luftqualität leidenschaftlich diskutiert. Die Gründer von Breeze Technologies haben sich des Themas angenommen: Sie entwickelten Sensoren, die Umweltdaten wie Feinstaub und Ammoniak in der Luft messen – und werten diese dann in der Cloud aus.
Nutzer bekommen über eine dazugehörige Plattform die aktuelle Luftsituation angezeigt und erhalten aus einem Maßnahmenkatalog Vorschläge für die Verbesserung. Das gilt sowohl für den Außen- als auch den Innenbereich.

VILISTO

Die Gründer von Vilisto haben sich zwei Themen verschrieben, die manchmal unvereinbar scheinen: Umweltschutz und Kosteneffizienz. Sie haben eine Technologie entwickelt, mit der Unternehmen Geld sparen können, indem sie ihre Gebäude effizienter heizen. Dadurch wird gleichzeitig die Umwelt geschont.
Dafür setzt Vilisto Heizkörperthermostate mit integrierter Sensorik in einzelnen Büros ein, die zum Beispiel die Temperatur messen. Diese Daten werden dann analysiert und Künstliche Intelligenz prognostiziert auf Basis dessen, wann ein Angestellter sein Büro nutzt – und stellt die Temperatur entsprechend ein. Diese Daten können dann aber auch dafür genutzt werden, um einen besseren Reinigungsplan für Büros zu erstellen – je nach dem, wie oft sie genutzt werden. Sie helfen auch dabei, Flächen effizienter zu nutzen.

VILISTO

Kategorie Future Life Science

INVEOX

Die beiden Gründer haben sich der Erkennung von Krebs verschrieben. Das Start-up will Prozesse in der Pathologie automatisieren, um Fehler bei der Krebsdiagnose zu verhindern. Sie sind durch einen Fall auf das Thema aufmerksam geworden, bei dem einer Frau in einer Operation beide Brüste entfernt wurden. Später kam jedoch heraus, dass die Gewebeproben der Patientin vertauscht worden waren und die Operation nicht nötig gewesen wäre.
Die beiden Gründer haben es sich zur Aufgabe gemacht, Pathologie-Labore stärker zu digitalisieren und entsprechende Prozesse gleich mit: Unter anderem wird etwa die Kassette für die Gewebeprobe per Laserbeschriftung dauerhaft beschriftet und die Probenbehälter mit Chips intelligent gemacht. Für den Prozess hat Inveox eigens einen Automaten gebaut, durch den auch die Labormitarbeiter nicht mehr mit dem giftigen Formalin in Kontakt kommen.

INVEOX

TEC4MED

Medikamente retten Leben – aber einige von ihnen sind extrem kompliziert in der Herstellung. Und manchmal kommen sie dann für den Patienten zu spät. Die Gründern von Tec4Med beziffern die Zahl von Medikamenten und Proben, die jeden Tag während des Transports unbrauchbar werden, auf rund 50.000.

Diese Zahl muss sinken, finden die Gründer, die sich aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Betriebswirtschaft zusammen getan. Sie haben eine Kühlbox entwickelt, die das ändern soll. Das Gerät trägt den Namen Nelumbox und misst kontinuierlich die Temperatur und verfolgt die gesamte Kühlkette in einer Cloud. Das soll nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Planungssicherheit der Hersteller und das Vertrauen der Kunden erhöhen – und verhindern, dass lebensrettende Medikamente zu spät kommen.

TEC4MED

Kategorie Future Finances & Commerce

BC-Ticket

Die Lieblingsmannschaft spielt, aber es sind keine Karten mehr zu bekommen. Für verzweifelte Fans führte die Suche nach den letzten Tickets oft zu Plattformen im Netz, auf denen private Anbieter diese feilboten. Nicht selten sind aber auch Betrüger darunter, die zwar das Geld einstreichen, aber die Karte nicht herausrücken oder einfach eine Fälschung verkaufen.

Das Start-up BC-Ticket will dieses Problem mit Hilfe der Blockchain-Technologie lösen. Der gesamte Prozess wird damit digitalisiert und sicherer gemacht: Weil die Authentizität des Tickets und des Käufers in der Blockchain nicht manipulierbar ist, wird das Betrugsrisiko aufgelöst. Die beiden Gründer haben sich an der Universität kennengerlernt und wollten eigentlich einen Blockchain-Führer für andere Studenten schreiben. Am Ende entstand daraus die Idee zu BC-Ticket. Dabei kann die Technologie nicht nur für Fußballtickets eingesetzt werden, sondern etwa auch für Bahn- oder Flugreisen.

BC-TICKET

CHEMSQUARE

Chemsquare will den Einkauf und den Vertrieb in der Life-Science-Branche, also in der Lebensmittel-, Pharma, Tierfutter und Kosmetikindustrie, verbessern. Die beiden Gründer sehen dort erhebliche Chancen durch die Digitalisierung, weil diese Branchen stark reguliert sind und deswegen hohen Dokumentationsaufwand haben. Noch laufen dort aber viele Vorgänge klassisch über Telefon oder E-Mail ab. Mit ihrer Plattform will das Start-up Verkaufs- und Bestellprozesse optimieren und transparenter machen. Das Start-up ist bereits für das Dokumentenmanagement für Unternehmen zuständig.

Dabei hat Chemsquare ein großes Ziel: Es will das Facebook der Life-Science-Industrie werden, also zur wichtigsten Plattform für Einkäufer und Lieferanten.

CHEMSQUARE

Kategorie Future Materials


BIPOLYMER SYSTEME

Das Düsseldorfer Start-Up Bipolymer Systems hält für seinen vielversprechenden Kunststoff bereits ein Patent. Das gleichnamige Material wandelt Wärme in Strom um und könnte die Energieerzeugung der Zukunft verändern.
Im Privatbereich werden durch Bipolymere beispielsweise schon Solarthermieanlagen so umgerüstet, dass sie sowohl Strom als auch warmes Wasser liefern. In der Industrie nutzt das Material ungenutzte Abwärme und ermöglicht damit eine wesentlich günstigere Stromerzeugung. Der Erfinder hat sich bereits während seines Studiums der Wirtschaftschemie auf physikalische Chemie spezialisiert. Er ist stolz darauf, vielleicht die günstigste Möglichkeit der Stromtransformation entdeckt zu haben, die zudem noch unterbrechungsfrei funktioniert. Die Materialien sind vergleichsweise günstig und die Herstellung benötigt weniger Strom.

SULFOTOOLS

Die Idee von Sulfotools soll die klassische Peptid-Herstellung revolutionieren. Peptide entstehen durch die Verknüpfung von Aminosäuren. Sie werden unter anderem in der Pharmazie für Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel, Zusatzstoffe wie etwa Glutamat, aber auch in der Kosmetikbranche eingesetzt. Für ihre Herstellung werden jedoch tonnenweise giftiger und teurer Lösungsmittel benötigt.
Die Gründer von Sulfotools sind durch einen Zufallsexperiment auf eine neue Möglichkeit der Herstellung gestoßen. Mit der von ihnen entwickelten Clean Peptide Technology können Lösungsmittel komplett durch Wasser ersetzt werden, so dass Umweltschäden abgewendet werden. Zudem ermöglicht die Methode der zwei Gründer Kosteneinsparungen von bis zu 50 Prozent. Bisher müssen die Lösungsmittel für die Peptid-Herstellung als Sondermüll entsorgt werden.

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