Junge Union Kramp-Karrenbauer kämpft auf dem Deutschlandtag um Unterstützung

Beim Treffen der Jungen Union ruft CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer die Partei zu Geschlossenheit auf. Die Sympathien gelten anderen.
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Die Parteichefin muss um ihren Rückhalt kämpfen. Quelle: dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer spricht beim Deutschlandtag der Jungen Union

Die Parteichefin muss um ihren Rückhalt kämpfen.

(Foto: dpa)

Berlin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte der Jungen Union (JU) einen Appell mitgebracht: „Lasst uns streiten. Aber lasst uns nie vergessen: Der politische Gegner sitzt immer außerhalb unserer Reihen, nie innerhalb“, sagte die CDU-Chefin beim Deutschlandtag des Parteinachwuchses. In den vergangenen Wochen mag für Kramp-Karrenbauer zunehmend der Eindruck entstanden sein, dass ihre Gegner auch in der eigenen Partei lauern.

Schlechte Umfragewerte, politische Fehltritte: Nicht einmal ein Jahr nach der Übernahme des Parteivorsitzes von Kanzlerin Angela Merkel bröckelt das Vertrauen der Christdemokraten in ihre Anführerin.

Drei Tage debattierte nun die JU in Saarbrücken, für Kramp-Karrenbauer eigentlich ein Heimspiel. Die 57- Jährige kommt aus dem Saarland, war hier Innenministerin, Bildungsministerin, Sozialministerin und schließlich Regierungschefin. Ihren Auftritt am Sonntag nahm der Parteinachwuchs mit freundlichem Applaus auf.

Ihr konservativer Rivale Friedrich Merz, den sie auf dem Parteitag im Dezember 2018 nur knapp besiegt hatte, wurde am Freitagabend dagegen bejubelt. „Friedrich, Friedrich“, riefen die Jungunionisten und sangen: „Oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht gesehen.“

JU-Chef Tilman Kuban nannte Merz einen klugen Kopf, den die Partei brauche. „Wir danken Ihnen, dass Sie zurück sind auf der CDU-Bühne“, sagte Kuban zum einstigen Fraktionschef, der zwar aktuell kein Parteiamt bekleidet, aber dennoch nicht wegzudenken ist aus den gegenwärtigen Debatten in der Union.

Merz erklärte, dass er „uneingeschränkt“ zu seiner Zusage stehe, Kramp-Karrenbauer bei der „schwierigen Aufgabe“ des Parteivorsitzes zu unterstützen. „Wie freiheitlich und wie menschlich wir die Zukunft unseres Landes und der EU gestalten, diese Verantwortung liegt auf Deutschland und in Deutschland auf CDU und CSU“, sagte er. „Und wenn Sie wollen, dass ich dabei bin, dann bin ich dabei.“

Diese Worte lassen durchaus Interpretationsspielraum. Merz könnte sich wie zuletzt als Wahlkämpfer an der politischen Auseinandersetzung beteiligen. Oder er könnte einen neuen Griff nach der Macht versuchen, sollten CDU und CSU den nächsten Kanzlerkandidaten etwa per Urwahl bestimmen.

Diese Forderung hatte die Junge Union gleich zu Tagungsbeginn am Freitag erhoben. Kramp-Karrenbauer lehnt eine Urwahl ab, auch andere Spitzenpolitiker der Unionsparteien sehen den Vorschlag skeptisch. Doch die Debatte über die Kandidatenkür dürfte die Vorsitzende nach dem JU-Votum zumindest bis zum CDU-Bundesparteitag Ende November in Leipzig weiter verfolgen.

Die Unzufriedenheit in den Reihen des Parteinachwuchses bekam Kramp-Karrenbauer in der Fragerunde nach ihrer Rede auf dem Deutschlandtag zu spüren. Zur Sprache kamen die „kommunikativen Fehler“ im Umgang mit dem Video des Youtubers Rezo, der vor der Europawahl die „Zerstörung der CDU“ ausgerufen hatte. Und die Entscheidung der Parteichefin, entgegen der ursprünglichen Ankündigung doch ins Kabinett zu gehen und Verteidigungsministerin zu werden. Das sei kein großes Beispiel für Glaubwürdigkeit, kritisierte ein Delegierter.

Keine offene Machtprobe

Das Treffen der Jungen Union in Saarbrücken war eine Art Schaulaufen der potenziellen AKK-Rivalen im Kampf um die Kanzlerkandidatur. Neben Merz sprachen auch Gesundheitsminister Jens Spahn, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sowie Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder zum Parteinachwuchs. Kramp-Karrenbauer spottete später bei ihrem Auftritt, sie habe sich ein wenig an die TV-Castingshow „Germany’s next Topmodel“ erinnert gefühlt.

Gemeinsames Element der Reden war die Geschlossenheitsrhetorik, offen wird die Machtfrage in der Union derzeit nicht gestellt. Laschet warnte mit Blick auf die nächste Bundestagswahl vor einer rot-rot-grünen Koalition und sagte: „Wir müssen erreichen, dass ohne die CDU nicht regiert werden kann.“ Auch Söder mahnte zu Zusammenhalt und rief den Streit zwischen CDU und CSU über die Flüchtlingspolitik in Erinnerung. Dieser habe der Union „fundamental geschadet“. Zwar müssten die Schwesterparteien „Dinge auch ausdiskutieren“ und dürften „keine Scheinlösungen“ anbieten. Dies müsse aber so gelingen, „dass wir am Ende gemeinschaftlich zum Erfolg kommen“.

Spahn zeigte sich „überzeugt davon, dass es uns nicht weiterbringt, wenn wir uns öffentlich gegenseitig Ratschläge geben, die auch manchmal Nackenschläge sein können“. Der Gesundheitsminister sagte, der politische Gegner stehe woanders, „nicht in der eigenen Partei“ – darin ist er sich mit der Parteivorsitzenden einig.

Mehr: Immer weniger Unionsanhänger trauen Annegret Kramp-Karrenbauer den Kanzlerjob zu. Gleichzeitig bringt die Junge Union eine Urwahl ins Spiel.

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