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Arbeitsrecht Acht Irrtümer aus dem Urlaubsrecht, die Sie für 2021 kennen sollten

Die Ferienplanung für 2021 steht an. Dabei kommt es zwischen Beschäftigten und Betrieb oft zu Streit. Um den zu verhindern, blicken wir ins Urlaubsrecht.
12.12.2020 Update: 16.12.2020 - 10:51 Uhr Kommentieren
Wir erklären Ihnen Rechtsirrtümer, die Ihre entspannte Urlaubsplanung stören könnten. Quelle: Airstream/Unsplash
Strandurlaub

Wir erklären Ihnen Rechtsirrtümer, die Ihre entspannte Urlaubsplanung stören könnten.

(Foto: Airstream/Unsplash)

Düsseldorf Das Fernweh im Lockdown ist groß: Viele Manager und Mitarbeiter dürften wegen der kurzen Tage und der eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten gerade in den Reisekatalogen für 2021 blättern. Während die meisten ihre Pläne für den Skiurlaub schon verworfen haben, hoffen sie nun auf Reisen im Sommer und Herbst des nächsten Jahres. Da es fast allen so gehen dürfte, könnte es zu Streit mit den Kollegen und dem Vorgesetzten kommen.

Schließlich sind Streitigkeiten bei der Ferienplanung nicht nur eine Corona-bedingte Ausnahme: Kann ich den Großteil meines Urlaubs im Sommer nehmen? Wie lange darf ich überhaupt am Stück wegfahren? Und: Muss ich auf der Liege am Strand erreichbar sein? Was rechtens – und was Unrecht ist: Das Handelsblatt hat ins Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) geblickt und klärt acht große Irrtümer auf, um Ihnen die Urlaubsplanung zu erleichtern.

Vorab: Jedem Beschäftigten steht Urlaub zu – egal ob in Festanstellung, als Minijobber oder Praktikant. Laut BUrlG sind das 24 Tage pro Jahr. Das Gesetz geht allerdings von einer Sechstagewoche aus. Wer fünf Tage pro Woche arbeitet, hat also Anspruch auf 20 Tage im Jahr. Doch in den meisten deutschen Unternehmen erfreuen sich die Arbeitnehmer an mehr Freizeit – Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung sei Dank.

Irrtum 1: Resturlaub verfällt am 31. März des Folgejahres

Falsch. Laut Gesetz verfällt der Urlaubsanspruch schon am 31. Dezember desselben Jahres – es sei denn, im Arbeits- oder Tarifvertrag steht etwas anderes. Den Urlaub ins neue Jahr mitnehmen kann man nur, wenn es gute Gründe dafür gibt: eine lange Krankheit etwa oder eine Urlaubssperre wegen eines wichtigen Projektes. Die Pandemie ist in arbeitsrechtlicher Hinsicht übrigens kein Vorwand, den Urlaub fürs kommende Jahr aufzusparen – er verfällt.

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    Seit einem Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts im vergangenen Jahr müssen Betriebe ihre Mitarbeiter allerdings auffordern, ihren Resturlaub zu nehmen und darauf hinweisen, dass der Urlaub verfällt. Versäumt das der Arbeitgeber, verfällt der Urlaubsanspruch der Angestellten nicht – weder am 31. Dezember noch am 31. März.

    Immerhin: Ein wenig Wahrheit steckt in diesem Irrtum. Wenn der Angestellte den Urlaub mit ins neue Jahr nehmen darf, muss er diesen tatsächlich bis zum 31. März genommen haben.

    Irrtum 2: Der Arbeitgeber darf mir während der Pandemie verbieten, in Risikogebiete zu reisen

    Nein, darf er nicht. Ob und wohin jemand während seines Urlaubs reist, ist üblicherweise Privatsache, sagt Arbeitsrechtler Sebastian Schröder, Inhaber der Kanzlei Emplaw in Viersen. „Allerdings kann der Arbeitgeber in der Coronakrise von den Mitarbeitern erfragen, wohin sie gereist sind.“

    Falls der Beschäftigte sich nach der Rückkehr von einer Reise in ein Risikogebiet in Quarantäne begeben muss und dies vorher absehbar war, kann die Firma die Gehaltsfortzahlung in der Quarantäne verweigern, erklärt Schröder. Ausnahme: Wenn der Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten kann, bekommt er auch sein Geld.

    Irrtum 3: Ich darf meinen gesamten Jahresurlaub nicht im Sommer nehmen

    Doch. Die Erfahrungen aus dem ersten Corona-Jahr haben gezeigt, dass Urlaub im Sommer wohl möglich sein wird. Warum also nicht vier Wochen während der heißen Tage frei machen? Laut Gesetz darf der Arbeitnehmer grundsätzlich selbst entscheiden, wann er seinen Urlaub nehmen möchte. „Urlaub darf nur dann nicht gewährt werden, wenn wichtige betriebliche Gründe dagegensprechen“, sagt Arbeitsrechtler Schröder.

    Ein Beispiel für einen wichtigen betrieblichen Grund: Wenn viele Kollegen ihren Urlaub wegen der aktuellen Lage für den Sommer planen, hat das Unternehmen das Recht, Urlaubsanträge abzulehnen, weil die Firma ohne Mitarbeiter eben nicht funktionieren kann.

    Wichtig: Der Chef muss es gut begründen, wenn er Ihren Urlaubsantrag ablehnt. Wenn Sie in einem wichtigen Projekt etwa der einzige Verantwortliche sind, ist es rechtens, dass Ihnen in der finalen Phase der Urlaub verwehrt wird.

    Grundsätzlich, das steht im Gesetz, ist der Urlaub „zusammenhängend zu gewähren“ (Paragraf 7 BUrlG). Ihr Chef darf Sie nicht auf mehrere verlängerte Wochenenden vertrösten. Mindestens einmal pro Jahr muss er Ihnen zwei Wochen am Stück gewähren, auch das schreibt das Gesetz vor.

    Irrtum 4: Durch Kurzarbeit verkürzt sich auch der Urlaub

    Nicht ganz richtig. In den meisten Fällen bedeutet Kurzarbeit nicht, dass sich auch der Urlaubsanspruch mindert. Ein Sonderfall besteht lediglich dann, wenn Mitarbeiter zu 100 Prozent in Kurzarbeit sind. Rechtsexperten wie Schröder gehen davon aus, dass Beschäftigte in solchen Fällen entsprechend der Dauer der Kurzarbeit keinen Anspruch auf Urlaub haben – sie haben ja ohnehin die ganze Zeit frei.

    Irrtum 5: Die Firma darf meinen Urlaub abbrechen

    Falsch. Der Arbeitgeber darf seine Mitarbeiter nur im größten Notfall zurückbeordern. Für das Bundesarbeitsgericht sind es sogar „zwingende Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“. Ein kranker Kollege ist da kein ausreichender Grund. „Da muss schon die Existenz der Firma auf dem Spiel stehen“, sagt Schröder. Und die Stornokosten muss dann auch der Arbeitgeber zahlen.

    Das gilt ebenso für den Fall, wenn der Vorgesetzte den bereits genehmigten Urlaub wieder canceln will – denn: genehmigt ist genehmigt.

    Das gilt umgekehrt übrigens auch für den Arbeitnehmer. Ist der Urlaub einmal eingereicht, können Sie ihn nicht kurzfristig zurückziehen, etwa weil der Flug wegen eines unerwarteten Lockdowns gestrichen wurde. Dann müssen Sie die Tage frei machen, außer Sie einigen sich mit Ihrem Chef einvernehmlich auf eine andere Lösung.

    Irrtum 6: Als Führungskraft muss ich im Urlaub erreichbar sein

    Stimmt nicht. „Der Grundgedanke von Urlaub ist, dass sich Menschen erholen und ihre Arbeitsfähigkeit wiederherstellen“, sagt Jurist Schröder. Und das gilt eben auch für Führungskräfte. Sie können Handy und Dienstlaptop zu Hause lassen – zumindest ohne rechtliche Bedenken.

    In der Praxis wird allerdings häufig erwartet, dass Führungskräfte für ihre Mitarbeiter erreichbar sind. Das gibt auch Schröder zu: „Für das berufliche Fortkommen eines Managers ist es nicht gerade förderlich, wenn er wochenlang nicht ans Telefon geht.“

    Irrtum 7: Wenn ich zu einem anderen Arbeitgeber wechsle, bekomme ich neuen Jahresurlaub

    Nein. Paragraf 6 des BUrlG schließt doppelte Urlaubsansprüche aus. Der Arbeitnehmer bekommt vor seinem Jobwechsel eine Urlaubsbescheinigung, die auflistet, wie viele freie Tage er schon genommen hat. Der neue Arbeitgeber muss für den Rest des Jahres dann nur noch den Mindesturlaubsanspruch gewähren.

    Was ist, wenn man bei seinem alten Arbeitgeber schon mehr Urlaub genommen hat, als einem anteilig eigentlich zustand? Dann hat der Chef Pech gehabt. „Bereits genommener Urlaub kann vom Arbeitgeber nicht zurückgefordert werden“, sagt Schröder.

    Und wer seinen Urlaub vor einer Kündigung noch nicht ganz genommen hat? Kann ihn sich laut Bundesurlaubsgesetz abgelten lassen, wenn er den Urlaub bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses nicht mehr nehmen kann.

    Irrtum 8: Mitarbeiter in der Probezeit haben kein Recht auf Urlaub

    Irrtum. Zwar gilt für Angestellte erst nach sechs Monaten der „volle Urlaubsanspruch“ (Paragraf 4 BUrlG), aber bis dato haben Sie ein Recht auf anteiligen Urlaub – und zwar pro Monat auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs. Das gilt selbst in den ersten Wochen, auch wenn das beim neuen Arbeitgeber möglicherweise nicht so gut ankommt.

    Mehr: Arbeitsrecht und Steuerfragen – Das gilt im Homeoffice

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