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Arbeitsrecht Muss man trotz Schnee pünktlich auf der Arbeit sein? Das müssen Angestellte wissen

Der Wintereinbruch sorgt für Chaos bei der Bahn und im Straßenverkehr. Was Arbeitnehmern droht, wenn sie zu spät kommen. Sieben Fakten zum Thema.
08.02.2021 - 14:25 Uhr Kommentieren
Trotz voller Straßen müssen Mitarbeiter pünktlich zur Arbeit kommen. Quelle: dpa
Wintereinbruch in Deutschland

Trotz voller Straßen müssen Mitarbeiter pünktlich zur Arbeit kommen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Straßen sind dicht, auf den Schienen geht nichts mehr – große Teile Deutschlands versinken im Winterchaos. Die Schneefälle sollen zwar etwas nachlassen, doch der Wetterdienst warnt in den nächsten Tagen vor Glätte. Mit Entspannung im Verkehr ist vorerst also nicht zu rechnen. Viele Beschäftigte mögen zwar am heimischen Schreibtisch sitzen, doch nicht alle können oder wollen im Homeoffice arbeiten.

Was gilt für diese Beschäftigten? Müssen sie trotz Schnee und glatter Straßen zur Arbeit kommen? Was droht bei Verspätungen? Und was gilt, wenn ein Unfall passiert? Das Handelsblatt gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

1. Darf ich wegen schneebedingter Ausfälle im Bahnverkehr oder verstopfter Straßen zu spät zur Arbeit kommen?

Nein. Arbeitnehmer müssen pünktlich zur Arbeit kommen – auch bei einem Wintereinbruch. Im Arbeitsrecht gilt: Mitarbeiter sind selbst dafür verantwortlich, rechtzeitig am Arbeitsplatz zu sein. Juristen sprechen vom „Wegerisiko“.

„Der Arbeitnehmer muss alles Zumutbare unternehmen, um pünktlich anzukommen – zum Beispiel früher aufstehen“, sagt Arbeitsrechtler Sebastian Schröder, Inhaber der Kanzlei Emplaw in Viersen. Bei Angestellten, die Gleitzeit haben, ist die Verspätung weniger problematisch – sie können die versäumte Zeit einfach nachholen.

Das Wegerisiko gilt nicht nur bei Eis und Schnee. Auch bei Bahnstreiks ist es die Pflicht des Arbeitnehmers, pünktlich zu sein.

2. Welche Konsequenzen drohen mir, wenn ich zu spät komme?

„Es gilt der Grundsatz ‚Ohne Arbeit kein Lohn‘“, sagt Jurist Schröder. Wer zu spät zur Arbeit kommt, riskiert für die ausgefallene Zeit eine anteilige Kürzung des Gehalts – egal, welche Anstrengungen er unternommen hat, um pünktlich zu erscheinen. Hat der Beschäftigte Überstunden auf seinem Zeitkonto, wird die Verspätung als Minuszeit verbucht.

3. Kann ich die versäumte Zeit nicht einfach nacharbeiten?

Nein. Der Arbeitnehmer hat keinen gesetzlichen Anspruch darauf, die verpasste Arbeitszeit einfach nachzuholen. In Tarif- oder Betriebsvereinbarungen kann das anders geregelt sein.

Andererseits kann „der Arbeitgeber niemanden zwingen, die morgens ausgefallenen Stunden abends dranzuhängen, insbesondere dann nicht, wenn etwa eine Teilzeitkraft mittags gehen muss, weil ein Kind von der Schule abzuholen ist“, schreibt die Gewerkschaft Verdi.

In der Praxis lassen sich oft aber einvernehmliche Lösungen finden, die Angestellten und Betrieb helfen: Die Mitarbeiter können die verloren gegangene Zeit an einem anderen Tag nacharbeiten, Urlaub nehmen oder ihre Überstunden abbauen.

4. Macht es einen Unterschied, ob ich wegen eines vorhergesagten Unwetters oder eines plötzlichen Wintereinbruchs zu spät komme?

Bei der Bezahlung nicht. Auch bei unvorhersehbaren Ereignissen gilt der Grundsatz „Ohne Arbeit kein Lohn“.

Bei den arbeitsrechtlichen Konsequenzen gibt es Unterschiede: Wurden Schnee und Eis in der Wettervorhersage angekündigt – so wie im aktuellen Fall –, droht Mitarbeitern im Extremfall sogar die Abmahnung, wenn sie zu spät kommen.

In der Praxis dürfte bei einer einmaligen winterbedingten Verspätung allerdings kaum ein Chef zu harten Rechtsmitteln greifen – es sei denn, es ist für ihn eine willkommene Gelegenheit, langjährige Querulanten loszuwerden.

Wer wegen nicht zu erwartender und heftiger Schneefälle über Nacht zu Hause eingeschneit wird und seinen Chef rechtzeitig informiert, wird nicht abgemahnt, weil es unverhältnismäßig wäre – schließlich hat der Angestellte die Verspätung nicht selbst zu verschulden.

Das gilt auch, wenn der Wetterdienst davor warnt, das Haus zu verlassen. In diesem Fall kann der Mitarbeiter nach Rücksprache mit seinem Chef zu Hause bleiben, ohne eine Kündigung zu fürchten. Lohn wird in einem solchen Fall aber auch nicht gezahlt.

5. Kann ich nicht einfach im Homeoffice arbeiten?

Nicht ohne Rücksprache. Arbeitnehmer haben kein Recht, einfach zu Hause zu bleiben, denn hierzulande gibt es kein gesetzlich verankertes Recht auf Heimarbeit. Derzeit sind Firmen allerdings angehalten, ihren Beschäftigten Heimarbeit zu ermöglichen, wo immer es möglich ist. Arbeitsrechtler Schröder empfiehlt Angestellten, trotz der neuen Verordnung von sich aus ein klärendes Gespräch mit ihrem Chef zu suchen.

6. Und was gilt, wenn mir auf dem Weg ein Unfall passiert?

Auf glatter Straße ist das Auto schnell im Straßengraben gelandet. Wenn der Angestellte wegen eines Unfalls zu spät kommt, gilt der Grundsatz „Ohne Arbeit kein Lohn“ nicht – der Chef muss den betroffenen Angestellten weiter entlohnen. Geregelt ist diese Ausnahme im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).

Die Unfallkosten übernimmt übrigens – sofern der Mitarbeiter auf dem direkten Weg zur Arbeit war – die gesetzliche Unfallversicherung.

7. Welche Vorkehrungen müssen Betriebe treffen?

„Der Chef muss seinen Angestellten einen zumutbaren Arbeitsplatz zur Verfügung stellen“, sagt Arbeitsrechtler Schröder. Wenn es zu kalt ist und das Unternehmen gar schließen muss, haben die Angestellten frei – werden aber weiter entlohnt. Juristen bezeichnen das als „Betriebsrisiko“.

Dies gilt auch, wenn viele Mitarbeiter bei Schnee und Eis zu spät oder gar nicht zur Arbeit erscheinen. Sollte die Produktion sich dadurch verzögern oder gar lahmgelegt werden, kann der Chef dafür nicht seine Angestellten belangen, so Schröder.

Mehr: Homeoffice-Pflicht light: Was Arbeitgeber und Beschäftigte jetzt wissen müssen

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