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Arbeitszeiten Warum flexible Arbeitszeiten eine Falle sind

Der Acht-Stunden-Tag ist tot. Viele Arbeitnehmer arbeiten mehr, einige deutlich weniger. Forscher haben jetzt herausgefunden: Je flexibler das Arbeitszeitangebot, desto mehr und länger arbeiten die Angestellten.
18.05.2017 - 08:53 Uhr 1 Kommentar
Der Achtstundentag ist in Deutschland schon seit 100 Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Stechuhren sind aus der Mode gekommen. Flexible Arbeitszeiten auf Vertrauensbasis haben nicht nur Vorteile. Quelle: dpa
Stechuhr zur Arbeitszeiterfassung

Der Achtstundentag ist in Deutschland schon seit 100 Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Stechuhren sind aus der Mode gekommen. Flexible Arbeitszeiten auf Vertrauensbasis haben nicht nur Vorteile.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der britische Ökonom John Maynard Keynes war sich ganz sicher, dass bei einer flächendeckenden Einführung der Fünf-Tage-Woche Menschen im Jahr 2028 nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Noch sind ein paar Jahre Zeit, aber bislang sieht es nicht so aus, als ob Keynes Recht behalten sollte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt die gewöhnliche Wochenarbeitszeit in Deutschland über 35 Stunden.

Viele arbeiten mehr. Sehr drastische Fälle von Überarbeitung bis hin zu Arbeiten bis zum Tode sind hinreichend bekannt: Vor vier Jahren hat ein deutscher Praktikant in der Londoner Niederlassung der Bank of America Merrill Lynch so viel gearbeitet, dass er an totaler Erschöpfung gestorben sein soll. Bis zu 15 Stunden am Tag hat er im Büro verbracht. Bekannte und Kollegen beschrieben ihn als „sehr konzentriert“ und es gab niemanden, „der härter arbeitete als er.“ Auch andere Praktikanten berichten von bis zu 100-Stunden-Wochen. Die Verlockung: ein Gehalt von umgerechnet 3200 Euro, vor allem aber die Aussicht auf einen Vertrag.

„Wir haben seit der Krise 2008/2009 wieder einen ungebremsten Aufschwung in Sachen Arbeitszeiten. Sie wurden in Länge, Lage und Intensität noch einmal deutlich ausgeweitet“, sagt Jörg Hoffmann, erster Vorsitzender der IG Metall. In den letzten Monaten ist daher eine neue Debatte über Arbeitszeit und Überstunden entstanden. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte Ende November 2016 Pläne zur einer Lockerung bei den Arbeitszeit-Vorschriften vorgelegt. Zeitgemäß sind die nämlich nicht mehr. Der Achtstundentag ist in Deutschland schon seit 100 Jahren, konkret: seit dem 15. November 1918, gesetzlich vorgeschrieben.

Um Regelungen zu finden, die zur modernen Arbeitsweise – flexibel, mobil – passen, will Nahles Arbeitgebern und Gewerkschaften künftig mehr Flexibilität gestatten. In einer zweijährigen Probephase sollen Betriebe ausprobieren können, was für sie am besten passt.

Nach acht Stunden leidet die Konzentration

Die Wissenschaft zumindest sagt: Die optimale Arbeitszeit gibt es nicht. Was man jedoch weiß, ist: Nach acht Stunden nimmt die Fehlerquote zu, weil die Konzentration nachlässt. Jörg Feldmann, Sprecher der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA), ergänzt: „Nach acht Stunden pro Tag steigt das Unfallrisiko und das Risiko für Erkrankungen nimmt langfristig zu. “ Fragt man die Deutschen, sind acht Stunden Arbeit pro Tag für die Mehrheit das absolute Maximum. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) hält einen Arbeitstag von mehr als sechs, aber maximal acht Stunden für ideal, wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov ermittelt hat.

Mehr als acht, aber maximal zehn Stunden halten 18 Prozent für den idealen Arbeitstag, 17 Prozent finden einen Arbeitstag von vier bis sechs Stunden perfekt. Eine deutliche Verringerung der Wochenarbeitszeit ist bei den Deutschen offenbar nicht mehrheitsfähig: 52 Prozent finden fünf Tage pro Woche vollkommen in Ordnung, nur 38 Prozent der Befragten wäre die vier Tage-Woche lieber. Unternehmen wie Google und Amazon bieten sie ihren Mitarbeitern bereits an.

So arbeiten Sie effektiver – und entspannter
Die überarbeitete Gesellschaft
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Die Deutschen haben das Gefühl, sie müssen immer mehr in immer kürzerer Zeit leisten. Das ergab der Digital Work Report von Wrike, einem Anbieter von Projektmanagement-Software. Demnach ist die subjektiv empfundene Arbeitsbelastung 2016 im Vergleich zum Vorjahr sogar deutlich gestiegen. Von den befragten 1000 Büroangestellte fühlten sich entsprechend 66 Prozent gestresst. 61 Prozent haben im Jahr mehr Überstunden und weniger Pausen (40 Prozent) gemacht. Trotzdem sagten nur 18 Prozent, dass sie ihr volles Produktivitätspotential ausnutzen. Heißt: Der Rest arbeitet sich tot, leistet aber nichts. Das lässt sich ändern.

(Foto: Fotolia)
Vermeiden Sie Multitasking
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„Zu viele Dinge auf einmal erledigen“ wurde von den Befragten des Digital Work Reports mehrheitlich als größter Produktivitätskiller identifiziert. Eine Studie der University of London hat gezeigt, dass Multitasking im Büro ähnliche Auswirkungen auf die Konzentration hat, wie Marihuana zu rauchen oder eine Nacht nicht zu schlafen. Besonders bei Männern senkt Multitasking den IQ um bis zu 15 Punkte. Insgesamt kostet es uns bis zu 40 Prozent unserer produktiven Zeit, wenn wir von Aufgabe zu Aufgabe springen, anstatt sie nacheinander anzugehen. Das Problem: Unser Gehirn langweilt sich schnell. Deshalb fühlt es sich gut an, mehrere Dinge „gleichzeitig“ zu erledigen.

Machen Sie sich bewusst, in welchen Situationen Sie sich besonders leicht ablenken lassen und schalten Sie Störfaktoren wie Smartphone, E-Mail Posteingang, Social Media Kanäle etc. ab. Mit etwas Übung machen Sie so die 40 Prozent Verlust auf Dauer wett. Wenn Sie anspruchsvolle Arbeit konsequent fokussiert angehen, können Sie Ihrem Gehirn bei Routineaufgaben auch mal die Freuden des Multitaskings gönnen und ab und an eine E-Mail schreiben.

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Hören Sie auf, E-Mails zu schreiben
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Apropos E-Mails: Die zweitgrößte Beeinträchtigung für produktives Arbeiten sind zu viele E-Mails. E-Mails machen einzelne Konversationen zu bestimmten Aufgaben zwar nachvollziehbar, die damit verknüpften Dokumente und Informationen sind aber meist nicht greifbar und müssen zeitaufwändig gesucht und geordnet werden. Im Schnitt verbringen Mitarbeiter zwei Stunden ihres Arbeitstages mit E-Mails, diese Zeit kann deutlich verkürzt werden, wenn die E-Mail-Kommunikation auf externe Partner und Kunden beschränkt wird. Für Interna gibt es spezielle Collaboration-Tools.

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Legen Sie Ihre Ziele schriftlich fest
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Auch das genaue Definieren von Zielen führt zu besseren Leistungen. Wer seine Ziele schriftlich festlegt, erreicht diese mit größerer Wahrscheinlichkeit. Dabei ist es wichtig, Ziele in Kategorien oder Dringlichkeitsstufen einzuteilen: Ich will eine bestimmte Kompetenz lernen ist nicht so dringend wie Ich entwerfe sieben Werbeplakate.
Schreiben Sie außerdem die Ziele wenn möglich so auf, dass Sie sie anspornen - oder zumindest nicht demotivieren. Sie müssen nicht zum Social-Media-Marketing-Webinar, sondern Sie wollen, weil Ihre neuen Kenntnisse gut für eine Beförderung sind.

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Nehmen Sie sich Zeit, um Energie zu tanken
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Schaffen Sie sich auch im Büro regelmäßige Ruheinseln und Rituale. Sie werden erstaunt sein, wie gestärkt sie aus kleinen Pausen hervorgehen. Selbst die Lust auf einen Snack kann perfekt zum Ritual ausgebaut werden. Genießen Sie ihn ganz bewusst in einer gemütlichen Ecke des Büros. Gesunde Snacks wie Beeren, Nüsse, dunkle Schokolade und Haferflocken haben sogar ernährungsphysiologisch das Zeug zum Stresskiller. Auch das Abschalten des Monitors für nur zehn Minuten bewirkt viel. Dehnen Sie zum Beispiel in dieser Zeit den Nacken oder die Arme.

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Sagen Sie auch mal „Nein“
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Viele Menschen können nur schwer Nein sagen, da sie Angst haben, ihr Umfeld zu enttäuschen. Das Resultat: Überstunden ohne Ende, weil die Kollegen ihre Arbeit auf Ihrem Schreibtisch abladen. Nein sagen bewahrt Sie vor unüberwindbaren Arbeitsbergen und verschafft meistens mehr Respekt als ein Ja. Beachten Sie nur Folgendes: Formulieren Sie immer ein klares Nein und kein „Ich schau mal“.

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Reduzieren Sie Meetings
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Falls Sie Teamleiter oder eine sonstige Führungskraft sind, überdenken Sie bitte einmal das Konzept des Meetings. Die Teilnehmer des Digital Work Report wählten nämlich „ineffiziente Meetings“ auf Platz drei der größten Produktivitätskiller im Büroalltag. Überlegen Sie daher genau, ob ein Meeting immer die beste Variante ist, um ein Projekt weiter zu bringen. Reine Status-Meetings, in welchen lediglich der aktuelle Projektstand besprochen und Aufgaben verteilt werden, können in digitaler Form stattfinden. Wenn doch ein Meeting notwendig ist, setzen Sie auf Effizienz: Bereiten Sie das Meeting gut vor, indem Sie klar definieren, welche Ergebnisse Sie daraus ziehen wollen und wer was zu diesem Ergebnis beitragen soll.

Wenn Sie zu einem Meeting eingeladen werden, aber das Gefühl haben, nichts beitragen zu können, sagen Sie das ganz offen. Bieten Sie ferner an, Ihren Beitrag, sofern er klein ist, schriftlich einzureichen. Dasselbe sollten Sie auch von Ihren Teammitgliedern verlangen.

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Drei Tage arbeiten. Vier Tage frei. So sieht die optimale Arbeitswoche aus, wenn es nach australischen Forschern geht. Sie wollen in einer Studie herausgefunden haben, dass zumindest Über-40-Jährige am leistungsfähigsten sind, wenn sie pro Woche nur 25 Stunden arbeiten. Die Wissenschaftler beobachteten die Arbeitsgewohnheiten von 6500 Australiern jenseits der 40 und führten mit ihnen Intelligenz-Tests durch.

Das Ergebnis: Solange die Testpersonen weniger als 25 Stunden die Woche arbeiteten, nahmen die kognitiven Fähigkeiten zu. Mit jeder Stunde, die über die Drei-Tage-Woche hinausging, waren die Probanden weniger aufmerksam und kreativ. Beim deutschen IAB betrachtet man diese Studie jedoch mit Argwohn, da weder die Art der Tätigkeit berücksichtigt wurde, noch die Identifizierung der Probanden mit ihrem Beruf oder Arbeitgeber. Das ist bei einer solchen Untersuchung aber tatsächlich ausschlaggebend: Wer körperlich schwer arbeitet und sich am Arbeitsplatz unwohl fühlt, ist selbstverständlich schneller erschöpft, als jemand, der mit Feuereifer im Büro arbeitet.

Der Sechs-Stunden-Tag kostet zu viel
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1 Kommentar zu "Arbeitszeiten: Warum flexible Arbeitszeiten eine Falle sind"

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  • Arbeit an sich ist eine Falle...eine Falle für das richtige Leben....man ist fremdbestimmt...kann nicht mehr selbst entscheiden was man den Tag so tun will..und da gibt es eine Menge anderer schöne Dinge.....

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