Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Ausblick Diese Kompetenzen sind in der Post-Corona-Ära auf dem Arbeitsmarkt gefragt

Nie zuvor hat sich die Arbeitswelt so rasant geändert wie 2020. Diese Fähigkeiten müssen Chefs und Mitarbeiter für die Zeit nach der Krise mitbringen.
01.01.2021 - 12:51 Uhr Kommentieren
Was genau kommt in der Post-Corona-Ära auf die Beschäftigten zu? Das Handelsblatt hat bei Wissenschaftlern, Beratern und Zukunftsforschern nachgefragt. Quelle: Bermix Studio/Unsplash
Blick in die Zukunft

Was genau kommt in der Post-Corona-Ära auf die Beschäftigten zu? Das Handelsblatt hat bei Wissenschaftlern, Beratern und Zukunftsforschern nachgefragt.

(Foto: Bermix Studio/Unsplash)

Düsseldorf Wenn der Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky das Management großer Unternehmen für die Zukunft fit macht, hört er nicht auf, das Erfolgsbeispiel des Fußballtrainers Thomas Tuchel zu predigen: Der ehemalige Übungsleiter des französischen Fußballmeisters Paris St. Germain „war einer der Ersten, die erkannt haben, wie wichtig es ist, klassische Denkmuster im Team zu durchbrechen“, so der Geschäftsführer der Leipziger Denkfabrik 2bahead.

Tuchels Trick: Er hat seinem Team im Training die Ecken des Spielfelds abgeschnitten – und damit in kontrolliertem Umfeld eine Mini-Krise herbeigeführt. Jeder Einzelne sei so gezwungen gewesen, neue Verhaltensmuster zu suchen, erzählt Janszky. So sei Tuchel die Transformation zu innovativen Spielweisen gelungen.

Was auf dem Platz zum Erfolg verhilft, ist auch im Management nützlich. Denkmuster durchbrechen und sie richtig steuern – das hält Janszky nach der Coronakrise für „die Hauptkompetenz“, um sich auf die dynamischen Innovationsprozesse der Zukunft einzustellen. Anders als im Training von Tuchel stecken Manager und Mitarbeiter gerade allerdings nicht in einer Mini-Krise, sondern in der wohl größten Umbruchphase nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Nie zuvor hat sich die Arbeitswelt so rasant verändert wie im Corona-Jahr 2020.

Trotz aller Veränderung: Manager müssen sich bewusst machen, dass die meisten Beschäftigten nicht nach Neuem streben, sondern „in ihr gewohntes Umfeld zurück“ wollen, so Janszky. Doch „wer glaubt, dass nach Überwinden der Krise wieder Ruhe einkehrt, der wird enttäuscht werden“, sagt Franz Kühmayer, Experte für moderne Führung am Wiener Zukunftsinstitut.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ole Wintermann, Leiter des Projekts zur „Zukunft der Arbeit“ bei der Bertelsmann Stiftung, blickt optimistischer nach vorn: „Menschen erleben zum ersten Mal, dass Wandel von heute auf morgen möglich ist.“ Das setze positive Energie frei – und die gelte es in neue Denkmuster umzuwandeln.

    Doch was genau kommt in der Post-Corona-Ära auf die Beschäftigten zu? Worauf müssen sich Firmen und Manager einstellen? Das Handelsblatt hat bei Wissenschaftlern, Beratern und Zukunftsforschern nachgefragt. Sie geben Antworten darauf, welche Kompetenzen im Arbeitsmarkt nach Ende der Pandemie entscheidend sind – und wie die Zukunft der Arbeit überhaupt aussehen wird.

    Ergebnis, da sind sich alle Befragten einig: Von elementarer Bedeutung sind neue Kompetenzen in den Bereichen Digitalisierung, innovative Arbeitsweisen und ökologische Transformation.

    Digitalisierung: Die Interaktion von Mensch und Maschine verstehen

    Die schnelle Digitalisierung in vielen Arbeitsbereichen war die positive Überraschung der Coronakrise. Die Pandemie hat gezeigt: Wenn Firmen gezwungen werden, können sie durchaus digitale Lösungen finden. „Corona hat eingefahrene Prozesse und Strukturen schnell infrage gestellt“, sagt auch Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen. Noch aber reichen die Kompetenzen in den Unternehmen nicht aus, damit die Digitalisierung so richtig in Fahrt kommt.

    „Lediglich mobiles Arbeiten und die Nutzung digitaler Tools sind schnell vorangeschritten“, sagt Trendforscher Kühmayer. „Aber in Wirklichkeit hat Digitalisierung eine deutlich höhere Sprengkraft.“

    Man muss die IT verstehen, um souverän damit umzugehen. Etwas über Algorithmen wissen, ihre Stärken und Schwächen kennen. Sven Gabor Janszky, Geschäftsführer der Leipziger Denkfabrik 2bahead

    Führungskräfte wie Beschäftigte müssten künftig Antworten auf folgende Fragen haben: Was ist unsere Rolle in der Arbeit? Wo unterscheiden wir uns von Maschinen? Denn Digitalisierung bedeutet auch, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Betrieben zunehmen wird. Alle Beschäftigten sollten deshalb zumindest über digitale Basiskompetenzen verfügen. „Man muss die IT verstehen, um souverän damit umzugehen“, sagt Zukunftsforscher Janszky. „Etwas über Algorithmen wissen, ihre Stärken und Schwächen kennen.“

    IBE-Expertin Rump ergänzt: „IT-Fachkräfte allein können die Komplexität an Fragestellungen in Unternehmen nicht lösen.“ So wie diese über betriebswirtschaftliches Know-how verfügen und Kenntnisse in Managementtheorien haben müssten, sei es für Mitarbeiter aller Abteilungen notwendig, sich auch in der digitalen Welt zurechtfinden zu können – und zwar mit einer erweiterten Medienkompetenz.

    „Wer ein Unternehmenssystem verstehen will, muss die Logik der Digitalisierung erkennen und ihre Elemente anwenden können, um einen reflektierenden Blick darauf werfen zu können.“ Grenzen und Möglichkeiten, Kosten und Nutzen müssten von allen verstanden werden.

    Zukunftsforscher Kühmayer siedelt die digitalen Kompetenzen auf drei Ebenen an. Erstens: Anwender sollten mit digitalen Werkzeugen interagieren und sie verstehen können. Durch die Pandemie ist das vielerorts schon erreicht.

    Zweitens: Experten wie Informatiker, Roboter-Ingenieure, Data-Analysten oder Machine-Learning-Spezialisten sollten Maschinen schaffen können, sie entwickeln, umsetzen und einführen. Und drittens seien Entscheider gefordert, sich mit der ethisch-rechtlichen Dimension auseinanderzusetzen: Wollen wir das, und wie weit soll das gehen? Soll man Algorithmen einsetzen? Und was können diese überhaupt?

    Soft Skills: Flexibler, agiler, eigenverantwortlicher

    Massive Veränderungen werden die Arbeitsweisen in der Post-Corona-Epoche bestimmen. Wichtigster Einschnitt: „Die Arbeit wird dort gemacht, wo sich die besten Bedingungen dafür finden“, sagt Jennifer Gunkel, Professorin an der Hochschule Fresenius.

    Symbolkraft hat dafür das Homeoffice, das in der Coronakrise deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Sich flexibel an sich schnell ändernde Situationen anpassen zu können, das wird ab jetzt immer entscheidender sein. Für diese oft radikalen, unvorhersehbaren und komplexen Veränderungen braucht es vor allem persönliche, soziale und methodische Kompetenzen, damit Arbeitskräfte in einem zunehmend agileren Umfeld bestehen und kreativ wirken können.

    Die Arbeit wird dort gemacht, wo sich die besten Bedingungen dafür finden. Jennifer Gunkel, Professorin an der Hochschule Fresenius in München und Beraterin bei rheform WorkplaceInnovation

    Zukunftsforscher Kühmayer ist überzeugt, dass diese „Soft Skills die härteste Währung der Zukunft“ sind. Veränderungsbereitschaft komme die wichtigste Bedeutung zu. Es gehe darum, „sich mit der dynamischen Welt mental anzufreunden und aus dem nicht mehr haltbaren Sicherheitsgedanken rauszukommen“, so der Experte.

    Die Zukunft verlangt nach Arbeitnehmern, die mehr Eigenverantwortung übernehmen und sich zusehends selbst organisieren. Hinzu kommt die Bereitschaft, das gesamte Unternehmen im Fokus zu haben und dafür auch mit Kollegen der anderen Abteilungen zu kooperieren.

    Führungskräften kommt dabei die zentrale Rolle zu, „die Veränderungen der digitalen Arbeitskultur vorzuleben, die auf Vertrauen, Offenheit und Transparenz aufbaut – und nicht aus Ansagen von oben“, wie Bertelsmann-Forscher Wintermann betont. Es gelte, ganzheitliches Denken zu fördern und lebenslanges Lernen zu unterstützen.

    Ökologische Transformation: Neue Technologiekompetenzen sind gefragt

    In ökologischen Geschäftsmodellen und Produktionsprozessen steckt die Zukunft. Das zeigt sich am besten in der Autoindustrie, die sich mitten in der Transformation zu nachhaltigen Fahrzeugen befindet. Doch vielerorts habe man in den vergangenen Monaten den Eindruck gewinnen können, dass die Themen Klima und Nachhaltigkeit durch die Pandemie überlagert wurden, so IBE-Direktorin Rump. „Aber hinter den Kulissen hat Corona sie gepusht – wenn auch vielfach nur aufgrund eines spürbaren Kosteneffekts.“

    In Zukunft wird der ökologische Strukturwandel zunehmend wichtiger. „Es wachsen Branchen und Wirtschaftssegmente, die innovative Produkte und Dienstleistungen für eine ressourcensparende Wirtschaft anbieten“, sagt Elisabeth Botsch, die die Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“ der Hans-Böckler-Stiftung leitet.

    Zur ökologischen Transformation braucht es ein bestimmtes Kompetenzbündel – naturwissenschaftliche Grundkenntnisse gehören dazu. Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen

    Die grüne Welle rückt neue Themenfelder in den Mittelpunkt: von Batterietechnologie über Emissionsvermeidung, grünen Stahl bis zum Einsatz von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen. Selbst ausgewiesene Experten müssen dafür besondere Technologiekompetenzen vorweisen, die sie auf hohem Niveau entwickeln und erwerben müssen.

    Doch nicht nur Spezialisten, sondern alle Mitarbeiter sollten sich entsprechendes Basiswissen aneignen. „Zur ökologischen Transformation braucht es ein bestimmtes Kompetenzbündel – naturwissenschaftliche Grundkenntnisse gehören dazu“, sagt Rump. „Die ökologische Transformation hat ökonomische Konsequenzen, die wiederum gesellschaftliche Veränderungen in Gang setzen können.“ Eine nie da gewesene Komplexität ist die Herausforderung der Post-Corona-Ära.

    Ob Verständnis im Hinblick auf digitale Prozesse, innovative Arbeitsweisen oder den ökologischen Strukturwandel – den Anstoß dafür muss das Management geben: Nur so kann es den Beschäftigten gelingen, traditionelle Denkmuster zu durchbrechen und die Zukunft zu verändern.

    Mehr: Spätestens seit der Krise sehnen sich die Menschen nach einem sicheren Job – und den finden sie vor allem beim Staat.

    Startseite
    Mehr zu: Ausblick - Diese Kompetenzen sind in der Post-Corona-Ära auf dem Arbeitsmarkt gefragt
    0 Kommentare zu "Ausblick: Diese Kompetenzen sind in der Post-Corona-Ära auf dem Arbeitsmarkt gefragt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%