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Coaching-Unternehmerin Klasing Diese Gründerin verrät, wie Teams positiv durch den verlängerten Lockdown kommen

Insa Klasing ist Coaching-Unternehmerin und erkrankte selbst an Corona. Ihre Tipps, wie man auch bei schlechten Nachrichten nicht den Mut verliert.
11.01.2021 - 07:54 Uhr Kommentieren
„Das Mindset der Chefs ist in Krisenlagen absolut erfolgsentscheidend.“ Quelle: Thomas Dashuber für Handelsblatt
Insa Klasing

„Das Mindset der Chefs ist in Krisenlagen absolut erfolgsentscheidend.“

(Foto: Thomas Dashuber für Handelsblatt)

Düsseldorf Der Lockdown in Deutschland geht in die Verlängerung bis zum 31. Januar – und er wird hart. Ausgangsbeschränkungen, hohe Infektionszahlen, Kitas und Schulen dicht, selbst die Kantine. An Smalltalk im Büro ist schon länger nicht mehr zu denken. Wie soll man da im Job motiviert bleiben?

Die Unternehmerin Insa Klasing weiß, wie man auch in schwierigen Zeiten eine positive Grundeinstellung behält. Zweimal in ihrer Karriere musste die 41-Jährige unfreiwillig lernen, zu delegieren und ihren Führungsstil radikal anzupassen.

Das erste Mal im Jahr 2016. Damals war Klasing Deutschlandchefin der Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken und brach sich bei einem Reitunfall beide Arme. Sechs Wochen konnte sie nicht ins Büro, verbrachte die Zeit im Krankenhaus und der Reha. Ihre Erfahrungen hat sie in einem Buch zusammengefasst. Der provokante Titel: „Der 2-Stunden-Chef“.

Vier Jahre später, im März 2020, steckt sich Klasing bei einer Chorprobe in Berlin in der Frühphase der Pandemie mit dem gefährlichen Coronavirus an. Was folgt, kann sie noch immer nicht ohne Kloß im Hals erzählen: Lungenentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung, dann noch ein Krankenhauskeim. „Ich bin froh, dass ich das Schlimmste überstanden habe“, sagt die heutige Chefin und Gründerin ihres eigenen Coaching-Start-ups TheNextWe.

Klasings größte Lehre aus den beiden Schicksalsschlägen: „Das Mindset der Chefs ist absolut erfolgsentscheidend.“ Sei die Einstellung der Führungskraft negativ, färbe das auf das Team ab. Strahlt der oder die Vorgesetzte hingegen Optimismus aus, steckt das ebenfalls an. Das treffe auch auf die aktuelle Corona-Lage und den erneut verschärften Maßnahmenkatalog zu. „Die Umstände kann niemand verändern“, sagt Klasing, „aber den Blick darauf schon.“

Hier sind Klasings Tipps dafür, wie Teams und Führungskräfte ein positives Denken auch in der Krise beibehalten:

1. Schärfen Sie den Sinn für das, was geht und was gut funktioniert

Die eigene Einstellung bestätigt sich immer, weiß Klasing. „Will man sich mies fühlen, klappt das wunderbar.“ Doch: Dieser Mechanismus unserer Psyche lässt sich auch ins Positive drehen.

Eine Übung, die Klasing während ihrer Erkrankung geholfen hat, war, sich am Tagesende drei Dinge zu notieren, für die man heute dankbar war. „Manchmal war ich abends zu schwach, um zu schreiben“, erzählt sie. Aber dann dachte Klasing beispielsweise an unerwartete Sonnenstrahlen oder einen netten Anruf. „Wenn man konsequent jeden Abend das Positive lobt, beeinflusst das die eigene Einstellung grundlegend.“

2. Unterscheiden Sie zwischen Fakt und Bewertung

Oft vermischen wir, was real passiert ist, mit Ängsten oder anderen negativen Gedanken. Um dem entgegenzuwirken, nutzt Klasing eine Methode, die sie auch im Coaching von Führungskräften anwendet und die aus drei Fragen besteht:

  1. Was ist Fakt, was Bewertung? Ein Fakt ist zum Beispiel: „Momentan kommen keine Aufträge rein.“ Eine Bewertung ist: „Das ist das Ende der Firma.“
  2. Stimmt meine Bewertung? Hier gilt es, das alte Mindset infrage zu stellen. Klasing: „Oft gibt es Unternehmen in ähnlichen Situationen, die ganz andere Erfahrungen gemacht haben.“ Sich mit ihnen auszutauschen kann helfen, die eigene negative Einstellung zu hinterfragen.
  3. Finde ich Beweise dafür, dass die Lage nicht so aussichtslos ist, wie gedacht? „Dieser Part ist für die meisten am anstrengendsten, denn wir müssen völlig weg von der Defizitorientierung, die viele von uns verinnerlicht haben und ausdrücklich nach positiven Anhaltspunkten suchen“, sagt Klasing.

Am Anfang müsse man sich bewusst immer wieder überwinden, die drei Fragen ehrlich durchzugehen, erklärt Klasing. Irgendwann wird es zum natürlichen Verhalten. „Das ist wie bei allem, was man trainiert.“

3. Tanken Sie regelmäßig Kraft und legen Sie Corona-Detox-Phasen ein

„Selbstführung war noch nie so wichtig wie jetzt“, sagt Klasing. Deshalb sei es sehr wesentlich, am Wochenende wirklich abzuschalten und rauszukommen. Was nach einer Binse klingt, ist in der aktuellen Lage alles andere als trivial. „Mein Tipp: im nächstgelegenen Wald spazieren oder an einen anderen recht menschenleeren Ort gehen, um Kraft zu tanken. Das geht auch in Corona-Zeiten.“

Auch, dass die Nachrichten schon so lange Zeit immer schlechter werden, haben die meisten von uns in dieser Intensität noch nicht erlebt. „Sich jedoch immer wieder die Infektionszahlen und Corona-Ticker anzuschauen kostet mental extrem viel Kraft“, sagt Klasing.

Ihr Vorschlag: ein Ende der Corona-Dauerschleife. Am Wochenende nicht noch mal die Nachrichten checken und vielleicht auch mal ganz auf das Handy verzichten. „Das ist mehr als Digital-Detox“, bemerkt Klasing. „Das ist Corona-Detox.“

4. Feiern Sie Ihr Team, aber seien Sie kein Clown

Wie schon erwähnt, ist Klasing der festen Ansicht, dass der Chef die Stimmung im Team maßgeblich beeinflusst. „Das bedeutet jedoch nicht, dass Vorgesetzte einmal laut Tschakka rufen und den Ernst der Lage verkennen.“

Eine gute Grundhaltung könnte sein: „Ja, die Lage ist, wie sie ist – aber wir machen das Beste draus.“ Dafür sei es wichtig „Erfolge zu feiern, wertzuschätzen und sich um ein Miteinander auch auf Distanz“ zu bemühen. „Das ist für mich weniger eine Frage einer bestimmten Methode als vielmehr eine generelle Haltung.“ Heißt: Wenn der Chef eine positive Grundhaltung hat, dann werden ihm viele Ideen kommen, wie er sein Team positiv unterstützen kann.

In diesem Zusammenhang verweist Klasing auf die Forschung von Teresa Amabile. In ihrem Buch „The Progress Principle“ erklärt die Harvard-Business-School-Professorin, wie aus stetigem Fortschritt und dem Feiern kleinster Errungenschaften positive Teamenergie entsteht.

5. Definieren Sie Erfolg neu

Hinter den Jahreszielen für 2020 sind Sie so weit zurückgeblieben, dass Sie 2021 eigentlich auch schon abschreiben können? Klasings Rat: „Tun Sie es nicht!“ Verändern Sie Ihre Ziele – und passen Sie diese den Umständen an.“

„Dafür braucht es andere Kennzahlen“, sagt Klasing. Und das bedeutet: Erfolg krisengerecht zu formulieren – und sich auch im Geschäft auf das zu fokussieren, was geht, statt sich zu ärgern, was gerade alles hintenüberfällt.

Sie wollen engeren Kundenkontakt 2021? Dann entwickeln Sie eine Kennzahl dafür, etwa: Ich nehme mir vor, drei Angebotsgespräche im Monat zu führen.

Sie wollen zufriedenere Mitarbeiter? Auch dafür gibt es kleine Zwischenziele. Ein persönliches (Video-)Gespräch mit einem Teammitglied pro Woche, ein virtuelles Teamfrühstück einmal im Monat. „Werden Sie ruhig kreativ.“

6. Leerläufe für sich und das Geschäft nutzen

Gerade geht im Geschäft nicht viel? Wofür könnten Sie dann die Zeit nutzen, damit es kein verschenkter Monat wird? Vielleicht wollten Sie schon immer eine Sprache auffrischen oder neu lernen. Oder ein weiteres Erlösmodell entwickeln.

Klasing: „Die Zeit war nie besser, um etwas Neues zu wagen, grundlegende Veränderungen im Unternehmen durchzusetzen oder lange aufgeschobene Wünsche endlich anzupacken.“

Mehr: Lockdown verlängert und verschärft – Was Chefs und Angestellte jetzt wissen müssen.

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