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Gefordert und überfordert Was treibt Manager in die Ausweglosigkeit?

„Ich war noch nie wirklich relaxed“: Der verstorbene Swisscom-Chef Carsten Schloter war ein Getriebener. Sein Suizid bewegt die Öffentlichkeit. Über die psychische Belastung von Managern – und Wege aus der Sackgasse.
26.07.2013 - 10:04 Uhr 33 Kommentare
Dauernd gefordert und am Ende überfordert? Topmanager tauschen Lebenszeit gegen Geld. Quelle: © Creasource/Corbis

Dauernd gefordert und am Ende überfordert? Topmanager tauschen Lebenszeit gegen Geld.

(Foto: © Creasource/Corbis)

Düsseldorf „Es kommt irgendwann ein Punkt, wo Sie das Gefühl bekommen, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen. Das schnürt Ihnen die Kehle zu“, erzählte Carsten Schloter im Mai einem Journalisten der Schweizer Sonntagszeitung. Zwei Monate später ist der Swisscom-Chef tot – er wurde am Dienstag leblos an seinem Wohnort im Raum Freiburg gefunden. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Der Manager hinterlässt drei kleine Kinder und eine Ehefrau, von der er getrennt lebte.

Die Gründe für seinen Selbstmord sind noch unklar, aber der 49-Jährige sprach ganz offen davon, dass er Mühe hatte, sich von der Arbeit abzugrenzen. Er war ein Getriebener. Einer, der nicht abstritt, dass er ein Workaholic ist und in Interviews erzählte, dass er sein Smartphone nicht abschalten kann, um ständig erreichbar zu sein. Schloter: „Ich stelle bei mir fest, dass ich immer größere Schwierigkeiten habe, zur Ruhe zu kommen, das Tempo herunterzunehmen.“

Diese persönlichen Aussagen erscheinen jetzt in einem ganz anderen Licht. Es ist die Tragik vieler Topmanager, dass sie psychische Probleme als Schwäche interpretieren. Vor allem Führungskräfte sind Meister im Verbergen. „Psychische Probleme werden in der heutigen Leistungswelt als ein No-Go angesehen“, weiß der Coach Hartmut Stepputtis. „Je mehr Führungskräfte dazu neigen, sich als fehlerfrei und untouchable zu zeigen, desto problematischer wird es, über eigene Note zu reden.“

Dabei leiden Männer genauso häufig wie Frauen unter Depressionen - die Hauptursache für einen Selbstmord. Etwa vier Millionen Menschen sind in Deutschland laut dem europäischen Fachverband European Depression Association an Depressionen erkrankt. Allerdings, das hat das Robert-Koch-Institut ermittelt, werden nur 20 Prozent der Männerdepressionen überhaupt erkannt, während die Quote bei Frauen gut 40 Prozent beträgt. Die Selbstmordrate bei Männern ist dreimal so hoch wie bei Frauen.

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    Warum ihr Leiden häufig nicht erkannt wird, weiß der Führungskräftecoach Gottfried Huemer. „Wenn zu mir zehn Männer kommen, die unter einem Burnout oder einer Depression leiden, befindet sich darunter maximal einer, der das weiß“, schildert Huemer aus seinem Praxisalltag. „Die anderen Klienten sind sehr sehr überrascht. Erst, wenn ich ihnen die Symptome schildere, geht ein Licht auf.“ Weil Männer Experten darin sind, ihre Gefühlswelt abzuschalten, drücken sich seelische Nöte häufig über den Körper aus. Das gehe relativ lange gut. Huemer: „Gerade habe ich jemanden in der Beratung, der zum dritten Mal einen Bandscheibenvorfall hat.“

    Männer haben Angst vor Gefühlen
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    33 Kommentare zu "Gefordert und überfordert: Was treibt Manager in die Ausweglosigkeit?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Vision muss lauten das Leistungsgesellschaftsparadigma zu durchbrechen. Algorithmen und Computer sind nun mal besser in der Produktion als jeder noch so perfekte Manager.

      Deswegen brauchen wir das BGE bei voller Automatisierung.

    • Die Berufswahl ist eine freie Willensentscheidung.
      Erfolg? Ja, sicher, aber nicht zu jedem Preis!

      Meine heutige "Work-Life-Balance" als Unternehmer:
      06:45 - 07:30: Frühsport
      08:00 - 08:30: Frühstück
      08:45 - 13:45: Arbeit
      13:45 - 14:30: Mittagessen
      14:30 - 18:00: Arbeit
      18:00 - 22:45: Fun
      22:45 - 06:45: Nachtruhe

      Selbst im Schlaf verdiene ich Geld.
      Ist doch (fast) wie Urlaub!

    • @cosmoB
      In welchem Bereich will Ihre Firma tätig sein?
      Ihre Forderung nach Vielfalt klingt interessant. Mir wurde mal gesagt, ich sei für deutsche Unternehmen zu vielseitig und "könne zu viel". Letzteres hörte ich auch von einem Vorgesetzten: "Du kannst und machst so viel."
      Mich würde Ihr Unternehmenskonzept interessieren. Wenn Sie mögen und die Reaktionen auf Ihren Beitrag noch lesen, melden Sie sich gerne bei mir.

    • Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28:
      Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken.

      Psalm 146,8:
      Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.

      Wann lesen Manager in der Bibel?

      Mit guten Segenswünschen
      Claus F. Dieterle

    • Das ist ja leider nichts Neues. Modernes Personalmanagement ist gerade in Deutschland noch immer nicht richtig angekommen. Das verstehe wer will. Wo es doch so wichtig ist. Und auch einfacher, als manch ein Unternehmenslenker denkt. Doch Motivation, Ausgleich und pädagogische Konzepte zur Mitarbeiterführung sucht man in vielen Unternehmen vergeblich. Es wird dringend Zeit, dass das Verhältnis der jüngeren Generation zur Arbeit mehr Akzeptanz in der Gesellschaft findet! Wen´s interessiert, der kann darüber auch bei uns im Blog lesen: http://blog.marquardt-strategie.de

    • Genau. Mein Lieblingsspruch, mit dem ich jeden, der ihn hören oder nicht hören will nerve, lautet: "Zuviel Zeug belastet." (Seine Richtigkeit bestätigt mir meine Schwester übrigens bei jedem Umzug aufs Neue :)).

    • Tja, vielleicht kommen unsere "Wirtschafts-Eliten" ja irgendwann zu der Erkenntnis, dass der ständige Leistungs- und Preisdruck letztlich dazu führt, dass Arbeitnehmer bei gleich bleibenden Gehältern immer produktiver werden müssen. Überschreiten sie dabei die 42-Stunden-Woche, wird es gefährlich.
      Sämtliche quantitativen Vertriebsvorgaben sind in Frage zu stellen, weil womöglich eher kreative Wege gesucht werden, um diese Zahlen zu erreichen. Vernünftige Vorgaben wären eher qualitativer Natur: Steigerung der Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit sowie kooperatives Verhalten im Beruf.

    • Ich war Manager in einem Konzern. Bei der Karriere ging es mir nicht um Geld, sondern darum etwas positiv zu verändern und Neues zu erschaffen.
      Nach vielen Jahren in der Position erkrankte ich an den hier beschrieben Krankheiten.
      Einerseits hatte ich selbst Schuld daran. Andererseits sind die Rahmenbedingungen im Unternehmen und die teilweise unrealistischen Erwartungen und Ziele der Eigentümer schuld daran. Jedes Jahr noch eine Schippe drauflegen, trotzdem die Mannschaft bei der Stange halten etc. ist schwierig.
      Ich habe mich geändert, was im Unternehmen nicht gut ankam. Dann habe ich mir ein Jahr Zeit gegeben, die Rahmenbedingungen im Unternehmen zu ändern. Letztlich ohne Erfolg.
      Ich bin dann ausgestiegen und verdiene heute 80% weniger. Das war die Beste Entscheidung meines Lebens.
      Vielleicht erkennen die Shareholder irgendwann, dass es unklug ist, die Besten zu verheizen.

    • Wozu braucht man eigentlich ein Work-Life-Balance-Controlling? Sobald man anfängt seinen Tagesablauf in kleine Zeiteinheiten zu zerlegen, um sie für bestimmte Aktivitäten zu reservieren, hat man doch schon den Pfad des gesunden Menschenverstandes verlassen. Natürlich kann man auch bei guter Gesundheit und lebensfroh 60 Stunden die Woche arbeiten, wenn man das so möchte. Dieses ganze Aufheben um ein Privatleben kann jedenfalls für unsere Kinder nicht gut sein, denn nie haben wir so wenig gearbeitet und nie waren unsere Kinder so verkorkst. So wenig, wie man sich von Irren sein Leben diktieren lassen sollte, gilt das Gleiche für Leistungsverweigerer, die gern "menscheln" und Stuhlkreise bilden. Die sind ebenso unerträglich. Das Grundproblem ist, dass uns ein Heer von selbsternannten Experten mittlerweile in unsere Lebensführung reinlabert, natürlich alles aus reiner Menschenliebe und nicht um ihre eigenen Profilneurosen zu befriedigen und die Erlösplanung zu verwirklichen. Ich empfehle das heitere Büchlein "Ich bleib so scheiße wie ich bin". Danach kann man getrost alle Ratgeber zur persönlichen Selbstoptimierung in die Tonne treten.

    • Dem kann ich nur beipflichten. Leider zeichnen sich die meisten Kommentare hier nur durch dumpfes Abspulen stereotyper Vorurteile aus. Konstruktives, lösungsorientiertes Denken nicht gefragt. Dabei wäre es so wichtig die Bedingungen zu hinterfragen, zu denen wir alle heute unsere Arbeit verrichten, egal ob auf Management-Ebene oder als Kassiererin. Die meisten Menschen arbeiten heute unter einem enormen Druck, durch alle Hierarchien hinweg. Die Globalisierung macht auch vor unserer Arbeitswelt nicht halt und hat dazu geführt, dass wir nicht mit dem Wettbewerber im Nachbardorf konkurrieren, sondern mit der ganzen Welt. Wer den Anspruch hat, dass das unter fairen Bedingungen abläuft, erwartet einfach zu viel von der Spezies Mensch. Unser heutiges Leben ist ebenso von Überlebenskampf geprägt wie das all unserer Vorfahren. Man merkt es nur nicht so direkt. Es bleibt, wie es schon immer war: Das Leben ist kein Kindergeburtstag, und wer meint einen Anspruch darauf zu haben, dass es immer nur schön, sicher und sorgenfrei abläuft, wird sich früher oder später mit der Realität konfrontiert sehen. Verändern ließe sich nur etwas, wenn alle das gleiche Verständnis der Probleme hätten. Dies ist aber vollkommen unrealistisch, wie ja auch die Kommentare hier schon zeigen. Letztendlich muss jeder Einzelne individuell entscheiden, wie er mit dem Thema umgeht und welche Konsequenzen er für sich daraus zieht.

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