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Der moderne Mann Erstkontakt mit der Generation Y

Ein junger Bewerber kommt zum Vorstellungsgespräch und ist Herr K. suspekt. Die Begegnung mit der Generation Y ist für ihn wie eine Begegnung mit einem Außerirdischen. Was will E.T. wirklich?
14.12.2014 - 11:37 Uhr Kommentieren
Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com
Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: [email protected]

Herr K. hält nicht viel von diesen ganzen Generationen-Theorien: Generation Golf, Generation X, Generation Praktikum. Das sind Etiketten, denen Soziologen und Trendforscher ihre Existenzberechtigung verdanken, glaubte er bislang. Kann er ja auch mal erfinden, so eine Generation. Dann wäre er als weißer, männlicher Mittvierziger mit Frau und zwei Kindern mindestens Generation ... äh... also... na ja, lassen wir das. Umso überraschter jedenfalls ist Herr K., als nun ein seiner Ansicht nach lupenreiner Vertreter der Generation Y(gesprochen: Tschänaräischn Wai wie „why“, (weil deren Vertreter ja angeblich alles hinterfragen) zum Bewerbungsgespräch bei ihm aufschlägt. Das heißt, der junge Mann kommt natürlich gleich mal eine Viertelstunde zu spät.

„Sorry, bin zu spät“, sagt der Bewerber. Ach, echt, denkt sich Herr K. Zu seiner Zeit wäre man für so ein Date schon am Abend vorher angereist, damit man gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, irgendwas von Stau auf der Autobahn oder U-Bahn-Chaos lügen zu müssen, was man natürlich auch gemacht hätte. Aber die schlichte Wahrheit zu sagen... so sind die also heute drauf? Herr K. sitzt steif in der Besprechungsecke seines Büros und starrt sein Gegenüber an. Erstkontakt. Alien vs. Predator.

Was will E. T. wirklich? Herr K. blättert in der Bewerbungsmappe mit den heute üblichen Eckpunkten: zweimonatiges Praktikum bei den Schwestern von Mutter Teresa in Kalkutta, Trainee-Programme von Disneyland bis Google Neuseeland, mit 17 schon ein Start-up gegründet im Bereich Online-Shisha-Verkauf. Jetzt ist er 27. Als Herr K. so alt war wie der Bewerber, hieß es noch: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Oder: Krankheit ist Willensschwäche. Er kannte es ja nicht anders.

Der Bewerber heißt mit Vornamen Lasse. So hätte man früher auch nicht geheißen. Als Lasse kann man eigentlich nur Gärtner einer Waldorfschule werden, denkt Herr K. Er lächelt sein Gegenüber an. Lasse fragt jetzt nach Freizeitausgleich, Fortbildungsangeboten, Frauenquote und Betriebs-Kita. Wer bewirbt sich hier eigentlich bei wem? Herr K. heuchelt gekonnt, wie toll er Lasses gesellschaftliches Engagement findet und seine Fragen zu Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance und Firmen-Spirit. Nach dem Gehalt fragt Lasse gar nicht. Herr K. schickt ihn nach einer halben Stunde mit dem guten Gefühl nach Hause, dass junge Nachwuchskräfte wie Lasse sich hier bei ihm echt einbringen können und sollen. Natürlich wird er ihm eine Woche später eine Absage schicken. Oder noch besser: seine Sekretärin eine schicken lassen ... „i. A.“.

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    „Warum nimmst du ihn nicht?“, fragt seine Frau Herrn K. abends. „Weil er untauglich ist und nicht mal nach Geld fragte. Das ist mir verdächtig“, antwortet Herr K. „Nein, weil du ein bisschen neidisch auf ihn bist.“ Wie recht sie wieder einmal hat. Aber natürlich würde Herr K. das so nie sagen - als Vertreter der Generation-äh-na-ja-lassen-wir-das.

    Sie erreichen den Autor unter: [email protected]

    Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

    Anregungen für Herrn K. bitte an: [email protected] oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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