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Homeoffice

Mobiles Arbeiten Das sagen Deutschlands Konzerne zu einer möglichen Homeoffice-Pflicht

In der aktuellen Pandemielage wird der Ruf nach einer Pflicht zur Heimarbeit immer lauter. Doch die Konzerne halten strengere Vorschriften nicht für erforderlich.
12.01.2021 Update: 12.01.2021 - 23:58 Uhr 2 Kommentare
Oft ist es gerade für Produktionsunternehmen in der Pandemie ein Balanceakt, den Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern am Band und im Büro sicherzustellen. Quelle: dpa
Homeoffice

Oft ist es gerade für Produktionsunternehmen in der Pandemie ein Balanceakt, den Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern am Band und im Büro sicherzustellen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Debatte um verschärfte Homeoffice-Vorschriften in der Pandemie gewinnt aktuell an Fahrt. Vor allem die Grünen erhöhen den Druck auf die Wirtschaft, aber auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und CSU-Chef Markus Söder fordern Arbeitgeber dazu auf, Angestellten noch stärker als bisher das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen.

Doch genau das halten viele Konzerne aktuell eher für unnötig, wie eine Handelsblatt-Umfrage bei einigen der größten Arbeitgeber des Landes zeigt. Danach besteht aus Sicht des Gesundheitstechnologiekonzerns Fresenius „aktuell kein gesetzgeberischer Handlungsbedarf“. Auch für die Energiekonzern Eon spielen „weitere staatliche Vorgaben“ derzeit „eine untergeordnete Rolle“.

Bei BASF sieht man ebenfalls keine Notwendigkeit: „Unsere Erfahrungen in den vergangenen Monaten zeigen, dass die Mitarbeiter mit den aktuell geltenden Abstands- und Hygieneregelungen am Standort sehr verantwortungsvoll umgehen und wann immer möglich, von zu Hause aus arbeiten. Ein Verbot ist daher weder notwendig noch zielführend.“

Und eine Sprecherin des Autozulieferers Bosch lässt mitteilen: „Eine gesetzlich geregelte Homeoffice-Pflicht wird nicht nur der wirtschaftlichen Realität nicht gerecht – sie würde auch den Handlungsspielraum von Unternehmen in dieser ohnehin angespannten und für viele existenzbedrohenden Lage weiter einschränken.“ Akuter Handlungsdruck klingt anders.

Tatsächlich scheint das Büro in der Pandemie eine der letzten Bastionen zu sein, die von strikteren Maßnahmen bislang verschont geblieben sind. Während die Politik vorerst den Lockdown bis Ende Januar verlängert hat und dabei Schulen, Kitas und Restaurants sowie weite Teile des Einzelhandels geschlossen bleiben müssen, können Büroangestellte, selbst wenn sie eigentlich von zu Hause aus arbeiten könnten, weiter zur Arbeit pendeln.

Nicht überall ist Homeoffice gleich leicht umzusetzen

Inmitten des Lockdowns werben aktuell sogar Verkehrsbetriebe dafür, wieder mehr den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Unter dem Namen #BesserWeiter wird in Deutschland mit Plakaten dafür geworben, trotz Pandemie Busse und Bahnen zu nutzen. Hinter der Kampagne steht unter anderem der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

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Fest steht: Die meisten großen Unternehmen schützen ihre Mitarbeiter vorbildlich und haben das Arbeiten von zu Hause aus in der Pandemie zum Standard erklärt. Und das teilweise dauerhaft. So will etwa Siemens auch nach Corona allen Beschäftigten weltweit im Schnitt zwei bis drei Wochentage mobiles Arbeiten ermöglichen.

Aber es gibt auch andere Fälle. Unter dem Hashtag #MachtBuerosZu hat die Grünen-Politikerin Laura Dornheim fast 1000 Erfahrungsberichte aus dem Arbeitsalltag deutscher Unternehmen via Twitter eingesammelt – die meisten positiv, aber „auch an die 200 mit teils wirklich horrenden Berichten“, wie Dornheim dem Handelsblatt schildert.

Da sind Berichte von Risikopatienten, die „ohne inhaltlichen Grund ins Büro genötigt und fürs Masketragen als Hypochonder bezeichnet werden“, so Dornheim. Oder vollbesetzte Großraumbüros, in denen es mehrere Infektionen gab, und der Chef – selbst im Homeoffice – die Tage in Quarantäne vom Urlaub abzog.

Auch der Süßwarenhersteller Storck aus Berlin kommt in einem Erfahrungsbericht Dornheims nicht besonders gut weg. Wörtlich heißt es: „Bei Storck wird alles getan, damit Homeoffice nur die absolute Notlösung bleibt.“ Schon im ersten Lockdown habe jeder Mitarbeiter eine Bescheinigung erhalten, dass man zur Berliner Nahrungsversorgung gehöre – „also tapsen fast alle Mitarbeiter seit neun Monaten ins Büro“.

Mit dem Fall konfrontiert erklärt ein Storck-Sprecher, dass in einem produzierenden Unternehmen „die Präsenz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unverzichtbar“ sei – und das aus Sicht von Storck nicht nur in den produktionsnahen Abteilungen und Fachbereichen, sondern mitunter auch in der Verwaltung.

So müssten Markenrechte etwa über beglaubigten Kopien einer Markenurkunde nachgewiesen werden. Selbst das Marketing könne keine neuen Produktverpackungen bewerten, „wenn die farbverbindlichen Drucke nicht über ein spezielles Licht beleuchtet werden“. Auch könnten „Zolldokumente und Lieferscheine nicht über das Homeoffice ausgestellt und auf den Weg gebracht werden“.

Der Fall zeigt: Nicht überall ist Homeoffice gleich leicht umzusetzen. Das lässt sich auch an den Zahlen zum Homeoffice in den verschiedenen Branchen ablesen. So erledigen nach Handelsblatt-Informationen beim Softwareriesen SAP derzeit etwa 90 Prozent der Belegschaft die Arbeit von zu Hause aus. Ähnlich sieht es aktuell bei den Versicherern Allianz und Munich Re aus. Auch bei der Deutschen Bank liegt die Homeoffice-Quote in Deutschland derzeit bei etwa 80 Prozent – von den Bankangestellten in den Filialen einmal abgesehen.

Anders Audi. Bei dem Autobauer war im Dezember an den für die Produktion relevanten Standorten Ingolstadt und Neckarsulm gerade einmal ein Fünftel aller Beschäftigten im Homeoffice. In Neckarsulm laufen die Bänder nach der Betriebsruhe über Weihnachten und den Jahreswechsel wieder. Im Werk Ingolstadt startet die Produktion planmäßig ab dem 18. Januar auf allen drei Montagelinien und in allen Schichten.

Oft ist es in der Pandemie gerade für Produktionsunternehmen ein Balanceakt, den Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern am Band und im Büro sicherzustellen. Für Bosch etwa sei es wichtig, „den Zusammenhalt unter den Mitarbeitern nicht zu gefährden – denn nicht jeder kann von zu Hause aus arbeiten“, wie eine Sprecherin erklärt. Ähnlich hatte sich Geschäftsführer Volkmar Denner im November im Handelsblatt geäußert.

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Wie gefährlich das Büro als Ansteckungsherd wirklich ist, ist nicht gänzlich geklärt. Viel hängt von Lüftungssystemen und Hygienekonzepten ab. Auch die Statistiken des Robert Koch-Instituts gehen von einem eher moderaten Risiko aus. Ein großes Problem ist jedoch, dass die Rückverfolgung von Infektionsketten aufwendig und deshalb oft lückenhaft ist.

So viele Coronafälle zählen Telekom, Henkel und Metro derzeit

Dass auch die Beschäftigten der größten Arbeitgeber des Landes nicht von der Pandemie verschont bleiben, ist angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens klar. So sind etwa bei der Telekom aktuell 280 Mitarbeiter der rund 100.000 Angestellten und Beamten in Deutschland mit Corona infiziert und bleiben zu Hause. Henkel meldet weltweit rund 500 Infizierte bei 52.000 Mitarbeitern.

Auch der Düsseldorfer Handelskonzern Metro lässt mitteilen, dass es „vereinzelt Corona-Fälle“ bei Mitarbeitern und deren Familien gab. Eine Sprecherin erklärt: „Da seit Beginn der Pandemie ein Großteil der Mitarbeiter nur selten am Campus ist, konnten die eventuellen Kontakte immer schnell nachvollzogen und informiert werden und die betroffenen Arbeitsbereiche entsprechend desinfiziert werden.“

Und selbst Homeoffice-Primus SAP musste Standorte im Zuge der Pandemie schließen. So gab es etwa in der Niederlassung in St. Ingbert im Saarland bereits im März einen sehr frühen Covid-Fall. Damals konnte der Konzern mit einer schnellen Büroschließung und umfangreichen Desinfektionsmaßnahmen die Infektionskette stoppen.

Jetzt, zur Verlängerung des Lockdowns, appelliert SAPs Deutschland-Personalchef Cawa Younosi in einem Post auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn an alle Arbeitgeber: „Macht mit, wo es geht, lasst Eure Mitarbeitende von Homeoffice arbeiten und tragt mit dazu bei, die Pandemie zu bekämpfen! Sie nervt und schadet uns allen gewaltig!“
Mitarbeit: Catrin Bialek, Martin Buchenau, Jürgen Flauger, Bert Fröndhoff, Florian Kolf, Yasmin Osman, Stephan Scheuer, Christian Schnell, Maike Telgheder

Mehr: Die Homeoffice-Muffel – Warum sich Führungskräfte so gegen das mobile Arbeiten wehren

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2 Kommentare zu "Mobiles Arbeiten: Das sagen Deutschlands Konzerne zu einer möglichen Homeoffice-Pflicht"

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  • Wir ermöglichen allen Mitarbeitern der CEMA Gruppe Homeoffice. Aber ein nicht geringe Anzahl kann das gar nicht nutzen, weil die privaten Gegebenheiten das nicht zulassen!

    Weiterhin gibt es Konflikte im Home-Office mit Kindern, die nicht in Kitas, Kindergarten oder Schule sind.
    Hier bevorzugen die Mitarbeiter ausdrücklich die Möglichkeit im Büro zu arbeiten.

    Inzw. haben wir hier sogar Kinder im Büro, die von hier Home-Schooling machen, weil es Zuhause nicht möglich ist.

    Damit ist eine gestzl. Regelung kontraproduktiv!

  • Fragen Sie doch bitte mal nach, welches Potential sich im Staatsdienst für Home Office befindet. Ich kenne sowohl beim Bund, wie bei den Ländern und Kommunen viele Mitarbeiter, welche ins Büro müssen, weil sie angeblich von zu Hause aus nicht arbeiten könnten. In der Regel liegt es angeblich an Systemzugängen und IT Equipment. Eigentlich sollte doch der öffentliche Dienst Vorbild sein. Die Politiker fordern von der Wirtschaft Pflicht zum Homeoffice ein, aber selber bringen sie es in ihrem eigenen Laden nicht halb so gut zum Laufen, wie es bereits in der freien Wirtschaft läuft.

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