Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Interview zum Titelwahn „Der Doktor ist nichts anderes als ein Gesellenbrief“

Wer ein Dr. vor seinen Namen setzen darf, genießt hohes Ansehen. Oft zu Unrecht, findet Autor Bernd Kramer: Im Alltag sage der Titel wenig aus, so mancher Doktorand betrüge gar. Er fordert daher, den Titel abzuschaffen.
24.11.2014 - 10:10 Uhr 30 Kommentare
Der Doktortitel: Nicht mehr als eine akademische Leistung? Quelle: dpa

Der Doktortitel: Nicht mehr als eine akademische Leistung?

(Foto: dpa)

Düsseldorf Zwei Buchstaben können einen großen Unterschied machen: Der Doktortitel beschleunigt die Karriere und erhebt den Träger in den akademischen Adel. Doch die mühsame Arbeit wollen sich viele  ersparen – und beauftragen einen Ghostwriter oder kopieren ihren Text zusammen wie einst Karl-Theodor zu Guttenberg. Ohnehin sage das „Dr.“ vor dem Namen wenig aus, meint Bernd Kramer, Autor des Buchs „Der schnellste Weg zum Doktortitel“ – und fordert seine Abschaffung.

Herr Kramer, was kostet ein Doktortitel denn so?
Im Idealfall Blut, Schweiß und Tränen. Aber wer die Arbeit nicht selbst schreiben will, zahlt für einen Ghostwriter 10.000 bis 15.000 Euro, je nachdem, wie viele Seiten es sein sollen und ob es einen empirischen Teil gibt. Das ist vielleicht die teuerste Möglichkeit, sich den Titel zu erschleichen, aber dafür sichern viele Agenturen zu, eine plagiatsfreie Arbeit abzuliefern – schön in einzelnen Kapiteln, damit man damit zum Doktorvater gehen kann.

Warum ist der Titel so begehrt?
In bestimmten Berufsfeldern bekommt man mit Titel ein deutlich höheres Einkommen, etwa in Anwaltskanzleien. Es geht aber um mehr als das Finanzielle: Man zeigt, dass man zu einer Elite gehört, zum akademischen Adel. Der Doktor steht für eine große, lange Tradition. Viele Anwälte, mit denen ich gesprochen habe, sagen beispielsweise, dass sie den Titel für ein Schauspiel halten, erliegen aber trotzdem seinem Zauber.

Wer seine Arbeit ehrlich schreibt, leistet aber durchaus etwas.
Natürlich, aber im Prinzip ist der Doktor nichts anderes als eine Hochschulprüfung oder ein Gesellenbrief. Der einzige Unterschied: Man kann ihn sehr weiträumig im Alltag nutzen. In anderen Berufen leistet man ja auch etwas, ohne dass man sich das aufs Klingelschild schreibt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wie viele Doktoranden betrügen?
    Es gibt keine seriösen Zahlen dazu, eine Schätzung geht davon aus, dass bei ein bis zwei Prozent der Doktorarbeiten betrügerisch vorgegangen wird. Das klingt wenig, aber bei den 25.000 Arbeiten, die hier im Jahr abgegeben werden, betrifft das schon einige Hundert.

    „Der Dr. med. ist akademische Ramschware“
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Interview zum Titelwahn - „Der Doktor ist nichts anderes als ein Gesellenbrief“
    30 Kommentare zu "Interview zum Titelwahn: „Der Doktor ist nichts anderes als ein Gesellenbrief“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hallo,
      Ich weiß nicht, welche persönliche Erfahrungen Herr Bernd Kramer selbst mit Promotionen hat.
      Ich weiß nur, dass ich meine Promotion für mich selbst gemacht habe, um einmal im Leben in
      voller Freiheit einem Phänomen nachzugehen, das vor mir noch keiner untersucht hat. Dieses
      Abenteuer möchte ich nicht missen, und wünsche es noch vielen anderen Doktoranden in den kommenden
      Jahrhunderten.
      Das Tragen meines Doktortitels sehe ich als Auftrag und habe den Anspruch an mich in meinem
      gesellschaftlichen wie beruflichen Tun, mein Gehirn zu fordern und innovative Denkanstöße einzubringen,
      die vielleicht andere mit einem Professoren- uder Meistertitel viel besser umsetzen können als ich selbst.
      Ich denke, es macht wenig Sinn die Tour de France abzuschaffen, weil Radfahrer dopen. Vielmehr möchte ich
      den Anstoß geben, Scharlatane zu entlarven, seien es die Ghostwriter oder die Erschleicher eines Dr- Titels.
      Die Gesellschaft ist hier aber gut unterwegs.

      Zum Schluss sei noch allen gesagt, die einen Dr.-Titel ergattern wollen des Geldes wegen: Mit dem Titel alleine
      lässt sich kein Geld verdienen, man muss ihm in der Industrie durch Leistung schon gerecht werden.

      Herzliche Grüße

      Bernhard Bauer

    • Sicherlich haben da alle „ehrlichen Gläubiger, denen mit Falschgeld ihre Forderungen beglichen werden“ wieder leider das nachsehen . Doch wird der Dr.-Titel heute vielfach im „gesellschaftlich bürgerlich-orientierten Deutschland“ noch als Marketing-Instrument und Statussysmbol missbraucht. Da gibt es den Heilpraktiker Dr. phil. – der seine Patienten (Kunden) ein medizinisches Vollstudium vorgaukeln will – oder den promovierten Chemiker als Vertriebschef im Privatkundenbereich eines Telekommunikationsunternehmen – als Türöffner einer wohl eher akademiker-dominierten Führungsebene und eher Indikator für eine Seilschaft…-dies wird hier doch hier angeprangert. Akademiker vermögen derartige Mogelpackungen eher richtig abzuschätzen und einzuordnen – der einfache Bürger wird da jedoch eher „verschaukelt“!
      Eigentlich bereitet ja eine Promotion auf eine wissenschaftliche Hochschultätigkeit – mit dem Ziel der Erlangung einer (häufig beamteten!) Professorenstelle vor – und weniger auf eine – völlig anders geartete (!) „Managerstelle“ oder Freiberuflertätigkeit vor…- offenbar liegt aber für viele Hochschulabsolventen der besondere Reiz über eine universitätsvermittelte „Promotion“ den Beweis ihrer Managerqualitäten am Markt zu erbringen – was ja nicht so ganz logisch (& akademisch) ist, denn eine Universität bildet doch keinen Markt als Übungsmedium ab (!?) und sollte auch keine Titelmühle für eine eher bourgeoise Schickeria sein!
      In den USA wird der PhD (oder MD,JD usw.) dezent hinter dem Familiennamen getragen (ähnlich den M.B.A., MSc, BSc usw.)- offenbar ist man dort weniger bourgoise....als im alten Deutschland..Europa...

    • Wenn ich manche Kommentare von Titel-liebhabern lese, so
      werde ich ins Kindergarten zurückversetzt, wo sich die Kids
      um Spielzeuge streiten.

      Es gab mal ein Artikel "Wofür braucht man ein Dr.-Titel"
      war sehr treffend dargelegt, und in manchen Kommentaren
      enthalten.

      Ein Dr.-Titel hat jeder Abteilungsleiter bei Beyer
      Und fast jede Richterin mit 28J wobei Sie/Er nicht mal
      die Verzugszinsen ausrechnen könen über das Sie/Er urteilen.

      Aber bei Gesellen oder Meistern habe ich dieses Manko an
      Wissen nicht feststellen können.
      Wobei einige Akademiker sich hier sehr Ablassend über Gesellen äußert.

      Es mag der Dr.-Titel eine berufliche Beurteilung sein
      aber es sollte als überhebliche Zierde verboten sein.

    • AUFGEPASST! das mit dem DR. ist noch nicht schlimm.
      schlimm wird es erst dann, wenn sich fußballer "DR. e.h." oder "FUSSBALL-KAISER" oder "FUSSBALL-GOTT" nennen (dürfen), einen sack voll geld einstecken und unseren lieben herrgott einen guten mann sein lassen. da schlägt's DREIZEHN"!
      für unsere statistiker: etwa ein drittel aller "DR." sollen getürkt sein. das wissen nur die wenigsten.

    • Liebes Handelsblatt Team,

      es überrascht mich sehr, wer in Ihrer Zeitung mittlerweile Platz für KOmmentare und Eigenwerbung erhält?! Dieser Artikel listet zudem keine wirklichen Gründe für eine Abschaffung des Dr. Titels; mit Ausnahme, dass einige wenige nun gefälscht haben (Ja, jeder Einzelne ist einer zu viel). Aber deswegen die wissenschaftliche und mühsame Arbeit von Vielen damit als bedeutungslos darstellen??? Bitte?!

      Zur Erinnerung: Die Wissenschaft trägt einen essentiellen Beitrag zu unserem Wohlstand in unserem Lande. Die Dr. Arbeit stellt dabei dar, dass eine Person eigenständig wissenschaftlich arbeiten kann!

      Handelsblatt, ich hoffe, dass ich mich in der ZUkunft wieder besser auf ihre Vorselektion verlassen kann.

    • Ein Doktortitel im Medizinbereich ist erheblich leichter zu erwerben als beispielsweise im Ingenieursbereich. Einfach gesagt verlaesst der Medizinstudent die Uni mit dem Doktortitel und der Ingenieursstudent mit dem Mastersdegree. Ein Doktortitel im Ingenieursbereich dauert weitere 3-5 Jahre und ist damit weitaus wertvoller als im Medizinbereich, auch wenn das die breite Oeffentlichkeit bis heute nicht verstanden hat.

    • @ Markus Gerle
      "Jetzt sind einige Betrüger aufgeflogen (insbes. natürlich Politiker) und schon wird die Leistung aller ordentlichen Promotionsstudenten herab gewürdigt. Das sind meiner Meinung nach nur die Auswirkungen der linken Neidgesellschaft."
      Das Problem ist nicht durch eine linke Neidgesellschaft entstanden, sondern durch neoliberale Deppen, die der Meinung sind, mit Geld kann man sich alles kaufen. Und wenn es ein KTzGutenberg geistig nicht auf der Kanne hat, aber standesgemäß ein Dr.Titel her muß, dann wird er eben erschwindelt. Fliegen diese Poliker (vornehmlich FDP/CDU) auf, dann sind die es doch, die für die Herabwürdigung des Titels verantwortlich sind. Man könnte fast denken, bei den Linken ist die Leistung und nicht der Titel relevant!

      "Wer viel Steuern zahlt, hat ja seine Einnahmen auch zu Unrecht und nicht durch harte Arbeit bekommen." Hier das Gleiche. Es ist numal so, dass viele ohne Arbeit und eigenes Zutun zu Geld kommen. Vererbt. Und da werden eben leiden Können, Auftreten, Anstand usw. nicht mit vererbt.
      Durch Arbeit kann man in Deutschland schon lange nicht mehr reich werden!

    • @Alexander Knoll

      Aber es geht doch genau um die Eintragung in den Dokumenten. Wenn es da nicht drin stände, wer käme denn auf die Idee es mit einem "Dr." zu tun zu haben.

      Wüssten Sie, dass Norbert Lammert einen "Dr."hat?

      Ich kenne "Dr.", die diesen Titel auch haben, dies aber nie erwähnt haben - und die sind wirklich gut!

      Wenn es hier einen Aufstand geben sollte, dann sind es doch eben diese "Dr.", die man nur anhand des Eintrags in den Papieren erkennt und den ganzen Stand in Misskredit bringen.

      Ich bin auch dafür, dass alle, die nicht in Lhre und/oder Forschung tätig sind, die Berechtigung zum Führen des Doktorgrades verlieren sollten.

      Zugegeben, noch schlimmer geht's mit den Professoren zu.

      Eines ist festzuhalten, hätten viele dieser Herrschaften einen handwerklichen Beruf erlernt, würden nicht alle über einen Gesellenbrief verfügen.

      Um fair zu bleiben:
      Es gibt tüchtige Gesellellen und es gibt tüchtige Doktoren und Professoren. Die Diskussion geht hier ausschließlich um die "Anderen".

    • Vielen Dank für die vielen interessanten Kommentare. Ein Hinweis zum Vergleich in der Überschrift: Der Buchautor vergleicht den Doktorgrad mit einem Gesellenbrief, weil es sich ebenfalls um einen Abschluss handelt - wenn auch einen aufwendigen.

      Christof Kerkmann, Handelsblatt

    • Durchwegs gute Ausbildung der Akademiker, insbesondere Mediziner in Deutschland? Naja, da kann man durchaus geteilter Meinung sehen.

    Alle Kommentare lesen
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%