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Kampf gegen Covid-19 Wie Konzerne in anderen Ländern mit der Impfdebatte umgehen

Welche Rolle spielen Unternehmen bei der Immunisierung der Bevölkerung in anderen Ländern? Einblicke aus Amerika, China, Indien und Brasilien.
22.02.2021 - 08:22 Uhr Kommentieren
Menschen erhalten die erste von zwei Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs in einem Impfzentrum, die in einer Amazon.com-Einrichtung eingerichtet und von Virginia Mason Franciscan Health betrieben wird. Quelle: dpa
Impfzentrum in den USA

Menschen erhalten die erste von zwei Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs in einem Impfzentrum, die in einer Amazon.com-Einrichtung eingerichtet und von Virginia Mason Franciscan Health betrieben wird.

(Foto: dpa)

New York, Peking, Bangkok, Salvador In Deutschland und anderswo gilt: Für das Gros der Bevölkerung gibt es noch nicht genügend Impfstoff. Wenn sich das ab dem Sommer ändert, werden Unternehmen bei der Immunisierung der Menschen hierzulande eine wichtige Rolle spielen. Schließlich haben die Firmen über ihre Betriebsärzte direkten Zugang zu den rund 45 Millionen Beschäftigen. Eine Handelsblatt-Umfrage zeigt, dass die Dax-Konzerne die Impfkampagne der Bundesregierung unterstützen und schon an Plänen tüfteln, wie sie ihren Mitarbeitern die Vakzine zugänglich machen.

Welche Rolle spielen große Unternehmen bei der Impfkampagne in anderen Ländern? Schaffen diese Firmen entsprechende Strukturen? Und welche Rolle spielen Impfprämien im Ausland? Einblicke aus den USA, China, Indien und Brasilien.

USA: United Airlines befürwortet eine Impfpflicht

In den USA haben bereits 13 Prozent der Menschen mindestens eine Impfung erhalten. Bislang organisieren die einzelnen Bundesstaaten das Impfen. Das findet in großen Impfzentren oder in den Ablegern der großen Krankenhausketten statt. Außerdem bieten in verschiedenen Staaten auch Apothekenketten und der Einzelhändler Walmart mit seinen hauseigenen Apotheken die Vakzine an.

Die Unternehmen spielen dabei noch keine Rolle. Doch das könnte sich bald ändern: Nach der jüngsten Umfrage der Arbeitsrechts-Firma Littler wollen 37 Prozent der Unternehmen das Impfen intern anbieten.

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    Demnach werden auch die wenigsten Betriebe eine Impfung für ihre Mitarbeiter verpflichtend vorschreiben. Selbst dann, wenn das Vakzin leicht verfügbar sein wird, wollen bisher nur sechs Prozent der Unternehmen das Impfen obligatorisch von allen Mitarbeitern verlangen. Weitere drei Prozent wollen es von bestimmten Mitarbeitern fordern – etwa jenen im direkten Kundenverkehr.

    Zu den Befürwortern einer Impfpflicht für alle Unternehmen gehört der United-Airlines-CEO Scott Kirby. Er rechnet damit, dass die Impfung mittelfristig als normal akzeptiert wird. Es müssten nur ein paar Unternehmen damit anfangen, sie von allen zu verlangen. Dann käme der Ball ins Rollen. „Auch wenn ich glaube, dass es richtig ist, bin ich realistisch genug zu verstehen, dass United Airlines das nicht allein tun kann, damit es bleibt“, sagte Kirby jüngst. Dazu bräuchte es noch andere Unternehmen, die den Start machen.

    Anders als in Deutschland können Unternehmen in Amerika die Impfung von Mitarbeitern grundsätzlich verlangen. Schon jetzt unterstützen viele US-Firmen ihre Mitarbeiter mit finanziellen Anreizen: Aldi, Lidl und die Aldi-Nord-Tochter Trader Joe’s waren Vorreiter. Danach haben andere Unternehmen wie McDonald’s, Instacart und die Zuggesellschaft Amtrak nachgezogen.

    China: Impfung sichtbar im Profil

    Neben den sogenannten Nachbarschaftskomitees, die gezielt insbesondere in Peking die Bewohner von Wohnblöcken nach und nach ansprechen, sich impfen zu lassen, sind in China Unternehmen Teil der Distributionskette. Vor allem die großen staatlichen Konzerne schicken bereits seit Monaten ihre Mitarbeiter zum Impfen, insbesondere jene, die zum Arbeiten ins Ausland reisen müssen. Auch private Unternehmen werden eingebunden.

    So läuft in Peking seit Januar eine Impfkampagne des Fahrdienstleistungsunternehmens Didi, des chinesische Pendants zum amerikanischen Uber. Fahrer des Unternehmens wird nahegelegt, sich impfen zu lassen. Wenn ein Fahrer geimpft ist, wird das in seinem öffentlich sichtbaren Profil in der App angezeigt. Wer sich nicht impfen lässt, muss alle sieben Tage einen neuen Covid-Test vorweisen.

    Verteilt werden ausschließlich die Vakzine chinesischer Hersteller. Ausländische Staatsbürger dürfen sich nicht impfen lassen, auch wenn sie wollen. Anders als etwa in Deutschland werden in China nur Menschen im Alter von 18 bis 59 Jahren geimpft.

    Indien: Die Konzerne wollen, dürfen aber noch nicht impfen

    Indiens Probleme bei seiner Impfkampagne würden andere Länder wohl gern haben: Die Regierung von Premierminister Narendra Modi verfügt über viel mehr Impfstoff, als sie derzeit verabreichen kann. Der in Indien beheimatete, weltgrößte Vakzinhersteller, das Serum Institute of India (SII), kann täglich mehr als zwei Millionen Dosen des bei Astra-Zeneca lizenzierten Impfstoffs produzieren. Doch in der Regel gelingt es den Gesundheitsbehörden derzeit nicht einmal, 500.000 Impfungen pro Tag durchzuführen.

    Industrievertreter verlangen deshalb, dass die Regierung auch privaten Unternehmen das Impfen erlaubt: „Wir müssen die Fähigkeiten der Privatwirtschaft nutzen, um die Verteilung rasant auszuweiten“, forderte der Milliardär Anand Mahindra, der eines der größten Firmenkonglomerate des Subkontinents leitet.

    Ähnlich äußerte sich der Unternehmer Naushad Forbes, ehemaliger Chef der indischen Industrie- und Handelskammer: „Wir haben eine einzigartige Verfügbarkeit von Millionen Impfdosen und eine lange Schlange an Menschen, die darauf warten.“ Es müsse möglich sein, beides zusammenzubringen.

    Der in Indien beheimatete, weltgrößte Vakzinhersteller, das Serum Institute of India (SII), kann täglich mehr als zwei Millionen Dosen des bei Astra-Zeneca lizenzierten Impfstoffs produzieren. Quelle: dpa
    Impfstoffherstellung in Indien

    Der in Indien beheimatete, weltgrößte Vakzinhersteller, das Serum Institute of India (SII), kann täglich mehr als zwei Millionen Dosen des bei Astra-Zeneca lizenzierten Impfstoffs produzieren.

    (Foto: dpa)

    Auch Großkonzerne wie Reliance und Tata haben laut SII bereits Interesse bekundet, Impfdosen für ihre Mitarbeiter zu kaufen. Noch konnte sich Modis Regierung aber nicht dazu durchringen, ihnen eigene Impfaktionen zu ermöglichen. Gesundheitsminister Harsh Vardhan verweist darauf, dass die Impfstoffe bisher nur eine Notfallzulassung hätten: Solange das der Fall sei, müsse die Regierung die vollständige Kontrolle behalten.

    Brasilien: Unternehmen sind erst später an der Reihe

    Ende Januar machten Brasiliens Unternehmer der Regierung einen Vorschlag: Unter Führung mehrerer Spitzenverbände wollten sie gemeinsam von Astra-Zeneca 33 Millionen Dosen Anti-Corona-Serum kaufen. Mit der Hälfte des Serums sollten die eigenen Belegschaften geimpft werden. Die andere Hälfte würde dem staatlichen Gesundheitssystem gespendet. Doch die Initiative scheiterte, als Astra-Zeneca dementierte, an private Abnehmer Impfstoff verkaufen zu wollen.

    Seitdem halten sich private Unternehmen in der Öffentlichkeit mit Initiativen zur staatlichen Impfkampagne zurück. Das hat aber auch einen anderen Grund: „Das öffentliche Impfsystem hat immer sehr gut funktioniert, sodass der private Sektor in diesem Bereich nicht handeln musste“, sagte Paulo Almeida, Geschäftsführer der Denkfabrik für den öffentlichen Gesundheitssektor, Instituto Questão de Ciência (IQC).

    Private Unternehmen können sich darauf verlassen, dass ihre Mitarbeiter auf Auslandseinsatz auch für Grippevorsorgeimpfungen kostenlos vom Staat versorgt werden. Das funktioniert auch in diesem Fall: So wurden in drei Wochen bereits knapp sechs Millionen Menschen geimpft, mit Seren, die in Brasilien in Lizenz hergestellt wurden.

    Unternehmen werden erst eigene Impfkampagnen ankündigen, wenn die staatlich vorgegebenen Prioritätenlisten von gefährdeten Personengruppen abgearbeitet sind. Nur dann besteht nicht mehr die Gefahr, als Impfvordrängler dazustehen.

    Mehr: Wie hoch liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Dax-Konzernen?

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