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European School of Management and Technology (ESMT) Ein Präsident auf Abruf

  • Das Gespräch führte Christoph Mohr.

Die von führenden deutschen Wirtschaftsunternehmen gegründete European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin, München und Köln, Schloss Gracht, kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Nachdem in den letzten Wochen vertrauliche Informationen über die Finanzsituation der Hochschule an die Medien lanciert worden waren, musste nun ESMT-Präsident Derek Abell aus der Presse erfahren, dass seine Tage gezählt seien. Ein medialer Gau, der sich allerdings nahtlos in die jahrelange Geschichte missratener Pressearbeit der ESMT einreiht.

Immer deutlicher wird, dass jetzt der Aufsichtsrat der ESMT GmbH, insbesondere deren Vorsitzender Gerhard Cromme gefordert ist. International gilt die Schule ohnehin nur als "The Cromme School". Hinter Cromme gehen die meisten Aufsichtsratsmitglieder in Deckung. So genau wollen es die meisten deutschen Unternehmen, die die ESMT mit Millionen Euro unterstützt haben, anscheinend gar nicht wissen. Cromme wollte sich auf wiederholte Anfrage des Handelsblatts nicht zu "seiner" Schule äußern. Die Verteidigung musste ESMT-Präsident Abell übernehmen:

Herr Professor Abell, es ist nicht schön, wenn man aus der Presse erfährt, dass man seinen Job verloren hat.

Abell: In der Tat war ich sehr überrascht - nicht von der Ankündigung, sondern weil die Presse wieder einmal die Fakten völlig falsch wiedergegeben hat. Tatsache ist, dass der ESMT-Aufsichtsrat mich vor einiger Zeit gebeten hat, ein Jahr länger im Job zu bleiben, das heißt bis September 2006 statt bis September 2005.

Die Presse, auch das Handelsblatt, hat die ESMT in der Vergangenheit wiederholt als Flop bezeichnet. In aller Fairness: Erklären Sie unseren Lesern, warum die ESMT aus Ihrer Sicht ein Erfolg ist.

Abell: Wir haben jetzt etwa 25 Prozent unserer auf zehn Jahre angelegten Aufbauplans geschafft. Wir sind bereits heute die Nummer eins in Deutschland bei der für Unternehmen maßgeschneiderten Managerfortbildung (Company Specific Programs). Wir bekommen wirklich überragende Beurteilungen von den mehr als 1 000 Managern, die bislang an unseren Programmen teilgenommen haben. Die Renovierung des Staatsratsgebäudes liegt in der Zeit- und in der Budgetplanung. Und wir haben bereits elf verschiedene Nationalitäten unter unseren Dozenten.

Aus uns vorliegenden Dokumenten geht hervor, dass Sie davon ausgehen, dass die ESMT in diesem Jahr Geld in einer Größenordnung von 5,8 Millionen Euro verbrennen wird. Frisst die Schule ihre Substanz auf?

Abell: Diese 5,8 Millionen Euro beinhalten Ausgaben für die IT und für die Ausstattung des 35-Millionen-Euro-Projekts des Staatsratsgebäudes sowie weitere Investitionen in den Aufbau der Fakultät, der Organisation und der Marktstellung der Schule. Jedes erfolgreiche Start-up ist anfangs in den roten Zahlen. Das entspricht auch unserer eigenen Planung sowie der der Gründer.

In Ihrem "President s Report" an den Aufsichtsrat sagen Sie es sehr deutlich: Entweder die deutschen Unternehmen schicken mehr Teilnehmer in die Executive Education-Programme oder die ESMT ist bankrott.

Abell: Ich frage mich wirklich, wie dieser vertrauliche Bericht in Ihre Hände gelangen konnte! Fakt ist, dass eine bessere Entwicklung bei den Company Specific Programs die Mindereinnahmen bei der Executive Education Programs weitgehend ausgleicht. Mit unserem großen Stiftungsvermögen auf der Bank, zwei Gebäuden und 25 Unternehmen hinter uns sehe ich keine Gefahr des finanziellen Scheiterns.

Nennen Sie doch einmal konkrete Zahlen!

Abell: Die Einnahmen aus Company Specific Programs liegen jetzt bei etwa 3,5 Millionen Euro und wachsen schnell. Wir hatten ziemlich viel weniger als diese Summe in unserer Budgetplanung.

In dem "President s Report" sagen Sie auch, dass die deutschen Unternehmen im Grunde gar nicht verstünden, wo ihre Weiterbildungsnotwendigkeiten liegen.

Abell: Das stimmt. Deutschland braucht mehr Leadership-Programme und weniger Management-Training, und das ist etwas, was noch nicht voll begriffen worden ist.

Der offenkundigste Schwachpunkt der ESMT ist es, dass es Ihnen in drei Jahren nicht gelungen ist, gute Professoren permanent nach Berlin zu locken. Das zwingt Sie zu Scheinlösungen wie "faculty professionals", "adjunct faculty" und "visiting faculty".

Abell: Falsch. Unsere Strategie nimmt die wachsende Konvergenz zwischen Business Schools und Beratungsunternehmen vorweg, indem wir Management-Professoren und Consulting-Professionals etwa im Verhältnis von 2:1 in unserem Team mixen. Diese Herangehensweise, die es nur bei uns gibt, erlaubt es uns, nachhaltig wirkende Manager-Fortbildung für Einzelpersonen und für Unternehmen anzubieten. Es macht auch Sinn, am Anfang Vollzeit- und Teilzeitdozenten zu haben, um nicht zu hohe Fixkosten zu haben.

Sie gehen jetzt mit einem Vollzeit-MBA-Programm an den Start, dessen Preis mit 50 000 Euro noch über den Spitzenprogrammen von Insead oder IMD liegen. Es gibt Leute, die halten eine solche Hybris einer Schule, die nicht viel an Professoren, Programm etc. zu bieten hat, schlicht für lächerlich.

Abell: 50 000 Euro liegt am oberen Ende der Preisskala. Aber wir haben 25, von den Gründerunternehmen finanzierte Stipendien zur Verfügung, die es Studenten unabhängig von ihrer Finanzsituation erlauben wird, das Programm zu machen.

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