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Coaching-Ausbildung Coach der Meisterklasse

Ein Coach für den Coach: Immer mehr renommierte Business Schools bieten fundierte Coaching-Ausbildungen an. Beratungsmethoden, psychologisches Wissen und ein hohes Maß an Selbstreflexion gehören zu den Grundlagen. Die Weiterbildung ist teuer, aber auch ein Wettbewerbsvorteil.
  • Bärbel Schwertfeger
Nicht nur Giovanni Trapattoni weiß, wie wichtig gute Nerven für einen Coach sind. Quelle: Reuters

Nicht nur Giovanni Trapattoni weiß, wie wichtig gute Nerven für einen Coach sind.

(Foto: Reuters)

"Durch das Studium habe ich nicht nur eine fundierte Basis für meine Arbeit als Coach bekommen, sondern auch ein anerkanntes Qualitätssiegel", sagt Christina Wanke. Über zehn Jahre hat die Schweizerin als selbstständige Beraterin und Coach gearbeitet und mehrere Weiterbildungen besucht. Dann entschied sie sich 2007 für den damals neuen Studiengang "Masters in Executive Coaching" an der britischen Ashridge Business School. "Der akademische Titel ist gerade im intransparenten Coaching-Markt ein wesentlicher Vorteil", erklärt Wanke, die ihr Beratungsunternehmen Innoaction im Schweizerischen Baar betreibt.

Coaching-Kurse gibt es auch in Deutschland wie Sand am Meer, darunter auch zahlreiche fragwürdige Angebote und Schmalspurausbildungen. "In fünf Tagen zum zertifizierten Business Coach werden", warb etwa die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg vor kurzem. Mit einer fundierten Ausbildung hat so ein Schnellkurs aber wenig zu tun. Dazu gehören neben der Kenntnis und Beherrschung der verschiedenen Beratungsmethoden auch psychologisches Wissen und vor allem ein hohes Maß an Selbstreflexion. Denn ein Coach hat eine hohe Verantwortung. Schließlich erwarten seine Klienten von ihm eine kompetente Unterstützung bei ihren Problemen oder bei ihrer Karriereentwicklung.

Nur wenigen Interessenten ist bislang bekannt, dass einige der renommierten, europäischen Business Schools Coaching-Studiengänge anbieten. Dabei liegt das eigentlich auf der Hand. Schließlich haben sie enge Kontakte zur Wirtschaft und wissen, wo der Schuh dort drückt. Zudem haben ausländische Managerschulen im Gegensatz zu deutschen Business Schools und Hochschulen keine Berührungsängste gegenüber Wirtschaftspsychologen.

Beispiel dafür ist die Topschule Insead in der Nähe von Paris. Dort wird das Programm "Consulting and Coaching for Change" sogar von drei Psychoanalytikern geleitet. Wissenschaftlicher Direktor ist der international renommierte Leadership-Professor und Psychoanalytiker Manfred Kets de Vries. Er brauche einfach Kollegen, die sowohl die Sprache der Wirtschaft verstehen, als auch klinische Erfahrung im psychologischen Bereich haben, erklärt Kets de Vries die Zusammensetzung des Leitungsteams.

In den sieben Modulen des Programms geht es unter anderem um psychodynamische Konzepte, emotionale Intelligenz, Familiensysteme und psychosoziale Dynamiken in Gruppen. "Wir sprechen darüber, warum Menschen so ticken, wie sie ticken, und die Teilnehmer reflektieren ihre eigenen Reaktionen", erklärt der Insead-Professor. Das insgesamt 14-monatige Programm sei ein "sehr intensiver Lernprozess". So finden neben den Präsenzmodulen auch regelmäßige Telefonkonferenzen statt, die Teilnehmer arbeiten an Coaching-Fällen und wenden das Erlernte in ihrem Job an. Die 36 Plätze pro Jahr sind heiß begehrt. "Wir haben stets mehr Bewerber als Plätze", erklärt Kets de Vries. Dabei kann man sich zu dem Programm nicht einfach anmelden, sondern muss etliche Hürden überwinden. Dazu gehören das Verfassen mehrerer Essays sowie ein persönliches Interview in Paris, Frankfurt oder Amsterdam. Am Ende erhalten die erfolgreichen Teilnehmer ein Insead-Diploma.

Einen Kurs mit demselben Namen, "Consulting and Coaching for Change", bietet auch die HEC Business School zusammen mit der Said Business School an. Die sechs Module finden je zur Hälfte in Paris und Oxford statt. Inhalte sind unter anderem "Psychodynamik und Veränderung" und "Veränderung als soziale Herausforderung". Die derzeit 23 Teilnehmer kommen aus 18 Ländern, darunter Ungarn, Brasilien, Südafrika und Ägypten. Wer eine Abschlussarbeit an der HEC schreibt, bekommt neben dem Teilnahmezertifikat auch einen Master of Science (MSc) in Consulting and Coaching der HEC verliehen.

Auch in Ashridge gibt es neben dem Zertifikatsprogramm "Coaching for Organisation Consultants" auch noch ein Master-Studium. "Der Bereich Coaching ist erheblich professioneller geworden", erklärt Erik de Haan, Direktor des Ashridge Centre for Coaching. Mit einem Master-Studiengang könne man eine noch fundiertere und qualitativ höherwertige Ausbildung anbieten. "Wir nützen moderne Forschungsansätze aus dem Coaching und aus der Psychotherapie und forschen auch", erklärt der Psychologe. Im Fokus steht dabei der von de Haan geprägte Ansatz des relationalen Coachings, bei dem Beziehungen zwischen Coach, Klienten, Unternehmen und Umfeld im Mittelpunkt stehen. "Es geht darum, seine Coachingtätigkeit detailliert zu reflektieren und die verschiedenen Komponenten sorgfältig auseinander zu halten", erklärt Christina Wanke. So müsse sich ein Coach stets klar sein, wie er den Arbeitsprozess auch durch seine eigene Person mitgestaltet. Diese Tiefgründigkeit und intensive Arbeit an der eigenen Person habe sie in anderen Coaching-Kursen bisher nicht erlebt.

Bestandteil des Studiums ist die "Ashridge Coaching Accreditation". Bei diesem Qualitätstest müssen die Teilnehmer eigene Fallstudien und Aufnahmen von Coaching-Sitzungen vorlegen und ein 20-minütiges Live-Coaching vor der Kamera absolvieren. "Das ist eine hohe Hürde", sagt de Haan. So schaffe mehr als ein Viertel der Teilnehmer die Prüfung trotz guter Vorbereitung beim ersten Mal nicht. "Die Akkreditierung ist daher ein sehr gutes Benchmark für die Qualität und Professionalität eines Coaches", erklärt der Ashridge-Direktor. Christina Wanke hat diese Hürde genommen und darf sich heute "Ashridge Accredited Coach" nennen - dieser Titel auf der Visitenkarte ist ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil.

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