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Ehrgeiz Inneres Feuer

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Was aber prägt ehrgeizige Menschen? Immer schwingt, meist eher unbewusst als eindeutig, auch die Sehnsucht mit, begehrt und geliebt zu werden – eine sich gegenseitig verstärkende Anziehungskraft der Ehrgeizigen. Erfolgreiche Frauen fühlen sich zu Männern hingezogen, die beruflich ehrgeizig sind und an die Spitze drängen. Hoch motivierte Männer legen sich umso mehr ins Zeug, sind umso ambitionierter, je mehr sie auf die Gunst attraktiver Frauen hoffen dürfen. Sex und Ehrgeiz sind Geschwister, anthropologisch gesehen.

Auf der Suche nach weiteren Antworten lohnt ein Blick in das psychologische Labor von Eignungsdiagnostiker Heinz Schuler. Der Professor für Psychologie an der Stuttgarter Universität Hohenheim ist einer der profiliertesten Eignungsdiagnostiker in Deutschland. Er entwickelt Tests, mit denen die Leistungsmotivation von Schülern oder Sportlern gemessen werden kann. „Leistungsmotivation wird häufig mit Ehrgeiz gleichgesetzt. Und die Leistungsmotivation ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg“, sagt Schuler.

In den Fragebögen müssen Testkandidaten Fragen zu ihrem Arbeits- und Leistungsverhalten beantworten. Die Ehrgeizigen unter den Kandidaten zeichnen sich durch hohe Werte in Bereichen aus, die Schuler als Leistungsstolz, Wettbewerbsorientierung und Statusorientierung bezeichnet. Wer ehrgeizig ist, will zufrieden mit seinen Leistungen und mit sich selbst sein. Er sieht sich gerne im Wettbewerb mit anderen.

Viele ehrgeizige Menschen haben sich aus ungünstigen Verhältnissen nach oben gearbeitet. Ihnen ist oft eine Fähigkeit zu eigen, die Schuler „kompensatorische Anstrengung“ nennt. Weil die Angst vor dem Abstieg immer mitschwingt, entwickelt der ehrgeizige Emporkömmling Kontrollstrategien, indem er etwa immer übervorbereitet in Meetings geht – auch auf die Gefahr hin, zum Streber vom Dienst zu werden.

Ehrgeiz verändert sich im Laufe der Zeit: „Bei jungen Menschen ist der Ehrgeiz größer. Wer einen gefestigten Status und Anerkennung erhalten hat, konzentriert sich darauf, die Macht zu erhalten“, sagt Schuler. Ein Ergebnis der Leistungsmotivationsforschung ist auch, dass sich Ehrgeiz keiner Berufsgruppe zuordnen lässt. In den Leistungsmotivationstests erweist sich der Faktor Ehrgeiz eher bei Menschen als dominant, die intellektuell brillieren wollen, etwa Wissenschaftler. Unternehmer zeichnen sich dagegen eher durch Motive wie Unabhängigkeit und Furchtlosigkeit aus.

Ein ehrgeiziger Stil ist demnach Teil der Persönlichkeit, freilich nicht unbedingt schicksalhaft. „Mag ja sein“, sagt der amerikanische Psychologe Dean Simonton von der Universität von Kalifornien, UC-Davis, „dass bestimmte Energien in uns von vorneherein genetisch bedingt sind. Aber oft kommt es einfach darauf an, herauszufinden, wofür sich diese inneren Antriebskräfte lohnen.“ Die Frage ist: Was, bitte schön, kann ich mit meinem Ehrgeiz am besten anstellen?

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