Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konkurrenzlos gut? Neuer MBA-Eignungstest

Mehr als 50 Jahre ist es jetzt her, dass sich die Dekane namhafter Business Schools einen eigenen Test wünschten, mit dem sie ihre künftigen Studenten aus der Bewerbermasse picken wollten. GMAT war bis vor kurzem der Name dieses Standardtests für einen MBA. Doch jetzt kommt GRE. Für Bewerber ändert sich dabei aber wenig.
Kommentieren
Schwitzen für die MBA-Bewerbung: Viele Schulen verlangen den Test GMAT. Quelle: dpa

Schwitzen für die MBA-Bewerbung: Viele Schulen verlangen den Test GMAT.

(Foto: dpa)

Der Graduate Record Examination Test (GRE), der bis heute für viele Masterstudiengänge verlangt wird, reichte den Dekanen namhafter Business Schools nicht aus. Ihr Wunsch nach einem eigenen Bewertungsinstrument für Bewerber wurde mit der Entwicklung des Graduate Management Admission Test (GMAT) erfüllt und zum konkurrenzlosen Standard für die MBA-Programme an den Business Schools. Bis jetzt. Denn nun bekommt er Konkurrenz.

Und das ausgerechnet vom älteren Bruder GRE, der ihm seine dominante Stellung streitig machen will. Der GRE soll MBA-Bewerbern mehr Türen öffnen, doch dazu müssen ihn erst einmal genügend Schulen akzeptieren. Bisher sind es rund 250, auch einige Top-Anbieter sind darunter. Damit der GRE für Bewerber eine echte Alternative ist, reicht das aber nicht.

Prominente amerikanische Adressen wie Harvard, Stanford oder Wharton und seit kurzem NYU Stern akzeptieren den GRE. International haben sich Schulen wie die chinesische CEIBS oder das spanische Instituto de Empresa zum GRE bekannt. In Deutschland ist die Handelshochschule Leipzig die einzige der bekannten MBA-Schulen. Tias Nimbas beispielsweise lässt seinen Bewerbern für den Teilzeit-MBA in Bonn die Wahl zwischen GMAT und einem eigenen Test. Wer sich als Deutscher an mehreren Schulen bewerben will, kommt um den GMAT also noch nicht herum. Zumal nicht nur Wharton den GRE erst für den MBA-Start 2011 akzeptiert. „Es wäre nicht fair, das im laufenden Bewerbungsverfahren zu ändern“, begründet dies J.J. Cutler, Leiter des Zulassungsverfahrens an der Wharton School.

Für Bewerber aus anderen Ländern könnte der GRE hingegen interessant sein. Denn sein großer Vorteil ist die Verbreitung: Der GMAT wird in 110, der GRE in 165 Staaten angeboten, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern ist er weiter verbreitet. „Der GRE ist für Studenten leichter zugänglich“, wirbt David Payne vom GRE-Lieferanten ETS. David Wilson vom Graduate Management Admission Council (GMAC) hält dagegen: „Es gibt zwar mehr Testcenter, aber viele nehmen nur an wenigen Tagen im Jahr den Test ab. Die GMAT–Center haben sechs Tage je Woche geöffnet.“ Dem widerspricht Payne jedoch.

Die Konkurrenz für den GMAT ist neu. Denn bis vor einigen Jahren hat ETS noch beide Tests geliefert und durfte den GRE nicht an Business Schools anbieten. Jetzt vertreibt ein Konkurrent den GMAT und ETS kann mit seinem Test auf dem MBA-Feld wildern.

Der GRE soll den Schulen einen völlig neuen Bewerberpool öffnen: All jene, die zwischen einem spezialisierten Master und dem MBA schwanken. Sie mussten bisher beide Tests absolvieren und bezahlen. 150 bis 205 US-Dollar kostet der GRE, 250 Dollar werden für den GMAT fällig. In Zukunft sollen sich Bewerber die 250 Dollar sparen können – so die Hoffnung vom Anbieter ETS. „Wir werden an den Punkt kommen, an dem viele Schulen beide Tests akzeptieren“, sagt Payne. In diesem Jahr habe sich bis dato die Zahl der Getesteten, die ein MBA-Programm anstreben verdoppelt. Absolute Zahlen habe ETS aber nicht.

Viele amerikanische Studenten absolvieren den GRE schon am Ende des Bachelorstudiums, unabhängig davon, ob und welchen Master sie dranhängen wollen. Die Ergebnisse bleiben fünf Jahre gültig, auch wenn sie in der Zwischenzeit gearbeitet haben. Indem Schulen den GRE akzeptieren, hoffen sie, diese Bewerber anzusprechen. „Das sind vielleicht Studenten, die noch früh in ihrer Karriere stehen, aus dem Non-Profit- oder öffentlichen Sektor kommen, einen anderen Hintergrund, wie Kunst oder Geisteswissenschaften, haben und Karrieren in Bereichen wie der Gesundheitswirtschaft, Verwaltung und Regierung anstreben“, mutmaßt Wharton-Direktor Cutler.

Beide Tests fußen auf dem gleichen Schema. Sie fragen kritisches Denken, analytisches Schreiben, die verbale Ausdrucksfähigkeit und quantitativ-mathematisches Analysevermögen ab. „GRE und GMAT haben immer das Gleiche getestet“, sagt David Payne vom Anbieter ETS. Doch die Unterschiede liegen im Detail. Der GMAT fragt schon seit Jahrzehnten keine Analogien mehr ab, da sie einfach zu leicht zu merken waren. Zudem enthält er Fragen, die man ähnlich den Fallstudien im MBA-Programm auf der Basis unvollständiger Informationen beantworten muss. Er gilt zudem als schwieriger. Beide Tests werden aber gerade verbessert.

Studien haben gezeigt, dass der GMAT ein Indikator für den Erfolg der Studenten im MBA ist. Für den GRE existieren diese bisher nicht. Einen Beweis für die Güte seines Tests sieht Payne aber in der Akzeptanz: „Führende Schulen würden ihn doch nicht nehmen, wenn sie nicht davon überzeugt wären.“ Aber wer mit den Schulen spricht, gewinnt den Eindruck: Einige –auch solche, die den Test akzeptieren – haben sich mit dem Thema noch gar nicht intensiv auseinander gesetzt.

Und dann gibt es da noch die Gegner. „Ashridge wird den GRE-Test für den MBA nicht akzeptieren“, sagt Geschäftsführer Kai Peters, der zugleich Chef des Leitungsgremiums von GMAC ist. Auch die deutsche WHU sieht den GMAT als „geeignetere Form des Assessments“ an. Andere Schulen pflichten dem bei, wenn auch nicht immer mit der gleichen Konsequenz. „Der GMAT ist die bessere Prüfung“, sagt Camila de Wit, die das Zulassungsverfahren an der spanischen Business School Esade leitet. Dennoch will Esade in den nächsten Jahren auch den GRE akzeptieren. Andere Schulen halten sich mit Bewertungen zurück. Türen muss man sich schließlich offen halten.

Startseite

0 Kommentare zu "Konkurrenzlos gut?: Neuer MBA-Eignungstest"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote