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LAG: Nicht jedes Wort auf Goldwaage legen Kein Schadensersatz für mehrdeutiges Zeugnis

Über die Bedeutung einzelner Formulierungen in Arbeitszeugnissen wie "gesellig", "tolerant", "unbeschwert" oder "beliebt" wird vor den Arbeitsgerichten immer wieder gestritten. Auf der Suche nach verklausulierten negativen Wertungen in Arbeitszeugnissen sollten Mitarbeiter und ihre Anwälte aber nicht gleich jedes Wort auf die Goldwaage legen.

HB/crz GARMISCH. Das gilt auch für die Aussage: "Er ist ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter". Das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf sieht hierin nämlich ausschließlich die positive Beschreibung eines motivierten Mitarbeiters, der in seinem Arbeitsgebiet Verbesserungen anstrebt und diese auch durchsetzt.

Damit wies das Gericht die Schadensersatzklage eines ehemaligen Mitarbeiters ab, der von seinem Arbeitgeber wegen dieser angeblich unrichtigen Formulierung in einem Zwischenzeugnis über 10 000 Euro Schadensersatz dafür gefordert hatte, dass er sich mit diesem Zeugnis nirgendwo habe bewerben können.

Die Vorinstanz hatte die Zeugnisformel noch dahin gedeutet, dass der Arbeitnehmer damit als eigensüchtige Persönlichkeit beschrieben werde, die anderen gegenüber auf ihre Rechte pocht und gern nörgelt. Diese Interpretation überziehe aber die allgemeine Sprachbedeutung, meinten dagegen die Düsseldorfer Richter. Zeugnisaussteller dürften grundsätzlich davon ausgehen, dass Begriffe gemäß ihrer allgemeinen Sprachbedeutung auch im Arbeitsleben verstanden und im Zusammenhang mit anderen Aussagen gesehen werden. Dabei müssten sie keine Rücksicht darauf nehmen, dass der eine oder andere Leser von überhöhtem Misstrauen geleitet wird.

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