Managereid Ethik und Verantwortung per Schwur

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Bisher sieht es aber nicht danach aus. Wer mit Schulen in den USA und Deutschland spricht, muss meist erst einmal erklären, was das Davoser Gelöbnis eigentlich ist. Bisher ist das Netzwerk laut EBS-Chef Jahns auch noch nicht auf sie zugegangen. Doch die Schulen seien auch nicht wirklich bereit, einen Eid zu übernehmen, sagt Cabrera. Denn Kritiker, wie Anette Tronnier, Geschäftsführerin der Gisma Business School, gibt es viele. "In meinen Augen ist das wilder Aktionismus. Ich glaube auch nicht, dass man damit junge Menschen erreicht."

Offen ist zudem, wer kontrollieren soll, dass die Wirtschaftsführer den Eid auch wirklich befolgen. "Um ehrlich zu sein, wissen wir das auch noch nicht", gesteht Cabrera. Einzige Kontrollmöglichkeit ist laut Jahns die soziale Ächtung - der Bruch des Eids müsse in sozialen Netzwerken dokumentiert werden.

Daran wird deutlich, dass der Eid nur der erste Schritt sein kann zu einem höheren Ziel: der Etablierung eines Berufsethos unter Managern. So sieht es auch Rich Leimsider. Der Direktor am Aspen Institute kümmert sich um die Organisation für eine Gruppe, die sich "The Oath Project" nennt. Was mit einer Telefonkonferenz begann, ist heute ein Zusammenschluss von Akteuren, die einen weltweit einheitlichen Managereid kreieren wollen.

Daran beteiligt sind die bekannten Verfechter: Angel Cabrera, die Harvard-Professoren Rakesh Khurana und Nitin Nohria, Max Anderson und andere Harvard-Absolventen, Mitglieder des World Economic Forum und des Netzwerks Young Global Leaders. Sie würden auf dem nächsten Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar gern einen einheitlichen Eid vorlegen, sagt Leimsider. Es wäre der erste Schritt dahin, dass Wirtschaftsführer ihre Rolle und ihren Weg überdenken. Ob sie das bis zum Januar schaffen, ist fraglich. Doch selbst wenn es etwas länger dauert - gegen 100 Jahre sind ein paar Monate nichts.


YOUNG GLOBAL LEADERS


Das Weltwirtschaftsforum nimmt jedes Jahr 200 bis 300 junge Führungskräfte in den Kreis des Netzwerks Young Global Leaders auf. Sie vertreten alle Regionen der Welt und sind außergewöhnliche Menschen aus Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur, von denen das Forum glaubt, dass sie die Zukunft entscheidend mitprägen.

Die Mitglieder müssen zum Zeitpunkt der Nomininierung jünger als 40 Jahre sein. Jedes Jahr sind auch einige Deutsche dabei, 2009 unter anderem die Schwimmerin und Paralympics-Siegerin Claudia Hengst, Rennfahrer Michael Schumacher, Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der Präsident der European Business School Christopher Jahns sowie Bertelsmann-Manager Immanuel Hermreck.

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