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Personal-Studie Kaum Chefwechsel in der Coronakrise

In der Krise scheuen viele Firmen einen Wechsel an der Spitze, zeigt eine neue Studie. Das könnte überfällige Modernisierungen verzögern, mahnen die Autoren.
08.09.2020 - 17:21 Uhr Kommentieren
Während der vergangenen Rezessionen ging die Zahl der neu ernannten CEOs um bis zu 32 Prozent zurück.
Weniger Chefwechsel

Während der vergangenen Rezessionen ging die Zahl der neu ernannten CEOs um bis zu 32 Prozent zurück.

Düsseldorf In der Coronakrise brechen bei vielen Unternehmen Umsätze und Gewinne ein – doch die meisten Unternehmen halten an ihren Chefs fest. In Europa haben die Aufsichtsgremien im April und Mai dieses Jahres, also zum Höhepunkt der Pandemie, ein Drittel weniger neue Firmenchefs ernannt als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Bain und die auf die Vermittlung von Führungskräften spezialisierte Firma Spencer Stuart. „Viele Unternehmen scheuen in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit den Wandel“, wird Bain-Partner Imeyen Ebong in einer Mitteilung zitiert.

Die Studienautoren mahnen, dass es nicht in jedem Fall die richtige Entscheidung sei, an den Chefs festzuhalten. „Längst überfällige Kursänderungen verzögern sich, zugleich können Wachstumschancen versäumt werden“, sagt Ebong.

Das Phänomen, in schwierigen Zeiten auf bestehende CEOs zu setzen, zeigte sich laut Studie auch in vergangenen Krisen. Und zwar auf einem ähnlichen Niveau wie derzeit: Während der vergangenen globalen Rezessionen ging die Zahl der neu ernannten CEOs in Europa, den USA und in Asien um bis zu 32 Prozent zurück.

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    Besonders deutlich zeigt sich das in Amerika. Dort wurden während der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 bis zu 64 Prozent weniger Firmenchefs wegen schlechter Geschäftsergebnisse oder Skandalen entlassen. Bain und Spencer Stuart haben rund 2700 CEO-Wechsel analysiert, die zwischen 1996 und 2020 während globaler Wirtschaftskrisen stattfanden.

    Erst zwei Jahre nach der Flaute erreichen die Führungswechsel wieder das Vorkrisenniveau

    In der Regel erreicht die Anzahl der Führungswechsel erst zwei Jahre nach dem Tiefpunkt der Wirtschaftsflaute wieder das Vorkrisenniveau, dann eben, wenn die Unsicherheit ein Stück weit abgenommen hat, zeigt die Studie. Heißt: Die Coronakrise dürfte dafür sorgen, dass die meisten Firmenchefs auch in Deutschland noch eine Weile im Amt bleiben werden. Die letzte Veränderung an der Konzernspitze gab es im Frühjahr bei SAP.

    Für das Festhalten an den Chefs machen die Autoren zwei Dinge verantwortlich: Einerseits seien viele Aufsichtsgremien zu unentschlossen über die künftige Firmenstrategie, andererseits wollten viele CEOs gerade in der Krise im Job bleiben, um ihr Unternehmen durch die schwierige Zeit zu steuern.

    Die Experten raten Aufsichtsräten, dass sie die Krisenperformance der CEOs überprüfen sollen. Passe das Handeln des Chefs nicht mit der Firmenstrategie überein, müsse es einen Wechsel geben. Grundsätzlich empfehlen die Autoren, einen Notfallplan zu entwickeln, indem sie Kriterien festlegen, denen ein künftiger CEO gerecht werden muss. Auch eine Liste mit potenziellen Nachfolgern sei hilfreich.

    Wer damit erst jetzt anfange, sei zu spät dran. In der Regel dauere es bis zu einem Jahr, bis ein CEO-Anforderungsprofil stehe. Auch das mag ein Grund sein, warum viele Unternehmenslenker in der Krise im Amt bleiben können.

    Mehr: Gehaltslücke Corona: Wie sich die Krise auf die Gehälter der Dax-Chefs auswirkt

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