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Pflicht zur Erholung Resturlaub während des Lockdowns – So schalten Sie am besten ab

Vielen steht der ersehnte Urlaub bevor. Einige fragen sich: verschieben – oder genießen? Experten geben Tipps, wie Sie die freie Zeit am besten nutzen.
02.12.2020 - 11:13 Uhr Kommentieren
Relaxen im Resturlaub: Offline-Hobbys wie Lesen helfen beim Entspannen. Quelle: Thought Catalog on Unsplash
Weihnachtsurlaub

Relaxen im Resturlaub: Offline-Hobbys wie Lesen helfen beim Entspannen.

(Foto: Thought Catalog on Unsplash)

Düsseldorf Urlaub ist die Zeit der Erholung – schon von Gesetzes wegen: „Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten“, heißt es im Bundesurlaubsgesetz. Das ist für die meisten auch keine Alternative. Sie haben genug im Homeoffice gearbeitet – aber dort wegen des Lockdowns jetzt auch die Ferien verbringen?

Tatsache ist: In den Skiurlaub oder wärmere Gefilde zu entfliehen, wird in diesem Jahr schwierig. Die Bundesregierung warnt sogar davor: „Alle nicht zwingend erforderlichen beruflichen und privaten Reisen, insbesondere touristische Reisen auch ins Ausland unter anderem in Hinblick auf die Skisaison sind zu vermeiden“, heißt es in ihrem Beschluss vom 25. November.

Wo und wie also wieder zu Kräften kommen? Das Handelsblatt hat Freizeitforscher, Gesundheitswissenschaftler und Coaches befragt – und im Internet nach Ideen geforscht, aus der sich eine kleine Liste mit Tipps zur Besinnung und Erholung zusammenstellen lässt.

Priorität 1: Nehmen Sie Ihren Resturlaub – jetzt

Die Pause ist notwendig, darin sind sich Forscher und Coaches einig – und von der vagen Möglichkeit, den Resturlaub ins nächste Jahr zu übertragen, raten die meisten ab: „2020 war anstrengend, hat Nerven und Kraft gekostet. Es ist daher Zeit, den Stress hinter sich zu lassen und die Batterien aufzuladen“, sagt Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der „Stiftung für Zukunftsfragen“. Schwerpunktmäßig forscht er zum Thema Freizeit-, Konsum- und Tourismusverhalten der Deutschen.

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    Ein Urlaub sei jetzt nicht unbedingt die richtige Wahl: Weite Fahrten sorgten für Stress, weil man sich immer die Fragen stellen müsse: Welche Regeln gelten am Urlaubsort? Gibt es überhaupt Flüge? Was, wenn aus dem Urlaubsort ein Risikogebiet wird? Folgt anschließend die Quarantäne?

    Der Rentierschlitten bleibt in diesen Weihnachtsferien vielerorts leer. Für den Resturlaub sind Alternativen gefragt. Quelle: Norman Tsui on Unsplash
    Weihnachtsurlaub

    Der Rentierschlitten bleibt in diesen Weihnachtsferien vielerorts leer. Für den Resturlaub sind Alternativen gefragt.

    (Foto: Norman Tsui on Unsplash)

    „Das hieße, den Fokus auf etwas zu lenken, was passieren könnte“, befürchtet Utz Niklas Walter, Leiter des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG). Und das sei kontraproduktiv zur Erholung. Eine klare Abgrenzung hält er für wichtig: „Wer glaubt, er bräuchte das nicht, wird irgendwann mit hoher Wahrscheinlichkeit doch feststellen, dass es ihm langfristig gut tut.“ Es sei für die Mehrheit der Beschäftigten schlichtweg nicht gut, wenn der Körper und die Psyche rund um die Uhr in Alarmbereitschaft seien. „Das führt zu Unruhe, Schlafproblemen – und dadurch ist die Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigt.“

    Priorität 2: Schalten Sie komplett ab

    Das bedeutet: raus aus dem Hamsterrad: „Löschen Sie alle optischen Reminder, die signalisieren ‚Achtung Arbeit‘“, empfiehlt Topmanagement-Coachin Cordula Nussbaum. Idealerweise sollten Berufstätige für Jobfragen nicht erreichbar und auch nicht zuständig sein. „Eine gute Vertreterregelung ist also besonders dann unabdingbar, wenn wir zu Hause Urlaub machen“, weiß die Wirtschaftspsychologin. Wer sich hingegen zuständig fühle, der tappe gerne in die „Schnell mal Mails checken“-Falle. „Und schon sind Sie wieder zeitlich und gedanklich im Job.“

    Für elementar halten es daher alle, das Diensthandy abzuschalten und keine Mails zu checken. „Das hat sogar einen Lerneffekt für die tägliche Arbeit“, sagt Gesundheitsberater Walter. Denn auch in der Mittagspause sei es ratsam, in Ruhe aufzutanken. Um die beste Entspannung zu erreichen, rät Walter zu einem Urlaubs-Countdown. Ein kleines Ritual könne dabei helfen, den Schalter umzulegen. Und das funktioniert so:

    • Setzen Sie sich zum Beispiel eine Stunde hin und lassen Sie Revue passieren, was wichtig war und wichtig wird. Denken Sie über Problemlösungen nach und schreiben Sie sie auf. Auf diese Weise stellen Sie für sich selbst fest: Ich habe alles im Griff.
    • Letzte To-Dos dürfen Sie durchaus ins nächste Jahr verschieben. Das sei ein „kleiner, aber durchaus legitimer Trick“, um das Jahr im Reinen abzuschließen, so Walter.
    • Räumen Sie dann Ihren Arbeitsplatz auf, starten Sie die Abwesenheitsnotiz und sagen Sie den Kollegen Tschüss – im vollen Vertrauen darauf, dass diese während Ihres Urlaubs das Wesentliche schon richten werden.

    Priorität 3: Planen Sie Ihren Urlaub zu Hause durch

    Ein durchdachtes Programm sorgt für Vorfreude und hilft dabei, den Urlaub zu Hause genauso attraktiv zu finden wie eine Auslandsreise. So banal es klingen mag: „Beschäftigen Sie ihren Kopf mit schönen, positiven Impulsen, dann kommt die Erholung von ganz alleine“, sagt Cordula Nussbaum.

    Zunächst geht es darum, einen Kontrast zum (Corona-)Alltag zu finden. Ausschlafen, in Ruhe frühstücken und sich der Zeit für solche Dinge bewusst zu werden, die sonst zu kurz kommen – das ist ein Warm-up zum Urlaubsstart.

    Dann kann es – langsam – losgehen: Wer aber denke, „er müsse sich jetzt auf Teufel komm raus so schnell wie möglich erholen, der löst den Stress erst recht aus“, warnt Coachin Nussbaum. So sei es für manche Menschen eben wichtig, erst mal auch unangenehme Aktivitäten in Angriff zu nehmen, etwa den Keller zu entrümpeln. Auch das sei entspannend, denn „erledigte To-dos setzen Glückshormone frei“.

    Etwas Schönes sollte jeder Tag bringen. Und am einfachsten funktioniert das über ausreichend Bewegung im Tageslicht an der frischen Luft. Schon kleine körperliche Aktivitäten können dabei dem Wohlbefinden dienen und sind wichtig, um auch psychisch gesund zu bleiben. Das bestätigt eine aktuelle Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. „Das führt sogar zu Glückseligkeit“, hebt Freizeitforscher Ulrich Reinhardt hervor – und ist somit die beste Basis für erholsamen Urlaub.

    Darauf lässt sich aufbauen. Mit folgenden Programmpunkten ist es einfach möglich, sich einen individuellen Urlaub zusammenzustellen:

    „Gönnen Sie sich etwas“

    Fitness: Spazieren gehen, stundenlang wandern, joggen – alles, was außerhalb der eigenen vier Wände stattfindet, erfrischt die Seele. Sightseeing in der eigenen Stadt überrascht nicht nur neue Einwohner. Eine Radtour in die Umgebung oder ausgiebige Winterwanderungen lassen für Neuentdeckungen ordentlich Raum.

    Viele werden feststellen: Was sie im Auslandsurlaub regelmäßig praktizieren, haben sie zu Hause noch nie ausprobiert. „Nicht nur das Licht und der Sauerstoff haben einen guten Einfluss“, sagt Utz Niklas Walter. „Es wirkt sich positiv aus, die Natur einmal anders wahrzunehmen und seine Sinne einfach arbeiten zu lassen.“

    Auch Yoga, Meditation und Wellness sind für die geistige Fitness elementar. Nicht nur Fortgeschrittene können hier stundenlang auf ihre Kosten kommen: Auf Youtube etwa gibt es Einsteigerkurse für Yoga und Meditation, die Sie für sich ausprobieren können. Alternativ können Sie einen Kurs im Studio ums Eck buchen, wenn er denn online angeboten wird.

    Essen: „Gönnen Sie sich etwas, ein schmackhaftes Essen oder ein leckeres Getränk lassen sich ideal mit einem guten Gespräch verbinden“, findet IFBG-Leiter Walter. Dabei kann man auch die Gastronomie vor Ort hervorragend unterstützen, indem man aus der dortigen Menükarte etwas bestellt und zu sich nach Hause liefern lässt.

    Natürlich ist es auch möglich, die eigenen Kochkenntnisse zu erweitern. Gerade die Corona-Zeit hat viele dazu animiert, wieder selbst zu kochen und Neues auszuprobieren, wie es eine repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts Kantar zeigt. Wer es selbst nicht austesten will, kann ebenfalls auf Onlineangebote zurückgreifen, die über Erlebnisportale oder direkt bei Kochschulen gebucht werden können.

    Einen schönen Einstieg in die Zubereitung von Mahlzeiten bietet nach wie vor auch ein klassisches Kochbuch. Offline selbstverständlich.

    Kulturgenuss vom Sofa aus

    Spiele, Musik, Lesen: „Offline-Hobbys sollten Sie viel stärker genießen“, rät Utz Niklas Walter. Gerade die ältere Generation sollte mal überlegen, was sie in den 80er/90er-Jahren gemacht hat: musizieren, malen, Brett- oder Kartenspiele oder Bücher lesen. „Stricken kommt bei einigen wieder in Mode, und Puzzeln hat zu Beginn der Coronazeit einen kleinen Boom erlebt – sogar bei einigen Managern“, stellt der Gesundheitsberater fest.

    Neu sei dagegen das „Upcyclen“, also das Basteln von etwas aus Abfall. Um bei den Anglizismen zu bleiben: Cordula Nussbaum empfiehlt das „Extrem Couchening“ – Kulturgenuss in jeglicher Form vom Sofa aus. Auch „Journaling“ ist während der Coronakrise wieder populärer geworden: Dabei versuchen Menschen, durch Schreiben sich selbst besser zu erkennen oder ihre Probleme zu lösen.

    Gemeinschaftserlebnisse: Als Paar, mit Freunden oder als Familie: Auf viele Arten ist es möglich, im kleinen Kreis Zeit miteinander zu verbringen. Gemeinsam in einem digitalen Escape-Room auf Rätseltour gehen, kann sehr spannend sein. Und auch ein geplanter Filmabend muss nicht als unspektakulärer Fernsehabend enden. Selbst ein gemeinsames Kochen mit Kindern kann auch bei den jüngeren Familienmitgliedern großes Interesse wecken: „Wenn Sie es als Event planen, zu dem jeder etwas beisteuert, wird es sogar zum richtigen Erlebnis“, sagt Gesundheitsberater Walter. Eine schöne Geschenkidee ist darüber hinaus ein All-inclusive-Tag, den Freunde, Paare oder Familie gegenseitig füreinander ausrichten.

    Virtuelle Reise: Der Tapetenwechsel kann auch virtuell und medial gelingen: Neue Länder kennen zu lernen ist über Dokumentationen auf Streamingportalen wie Netflix möglich. Auch die Erfahrungen-Rubrik bei Airbnb erlaubt ungewöhnliche Einblicke in eine andere Welt. Es gibt im Internet und auf Youtube die vielfältigsten Angebote, sich in hippe Städte oder auf entlegene Inseln wegzuträumen.

    Das kann sogar dazu führen, aus lauter Fernweh gleich den nächsten Urlaub zu planen. „Und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude“, sagt Freizeitforscher Reinhardt. Ach ja: Dafür gleich die richtige Sprache zu lernen, wäre auch noch ein Spaß.

    Wer aber nicht davon abzubringen ist, in dieser jetzigen Zeit ins Ausland fahren zu müssen, sollte sich die Risikogebiete genau anschauen und sich verdeutlichen: „Egal wo es hingehen würde, die Angst und Unsicherheit wären stets mit dabei“, sagt Freizeitforscher Ulrich Reinhardt. Bei Ein- und Ausreise sind oft mehrfache, teils kostenpflichtige Covid-19-Tests erforderlich.

    Außerdem könnten berufliche Nachteile entstehen: Selbstverschuldet in Quarantäne zu müssen kann bedeuten, kein Gehalt in dieser Zeit ausgezahlt zu bekommen. Manchen droht je nach Betriebsvereinbarung gar eine Abmahnung oder Kündigung, wenn sie die mögliche Quarantänezeit nicht in ihrem Urlaubsantrag berücksichtigt haben.

    Mehr: Der Streit über ein Ski-Verbot entzweit Europa

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