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Philipp Kalweit Deutschlands jüngster Profi-Hacker: „Ich fand es schon immer interessant, die Fehler im System zu finden“

Als Schüler gründete Philipp Kalweit bereits ein Hacker-Start-up. Er verrät, was ihn motiviert – und wie er mit seiner Rolle als junger Chef umgeht.
23.11.2020 Update: 24.11.2020 - 17:06 Uhr Kommentieren
„Sobald man etwas tun kann, was so nicht vorgesehen ist, fühlt man sich auf eine gewisse Weise sehr privilegiert und erhaben.“ Quelle: Kalweit ITS
Philipp Kalweit

„Sobald man etwas tun kann, was so nicht vorgesehen ist, fühlt man sich auf eine gewisse Weise sehr privilegiert und erhaben.“

(Foto: Kalweit ITS)

Hamburg Philipp Kalweit, 20, ist Deutschlands jüngster Profi-Hacker. Seit seinem 16. Lebensjahr berät Kalweit, der als Sohn einer alleinerziehenden Mutter mit philippinischen Wurzeln in Hannover aufwuchs, Unternehmen zu IT-Sicherheit. 2017 gründete er das Beratungsunternehmen Kalweit ITS in Hamburg.

Seine Mission: mehr Sicherheit für die digitale Welt. Der Jungunternehmer wurde vom Magazin „Forbes“ in die „30 unter 30“-Liste der wichtigsten Nachwuchs-Talente weltweit aufgenommen.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Philipp, schon mit neun Jahren hast du das erste Mal an einem PC geschraubt. Was hat dich daran so fasziniert?
Zuerst wollte ich eigentlich nur mal einen Rechner haben. Später waren es dann die unendlichen Möglichkeiten, die sich mir damit boten. Vor allem diejenigen, die nicht einmal der Geräte-Entwickler selbst vorgesehen hatte.

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    Eine Art Detektivspiel also?
    Man könnte es eher mit einer schweren Matheaufgabe vergleichen. So mancher hat Spaß daran, sie zu lösen. Ich dagegen fand es schon immer sehr interessant, als Anwender Fehler im System zu finden.

    Warum?
    Sobald man einen Fehler aufspürt und nun etwas tun kann, was so nicht vorgesehen ist, fühlt man sich auf eine gewisse Weise sehr privilegiert und erhaben.

    Kannst du dafür mal ein konkretes Beispiel geben?
    Nehmen wir Pfandflaschenautomaten. Bei so einem Automaten habe ich mal eine Energydrink-Dose aus einer Sondercharge mit 25 Prozent mehr Inhalt als üblich gefunden. Als ich sie einwarf, war der Automat darauf nicht vorbereitet. Das Gerät hat zwar das Siegel erkannt, aber die Flasche wieder ausgeworfen. Spannend war, dass es trotzdem zu einer Gutschrift kam. Das heißt, man konnte die Flasche immer und immer wieder reinwerfen und die Summe auf dem Bon wuchs jedes Mal entsprechend an. Und genau so etwas ist für mich spannend: mehr zu wissen und zu können als andere. Sogar etwas zu dürfen, was eigentlich gar nicht vorgesehen ist.

    „Hacking ist für mich nichts, was unbedingt mit IT zu tun hat“

    Was ist passiert, dass du deine Fähigkeiten Firmen angeboten hast? Hat dich vielleicht deine Mutter dazu ermuntert?
    Nein. IT war mein Hobby. Meine Mutter hat das zwar akzeptiert, ihr fehlte aber die Affinität für das Thema, um mich dabei groß zu fördern. Das war so, als hätte ich gesagt, ich gehe jetzt Fußball spielen. Anders als sportbegeisterte Jugendliche bin ich zu IT-Konferenzen gegangen und habe mit der Zeit dort selbst Vorträge gehalten. So kamen dann auch die ersten Anfragen von Firmen.

    Dich buchen Unternehmen, damit du Schwachstellen in ihren IT-Systemen aufspürst. Wie würdest du einem achtjährigen Kind erklären, was Hacking ist?
    Hacking ist für mich nichts, was unbedingt mit IT zu tun hat. Hacking bedeutet für mich, einen Prozess zu umgehen oder Technologie für andere Dinge anzupassen. Wenn man zum Beispiel weiß, dass ein Wasserkocher mit Heizstäben funktioniert, kann man dort theoretisch neben Wasser auch eine Kartoffel oder eine Nudel reinwerfen. Die würde dann wahrscheinlich auch gar werden. Technologie lässt sich oft für Dinge verwenden, die so erstmal nicht vorgesehen waren. Da setzen wir an.

    Du warst gerade mal 16 Jahre, als du dein Start-up gegründet hast. Blieb daneben eigentlich überhaupt Zeit für Schule, Partys oder Dates?
    Ja, schon. Aber in meiner Freizeit habe ich mich meist mit IT befasst. Also habe ich ein bisschen was verpasst …

    … du hast Prioritäten gesetzt?
    Yes, das ist sehr schön formuliert. Ich habe die letzten vier Jahre mein Leben nicht verschwendet. Ich habe Prioritäten gesetzt (lacht).

    Als Unternehmer und Chef bist du extrem jung – und deine Gesprächspartner sind oft viel älter. Wie behauptest du dich da? 
    Ich bewege mich korrekt im Rahmen meiner jeweiligen Rolle, sei es als Experte oder als Vorgesetzter. Und dabei bin ich mir sehr bewusst, was ich sehr gut, ein bisschen und was ich gar nicht kann – und wofür ich selbst Expertise einholen muss.

    Gibt es Situationen, die dich auch mal wütend machen?
    Ich mag es nicht, wenn jemand so tut, als wüsste er mehr als ich, nur weil er älter ist.

    „Ich habe alle Freiheiten dieser Welt“

    Deine Jugend verunsichert dein Gegenüber eben. Vermutlich hat derjenige selbst Jahrzehnte gebraucht, um auf eine mit dir vergleichbare Position zu gelangen. Was wäre eine souveräne Reaktion?
    Auch wenn ich vielleicht dem Weltbild eines Chefs Anfang 50 nicht entspreche, wünsche ich mir, dass er offen für die Zusammenarbeit und den Austausch mit mir ist. Und dass generell die Jungen und die Älteren auf Augenhöhe zusammenarbeiten nach dem Motto: Du hast Stärken, ich habe Stärken – gemeinsam sind wir besser. 

    Du selbst hast nicht Informatik studiert. Was empfiehlst du Leuten, die so viel erreichen wollen wie du?
    Grundsätzlich ist es sicher sinnvoll, Informatik zu studieren. Ein Studium vermittelt breites Wissen, das gerade in der IT-Security wichtig ist. Für mich hat sich das Studium einfach nicht ergeben, da ich während meiner Schulzeit bereits von Kunden angefragt wurde.

    Aber hilft es nicht, mit einem Studium die Materie tief zu durchdringen?
    Ich bin der festen Überzeugung, dass man alles, was man braucht, zwangsläufig lernen wird. Ich bin kein großer Freund davon, erst alles zu lernen und dann damit ins Berufsleben zu starten. Denn man weiß ja vorher nie, was man mal brauchen wird. Wenn ich durch die Straßen gehe, und jemand gibt mir Tipps, wie ich ein Seil richtig knote, dann bringt mir das nichts. Wenn ich aber gerade Bergsteigen gehe, dann werde ich diese Tipps aufsaugen.

    Rein rechnerisch hast du noch 45 Arbeitsjahre vor dir. Wie geht es bei dir beruflich weiter?
    Das Schöne ist ja, dass ich überhaupt nicht wissen muss, was ich in fünf oder zehn Jahren mache, weil ich noch so jung bin. Ich könnte immer noch eine Ausbildung machen oder ein Studium anfangen. Ich habe alle Freiheiten dieser Welt. Ich weiß nur, dass es für mich super wichtig ist, im Hier und Jetzt zu leben, um glücklich zu sein. Und momentan bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich mache. Aber natürlich kann ich heute nicht für den Rest meines Lebens sprechen.

    Vielen Dank für das Interview.

    Das Interview ist ursprünglich im „#Start“-Magazin, dem Bewerberguide des Handelsblatts, erschienen.

    Mehr: Deutlich mehr Cyberkriminalität – Täter machen sich Corona zunutze

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