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Resilienz Widerstandskraft trainieren: So werden Manager und Mitarbeiter krisenfest

Den wenigsten fällt es leicht, in der Coronakrise gelassen zu bleiben. Doch auch ein kühler Kopf in unsicheren Zeiten lässt sich antrainieren.
25.04.2020 - 14:02 Uhr Kommentieren
Dunkle Gedanken sollten Manager in diesen Tagen bewusst abschalten. Quelle: Dillom Shook / Unsplash
Entspannt durch die Krise

Dunkle Gedanken sollten Manager in diesen Tagen bewusst abschalten.

(Foto: Dillom Shook / Unsplash)

Düsseldorf Es gibt Menschen, die wir für ihre mentale Stärke bewundern – Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört für viele dazu: Banken-, Euro-, Flüchtlingskrise – und nun die Corona-Pandemie. Merkel bleibt besonnen, wenig emotional und strahlt einen wohldosierten, sachlichen Optimismus aus.

In der Krise bewährt sich die Kanzlerin, deren Kritiker in ruhigeren Zeiten durchaus lauter wurden. Vor allem in schwierigen Zeiten scheint die Physikerin über enorme Kraftreserven zu verfügen. Wie geht das?

Bei der Klärung der Frage hilft eine Fachdisziplin der Psychologie weiter. Forscher haben analysiert, warum einige Menschen gravierende Krisen psychisch robust meistern, während andere komplett aus der Bahn geworfen werden. Es geht um die unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeit, mit Belastungen fertig zu werden, also um die psychische Widerstandskraft oder „Resilienz“, wie es in der Fachsprache gerne heißt.

Nicht nur die derzeitige Coronakrise mit ihren allgegenwärtigen Gesundheitsgefahren und der oft ungewohnten Homeoffice-Situation ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, gelassen und zuversichtlich zu bleiben. Auch sonst gilt es, belastende Situationen zu bewältigen: Konflikte mit dem Chef, das gescheiterte Projekt, Entlassung. Oder im Privaten: Streit, Scheidung, Verlust von Angehörigen.

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    Wie aber schaffen wir es, mit Krisen konstruktiv umzugehen?

    „Ein gewisser Anteil unserer persönlichen Stressresistenz ist genetisch bestimmt“, sagt Michael Kastner. Der Leiter des Instituts für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin in Herdecke weiß: Wer ein ausgeglichenes Naturell hat, intelligent und offen ist, wer auch in schwierigen Lagen Chancen erkennt, der hat es in Krisen tendenziell einfacher, belegen Studien.

    „Resilienz lässt sich wie Muskeln trainieren.“ Quelle: IAPAM
    Michael Kastner (Mediziner und Psychologe)

    „Resilienz lässt sich wie Muskeln trainieren.“

    (Foto: IAPAM)

    Doch „Resilienz“, und das ist die gute Nachricht, lässt sich bis zu einem gewissen Grad erlernen. Mediziner und Psychologe Kastner hat eine gute Nachricht für alle, denen krisenfeste Eigenschaften nicht in die Wiege gelegt wurden: „Resilienz lässt sich wie Muskeln trainieren.“

    Für Manager und Mitarbeiter gibt es dafür spezielle Coachingangebote – so wie das von Jutta Heller in Nürnberg. Die 58-Jährige sagt: „Menschen, die Probleme in Krisen haben, sollten nicht zu sehr mit der Situation hadern.“ Es geht darum, die dunkle Gedankenspirale bewusst abzuschalten.

    Denn selbst in der Krise könne man lernen, optimistisch zu sein, meint Heller. Manchmal helfe es, die schönen Dinge des Lebens wieder wahrzunehmen – etwa durch ein Freudetagebuch. Darin werden täglich drei Dinge notiert, über die man sich gefreut hat. „Das stärkt den inneren Zustand – und die Resilienz.“

    Experten raten auch dazu, zwischendurch sehr bewusst Abstand vom Newsticker zu nehmen, um abzuschalten. Wie wichtig das ist, belegt eine aktuelle europäische Studie des Mainzer Leibniz-Instituts für Resilienzforschung. So gaben 93 Prozent der Befragten an, sich in der Coronakrise durch Medienberichte gestresst zu fühlen.

    Manager und Mitarbeiter sollten auch versuchen, aus der Opferrolle herauskommen. Hilfreich ist, sich bewusst auf seine Stärken zu besinnen. Wer sich etwa daran erinnert, wie er Krisen in der Vergangenheit gemeistert hat, kann sie bei dieser Analyse wiederentdecken.

    „Menschen, die Probleme in Krisen haben, sollten nicht zu sehr mit der Situation hadern.“ Quelle: Ingo Förtsch
    Jutta Heller (Resilienzcoach)

    „Menschen, die Probleme in Krisen haben, sollten nicht zu sehr mit der Situation hadern.“

    (Foto: Ingo Förtsch)

    Zudem rät Organisationspsychologe Kastner dazu, sich viel zu bewegen, ausreichend zu schlafen und Alkohol, wenn überhaupt, nur wohldosiert zu genießen. Belohnungen seien zwar wichtig, etwa dafür, dass lang liegengebliebene Arbeiten endlich erledigt worden seien. Aber dann ein gutes Buch zu lesen oder sich einen Spaziergang zu gönnen, sei vielfach positiver.

    Was Kastner in der aktuellen Situation empfiehlt: eine Tagesroutine zu schaffen. Das fängt beim Aufstehen und Anziehen an und geht über in klar definierte Phasen von Arbeit und Freizeit. Das biete Sicherheit, Vorhersehbarkeit, Planbarkeit und erfülle den Tag mit Sinn. Damit ließen sich „Ängste oder Gefühle wie Hilflosigkeit oder Kontrollverlust reduzieren“.

    Auch stabile soziale Kontakte – Familie, Freunde, Kollegen, Vereine – helfen in schwierigen Zeiten. Wer seine Ängste und Sorgen mit jemandem teilt, wird resilienter. Gerade in der Krise gilt es, die sozialen Kontakte aktiv aufrechtzuerhalten – um sich auch mal in sein soziales Netz fallen lassen zu können.

    Mehr: Homeoffice, Kurzarbeit, Entlassungen: So verändert Corona die Arbeitswelt

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