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Serie: Netzwerken in der Krise – Teil 2 Xing-Gründer Lars Hinrichs: „Ohne Netzwerke wäre ich ein Nichts“

Der Telekom-Aufsichtsrat spricht darüber, wie gute Kontakte seiner Karriere geholfen haben – und warum er seine Tochter beim Vernetzen nicht unterstützen darf.
27.02.2021 - 11:00 Uhr Kommentieren
Der Investor hat den Xing-Vorgänger gegründet. Quelle: Apartimentum, Montage
Lars Hinrichs

Der Investor hat den Xing-Vorgänger gegründet.

(Foto: Apartimentum, Montage)

Düsseldorf Er ist der Pionier des digitalen und ein Kenner des anlogen Netzwerkens: Lars Hinrichs. Der Xing-Gründer sitzt heute im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom und ist Mitglied in verschiedenen Netzwerken. Kaum jemand in Deutschland dürfte sich zu diesem Thema also besser auskennen.

Der 44-jährige Investor sagt im Handelsblatt-Interview: „Wer gerade jetzt kein Netzwerk hat, ist ziemlich aufgeschmissen. So notwendig wie während der Corona-Pandemie war Netzwerken noch nie.“ Er kann keine Situation benennen, in der ihm sein Netzwerk nicht irgendwie geholfen habe. „Man investiert Zeit und Ideen und erhält dafür Rendite in Form von neuen Geschäftspartnern oder Mitarbeitern.“

Auf den Karriernetzwerken LinkedIn und Xing bekomme er täglich mehr als 20 Anfragen, erzählt Hinrichs, doch er lehne fast alle ab. „Es geht um die Qualität der Kontakte, nicht um die Quantität.“ Trotz der digitalen Möglichkeiten vermisst er persönliche Treffen. „Das durch Corona erzwungene Homeoffice ist für mich ein Graus.“

Netzwerke seien nichts Böses, betont Hinrichs, „sondern in jedem Fall sehr hilfreich“. Seilschaften nimmt der Investor eher in Bezug auf die Politik wahr. Es ist zwar einfacher, durch ein Netzwerk auf den obersten Stapel der Personalabteilung zu kommen. Doch die finale Entscheidung ist unabhängig vom Netzwerk, da bin ich mir sicher.“

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Hinrichs, wie hat sich Netzwerken durch die Pandemie verändert?
Wer gerade jetzt kein Netzwerk hat, ist ziemlich aufgeschmissen. So notwendig wie während der Corona-Pandemie war Netzwerken noch nie.

Sie haben 2003 das Netzwerk Open BC entwickelt, das heutige Xing. Warum?
Ich wollte mit Open BC ein persönliches Problem lösen: Ich wollte an die Kontakte meiner Kontakte. Und die sind mir bis heute sehr wichtig. Bei Bewerbungen zum Beispiel schaue ich immer, wie viele gemeinsame Kontakte ich mit der Person habe. Wenn es nur sehr wenige Überschneidungen gibt, dann ist das ein Ausschlusskriterium für mich, weil derjenige ganz offensichtlich schlecht vernetzt ist.

Hinrichs hat 2003 den Xing-Vorgänger gegründet. Quelle: dpa
Xing-Logo

Hinrichs hat 2003 den Xing-Vorgänger gegründet.

(Foto: dpa)

Wären Sie eigentlich gern wieder Chef von Xing? Oder doch lieber der von LinkedIn?
Dazu möchte ich nichts sagen, das betrifft einen Lebensabschnitt, der vorbei ist. Nur so viel: Die Entwicklung der beiden Netzwerke spricht eine klare Sprache, dass das Geschäftsmodell funktioniert.

Sie haben auf Xing und LinkedIn jeweils mehr als 2000 Kontakte. Wie viele Anfragen bekommen Sie?
Etwa 20 am Tag. Aber ich lehne fast alle ab.

Warum? Mehr Kontakte bedeuten doch mehr Einfluss.
Nicht zwangsläufig. Ich verbinde mich in digitalen Netzwerken nur mit Personen, die ich persönlich kenne oder die mir von bisherigen Kontakten empfohlen werden. Es geht um die Qualität der Kontakte, nicht um die Quantität.

Löschen Sie auch Kontakte?
Ja, regelmäßig. Ich habe mich jüngst erst von einigen Kontakten getrennt, die sich über die Zeit zu „Querdenkern“ entwickelt haben. Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien. Ich sehe Bill Gates sehr positiv und habe erlebt, wie er persönlich ist und was er mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung erreicht hat.

Sie netzwerken seit 20 Jahren. Inwiefern hat sich das verändert?
Früher war entscheidend, dass man überhaupt ein Netzwerk hatte. Heute kommt es darauf an, dass man in den richtigen Netzwerken mitmischt und viele gute Kontakte hat.

Was sind die richtigen Netzwerke?
Ich schätze den Kreis der Young Global Leaders (YGL) des Weltwirtschaftsforums Davos sehr, weil er so divers ist. Ich bin auch Young Leader der Atlantik-Brücke und Mitglied der Young Presidents“ Organization (YPO), das ist ein globales Netzwerk junger Führungskräfte.

Das sind alles drei Netzwerke, für die man einige Voraussetzungen erfüllen muss: Man muss in einer Führungsposition sein, teilweise sogar einen Mindestumsatz vorweisen können, und man braucht persönliche Empfehlungen. Diese drei Kreise sind von daher schon elitär, aber gerade deshalb nützlich.

Was bringen Ihnen diese Netzwerke denn? Sind das nicht bloß nette Runden zum Austauschen?
Ich kenne keine Situation, in der mir mein Netzwerk nicht irgendwie geholfen hat. Ohne meine Netzwerke wäre ich ein Nichts. Es ist ganz einfach: Man investiert Zeit und Ideen und erhält dafür Rendite in Form von neuen Geschäftspartnern oder Mitarbeitern. Ich kann in Gesprächen gar nicht anders, als zu fragen, wo ich noch helfen kann – das ist für mich fast schon ein natürlicher Reflex.

Und allein die Anrede „Wir kennen uns aus diesem Kreis ...“ ist doch die beste Gesprächseröffnung. Zudem startet man bei Netzwerk-Kontakten häufig gleich mit dem Duzen. Das schafft sofort große Nähe.

Und wie sind Sie an Ihr Aufsichtsratsmandat bei der Deutschen Telekom gekommen?
René (der damalige Telekom-Chef Obermann, Anm. d. Red.) hat mich angerufen. Wir kannten uns persönlich. Und dann habe ich mich mit Ulrich Lehner getroffen, dem Aufsichtsratsvorsitzenden. Ihn sieze ich übrigens bis heute. Und das ist keine Frage des Altersunterschieds, sondern des Respekts gegenüber seiner Persönlichkeit und Lebensleistung.

Den Aufsichtsratsvorsitzenden der Telekom siezt Hinrichs bis heute. Quelle: ThyssenKrupp AG
Ulrich Lehner

Den Aufsichtsratsvorsitzenden der Telekom siezt Hinrichs bis heute.

(Foto: ThyssenKrupp AG)

Vermissen Sie im Moment solche persönlichen Treffen?
Total. Ich lerne schrecklich gern neue Leute kennen. Das durch Corona erzwungene Homeoffice ist für mich ein Graus.

Was war denn Ihr größter Netzwerkerfolg?
Wegweisend war sicherlich die erste Finanzierungsrunde für Open BC. Durch einen Kontakt meiner Kontakte bin ich auf den Wagniskapitalgeber Klaus Hommels gestoßen. Er hat uns maßgeblich mitfinanziert.

Was raten Sie Managern, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?
Überlege dir genau, was du bieten und was du verlangen kannst. Netzwerken ist ein Geben und Nehmen. Und es ist häufig auch bloßes Aufmerksamkeitsschenken. Ich gratuliere zum Beispiel meinen Kontakten sehr oft zum Geburtstag. Das ist meine Routine, es gibt keinen Tag in meinem Kalender, an dem niemand Geburtstag hat.

Öfter rufe ich Kontakte direkt an, um zu gratulieren, vielen schicke ich eine WhatsApp-Nachricht.

Netzwerken ist für viele Menschen negativ besetzt. Denken Sie nur an den Begriff Seilschaften.
Ich nehme das eher in Bezug auf die Politik wahr. Der Fall von Philipp Amthor in Bezug auf Augustus Intelligence ist dafür ein Beispiel, wie politischer Einfluss für wirtschaftliche Interessen missbraucht wird. In der Politik sind Netzwerke oft negativ konnotiert, in der Wirtschaft überwiegend dienlich.

Ich selbst bin vielleicht ein gutes Beispiel dafür, dass es die alte Deutschland AG nicht mehr gibt. Oder wie und warum bin ich sonst einst mit 36 Jahren in den Aufsichtsrat der Telekom gekommen?

Loyalität siegt selten über Kompetenz und Leistung. Qualität war schon immer wichtiger – und das ist in den meisten Fällen schon im eigenen Interesse. Lars Hinrichs

Gegenfrage: Kann Netzwerken Leistung ersetzen?
Loyalität siegt selten über Kompetenz und Leistung. Qualität war schon immer wichtiger – und das ist in den meisten Fällen schon im eigenen Interesse. Es ist zwar einfacher, durch ein Netzwerk auf den obersten Stapel der Personalabteilung zu kommen. Doch die finale Entscheidung ist unabhängig vom Netzwerk, da bin ich mir sicher.

Es wird gesagt, dass die Karrierenetzwerke das Ende für die Personalberater bedeuten. Stimmt das?
Nein. Ich nutze immer noch die Dienste von Headhuntern – und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich lasse die Personalberater eine Shortlist erstellen, und die dort präsentierten Kandidaten gleiche ich dann mit meinem eigenen Netzwerk ab. Dann folgen die persönlichen Gespräche.

Wo liegen die Grenzen des Netzwerkens?
Bei meiner 15-jährigen Tochter. Sie wollte sich jüngst bei ihrer Suche nach einem Praktikumsplatz partout nicht von mir unterstützen lassen. Sie hatte die Auffassung, dass sie sich durch mein Netzwerk einen unfairen Vorteil verschaffen würde. Ich habe das natürlich respektiert und sie ihr eigenes Ding machen lassen.

Am Ende unseres Gesprächs hat sie aber immerhin eingesehen, dass Netzwerke nichts Böses sind – sondern in jedem Fall sehr hilfreich.

Herr Hinrichs, vielen Dank für das Interview.

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